Insel nach Anschlag vorübergehend abgeriegelt: Urlauber-Chaos auf Mallorca
zuletzt aktualisiert: 30.07.2009 - 19:41Madrid (RPO). Urlauberchaos auf Mallorca: Nach einem Autobombenanschlag mit zwei Toten sperrten die spanischen Behörden die Ferieninsel mehrere Stunden ab. Als Reaktion auf den Anschlag wurde der Flugverkehr kurz vor 16 Uhr zunächst für etwa zwei Stunden eingestellt und auch die Häfen gesperrt. Wie viele Urlauber genau festsaßen, ist noch nicht bekannt. Sie wurden vor Ort von Reiseleitern betreut und in Ausweichhotels gebracht.
Da es in Mallorca kein Nachtflugverbot gibt, können die verschobenen Flüge möglicherweise noch in der Nacht starten. Die Zahl der betroffenen Flüge und Passagiere werde von der Flughafen-Betreibergesellschaft AENA ermittelt, sagte eine Behördensprecherin. Zahlreiche Touristen warteten am Flughafen auf die Wiederaufnahme der Flüge.
Air Berlin zeigte sich zuversichtlich, dass die 18 Flugzeuge, die von Palma deutsche Flughäfen ansteuern sollten, trotz der Verspätungen und Nachtflugverbots auch noch in Deutschland landen könnten. "Ich gehe davon aus, dass wir das hinbekommen", sagte eine Sprecherin. Acht Flugzeuge der Air Berlin sollten zudem am Abend noch von Deutschland nach Mallorca starten. Von den Verspätungen sind mehrere Hundert Passagiere betroffen. Die Airline hat für ihre Passagiere eine Service-Hotline eingerichtet: 00800-5737.
Fluglinien in Deutschland warteten am Nachmittag auf Rückmeldungen aus Spanien. Air Berlin und Germanwings konnten zunächst keine Angaben zur Zahl der betroffenen Urlauber machen. Zwei Lufthansa-Flüge waren bereits vor der Schließung des Flughafens gestartet.
Der Flugverkehr in Richtung Mallorca war nach Angaben der Deutschen Flugsicherung (DFS) vorerst gestoppt. Flugzeuge, die schon unterwegs waren, kehrten entweder um oder nutzten Flughäfen auf anderen Inseln oder dem spanischen Festland.
Düsseldorf: Fünf Flüge betroffen
Von der Schließung des Flughafens waren am Düsseldorfer Flughafen fünf Flugverbindungen betroffen. Nach Angaben eines Flughafensprechers sollten zwei Maschinen noch am Donnerstag von Mallorca nach Düsseldorf fliegen, drei weitere Flugzeuge sollten in Richtung Mallorca starten. Wie viele Passagiere insgesamt betroffen sind, konnte der Sprecher nicht sagen. Der Sprecher riet Reisenden und Abholern, sich im Internet oder bei den Airlines nach dem neuesten Stand zu erkundigen.
Chaos auch rund um den Flughafen in Palma: Die Zufahrtswege waren gesperrt, der Verkehr brach zusammen. Touristen sind auch von der Schließung des Hafens betroffen. Einige Kreuzfahrtschiffe haben ihre Fahrten bis auf weiteres verschoben, meldet die spanische Zeitung "El País".
Ausweich-Hotels für Urlauber
Urlauber des Reiseveranstalters Thomas Cook, die nach dem Anschlag auf der Balearen-Insel Mallorca festsitzen, müssen nach Angaben des Unternehmens die Nacht nicht im Freien verbringen. Die meisten Hotels hätten noch freie Kapazitäten, die Reiseleiter würden die betroffenen Urlauber umgehend informieren und für Quartier sorgen, sagte eine Sprecherin am Donnerstag.
Sobald Flugzeuge und Schiffe die Balearen-Insel wieder verlassen dürften, würden die Urlauber nach Hause gebracht. Wie viele Reisende, die ihren Mallorca-Urlaub mit Thomas Cook gebucht haben, auf der Insel festsitzen, konnte die Sprecherin zunächst nicht sagen.
Ähnlich sieht es bei Reiseveranstalter Tui aus. Zur Zeit sind 20.000 Gäste auf der Insel, wie viele nun festsitzen, konnte eine Sprecherin des Unternehmens unserer Redaktion noch nicht mitteilen. Sie würden von Reiseleitern betreut und in Ausweichhotels gebracht. Die Stimmung vor Ort sei ruhig, hieß es weiter.
Reiserechtler: Anschlag ist "höhere Gewalt"
Ein Anschlag, wie er auf Mallorca stattgefunden hat, ist nach Angaben von Reiserechtler Jan Bartholl aus Münster höhrere Gewalt. Das heißt, Reiseveranstalter müssen rein juristisch gesehen nicht haften. "In der Regel zeigen sich große Veranstalter aber kulant", erklärte er gegenüber RP ONLINE. Es bestehe in jedem Fall jedoch eine Informations- und Betreuungspflicht für die betroffenen Gäste.
Die Fluggäste, die auf dem Flughafen Mallorca auf die nächste Rückflugmöglichkeit warten, haben Anspruch auf Essen, Trinken und einen Telefonanruf nach Hause, erläutert Maja Kressin, Reiserechtsexpertin der Verbraucherzentrale Hamburg. Allerdings dürften sich Urlauber nicht einfach etwas zu essen kaufen und die Kosten dafür nachträglich zurückverlangen. "Das wäre schon der erste Fehler." Stattdessen sollten die Betreffenden sich direkt an den Schalter ihrer Fluggesellschaft wenden. "Häufig gibt es dort dann Gutscheine."
Ein Anspruch besteht außerdem darauf, baldmöglichst nach Hause fliegen zu können, sobald die Sperrung des Flughafens aufgehoben wurde.



