Experten und Auswärtiges Amt raten nicht von Reisen ab: Urlaubsflirt auf eigene Gefahr
zuletzt aktualisiert: 22.07.2009 - 14:14Leipzig (RPO). Dauer-Party, Körperkontakt und gemeinsames Trinken aus Sangria-Eimern: Ein heißer Urlaubsflirt kann in diesem Sommer nachhaltige Folgen haben. Besonders bei Spanienurlaubern häufen sich derzeit die Schweinegrippe-Infektionen.
Die Zahl der offiziell in Deutschland gemeldeten Fälle stieg seit dem ersten Auftreten vor knapp drei Monaten zuletzt deutlich auf über 1800. Gesundheitsexperten und auch das Auswärtige Amt raten dennoch nicht von Reisen nach Spanien und in andere Länder ab. Das Virus sei auf seinem weltweiten Vormarsch nicht mehr zu stoppen, heißt es. Nun müsse sich jeder so gut wie möglich selbst vor Ansteckung schützen.
Heißt es also in den spanischen Partyhochburgen wie Lloret de Mar oder auf Mallorca jetzt Küssen verboten? Fakt ist, wer engumschlungen mit seinem Urlaubsflirt in der Disko kuschelt oder sich mit anderen Touristen den Sangria-Eimer teilt, setzt sich generell einem höheren Infektionsrisiko aus. Die aktuellen Zahlen bestätigen dies. Ein hoher Anteil der neuen Schweinegrippefälle in Deutschland werden nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) durch Reiserückkehrer verursacht. Allein von den zwischen Montag und Dienstag registrierten 263 neuen Fällen betrafen 227 Urlaubsrückkehrer vor allem aus Spanien.
Für einen Verzicht auf die Urlaubsreise sieht Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) dennoch keinen Grund. Schließlich könne man sich "nicht nur im Ausland, sondern auch hier in Deutschland anstecken". Auch das Auswärtige Amt, dass Ende April angesichts der in Mexiko grassierenden Schweinegrippe und zahlreicher Todesfälle von Reisen in das Land vorübergehend abgeraten hatte, sieht im Fall Spanien derzeit keinen Handlungsbedarf. "Wir sehen schon das Risiko und die Gefahr sich zu infizieren", sagt ein Behördensprecher am Mittwoch. Die Schwelle, um von Reisen abzuraten, sei aber noch nicht erreicht.
Aus Sicht des Auswärtigen Amts sollen die Reisenden selbst entscheiden, ob sie Länder mit Schweinegrippe besuchen wollen. Auf ihrer Internetseite hat die Behörde alle betroffenen Staaten aufgelistet und Tipps für Flugreisende und Hygieneregeln veröffentlicht.
Ungebremste Reiselust
Die meisten Deutschen scheint die Schweinegrippe jedenfalls kaum in ihrer Reiselust zu bremsen, auch wenn vor kurzem der Tod einer jungen Nigerianerin auf Mallorca Schlagzeilen machte. In der vergangenen Woche hätten etwas mehr Kunden als üblich in den Callcentern angerufen, um sich zum Thema Schweinegrippe zu informieren, sagt Tanja Kraus, Sprecherin des Reiseveranstalters TUI. Umbuchungswünsche gebe es allerdings nur vereinzelt.
Auch der Mikrobiologe Alexander Kekulé hält Reisewarnungen für "überzogen". "Aber man muss schon darauf hinweisen, dass Feriendomizile vor allem im Süden, wo die Menschen dicht zusammenstecken, eine Drehscheibe für das Virus sind", sagt der Experte von der Universität Halle.
Vor allem Schwangere, die nach bisherigen Erkenntnissen ein erhöhtes Risiko durch den neuartigen Erreger haben, sollten im Urlaub engen Kontakt mit anderen meiden. Kekulé rechnet durch die Ferienzeit insgesamt mit einem "deutlichen Anstieg" der Erkrankungszahlen in Deutschland.
Händewaschen nie vergessen
Da die Verbreitung des Virus nicht mehr zu verhindern ist, kommt es den Experten zufolge nun vor allem auf die persönliche Hygiene an. Wer Husten oder Niesen muss, tut das lieber nicht in die Hand, sondern besser in den Pullover- oder Jackenärmel. Auch sollten regelmäßig die Hände gewaschen werden. Wem das nicht reicht, der verzichtet vorerst auf den freundschaftlichen Handschlag. Diese einfachen Hygieneregeln bieten derzeit den besten Schutz vor einer Ansteckung - neben dem Impfen. Mit Impfstoff wird allerdings erst im Herbst gerechnet.



