Nach einer Woche Streik nur marginaler Flugbetrieb möglich: Verdi will Lufthansa lahmlegen
VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 26.07.2008 - 09:18Düsseldorf (RP). Der Brandbrief, mit dem Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber am Freitag in letzter Minute einen Streik abwenden wollte, hat nichts geholfen: Ab Montag droht auf deutschen Flughäfen das Chaos. Verdi hat das Kabinen- und Bodenpersonal von Deutschlands größter Fluggesellschaft aufgerufen, Sonntag um Mitternacht die Arbeit niederzulegen.
Bis zu 9,8 Prozent Lohnerhöhung will Verdi für das Flugpersonal erreichen. "Lenkt die Lufthansa nicht ein, wird es spätestens in einer Woche nur noch marginalen Flugbetrieb geben", sagte Verdi-Verhandlungsführer Erhard Ott der "Bild"-Zeitung.
Damit können sich mitten in der Ferienzeit tausende Urlauber und Geschäftsreisende nicht mehr auf ihre Lufthansa-Tickets verlassen. Wie von der Lufthansa befürchtet, will Verdi vor allem den Bereich Wartung und Instandhaltung bestreiken. So kann die Gewerkschaft mit wenig Aufwand sehr viele Flugzeuge auf den Boden zwingen. Aber auch die Bereiche Kabine, Catering, Cargo, Passage und Systems sollen von Einzelmaßnahmen betroffen sein.
Wie lange der Streik andauern wird, ist völlig offen. Beobachter spekulieren auf eine Woche: Es heißt, die Lufthansa könne sich einen längeren Streik aus finanziellen Gründen nicht leisten, und die Gewerkschaft aus politischen Gründen nicht.
Ein Streiktag kostet die Lufthansa nach Verdi-Schätzungen mindestens fünf Millionen Euro, wie die "Bild" weiter berichtet. Die Summe enthalte unter anderem zusätzliche Ausgaben für Passagiere und Schadenersatzzahlungen wegen Nichteinhaltung von Verträgen wie zum Beispiel für die Wartung von Flugzeugen.
Die Lufthansa bietet vom Streik betroffenen Passagieren an, die Tickets kostenfrei zu stornieren. Außerdem verschenkt sie Ausweichtickets für die Bahn oder für andere Fluggesellschaften. Wie berichtet will sie mit einem ausgeklügelten Notfallplan außerdem trotz Streiks den Großteil der Flüge - wenn auch mit Umwegen - retten.
„Es wird zu erheblichen Störungen des Flugbetriebes kommen“, kündigte gestern Verdi-Vorstand Erhard Ott an. Eine „erhebliche Belastung“ der Fluggäste nimmt Ott in Kauf.
Die Lufthansa reagiert mit Unverständnis auf den Streik. Verdi habe die Verhandlungen über ein höheres Gehalt für die 52000 Kabinen- und Bodenmitarbeiter abgebrochen. Die Lufthansa bleibe gesprächsbereit.


