In der Region gibt es viel zu entdecken: Von Birmingham ins Shakespeare County
zuletzt aktualisiert: 09.07.2004 - 08:41Birmingham (rpo). Wer an Urlaub in Großbritannien denkt, der denkt sicher nicht sofort an Birmingham. Großbritanniens zweitgrößte Metropole hat das Image des staubigen Industriezentrums bis heute nicht abschütteln können. Doch mit dem europaweiten Aufschwung der Billig-Airlines ist auch das "Heart of England" - so nennt sich die Region - nähergerückt.
Die Zeiten haben sich geändert, und nicht mehr verrußte Backsteinfassaden, sondern futuristische Gebäude aus Glas und Stahl bestimmen das Stadtbild. Waren es bis vor kurzem noch eher Geschäftsreisende, die am modernen Flughafen ankommen, wird Birmingham nun auch interessant für Kulturreisende, die London einmal hinter sich lassen wollen.
Birminghams kulturelles Erbe ist bunt. Die Stadt - einst das Herz einer dem Ruhrgebiet vergleichbaren Industrieregion mit Stahl und Kohle - hat als Ergebnis einer Zuwanderung aus Irland im 19. Jahrhundert einen römisch-katholischen Erzbischof, dazu einen Bischof der anglikanischen Kirche, zwei Universitäten und zwei berühmte Kunstsammlungen.
Rathaus dominiert das Zentrum
Im Zentrum am Victoria Square dominiert das Rathaus mit einem an antike Tempel erinnernden Säulenportal. Tatsächlich wurde die 1832 gebaute Town Hall dem Tempel des Castor und Pollux in Rom nachempfunden. Die üppige badende Schönheit aus Stein, die vor dem Rathaus inmitten von Wasserspielen sitzt, nennen die Birminghamer etwas respektlos "Fluzi in the Jacuzzi".
Das Council House - unmittelbar dem Rathaus angegliedert - beherbergt das Corporation Art Gallery & Museum. Und in der Nähe liegt in der New Hall Street das Museum of Science & Industry mit Ausstellungen zur Industriegeschichte. Wer die Gegend auf eine besondere Weise kennen lernen will, bucht eine Ausflugsfahrt mit einem Narrowboat durch die Kanäle der Stadt.
Die schmalen Kähne dienten früher zum Transport aus den Kohleregionen zu den Stahlkochereien in Birmingham und zum Abtransport des fertigen Stahls nach Liverpool und in andere Häfen. Ganz Mittelengland ist von einem Netz von Kanälen durchzogen, die heute keinerlei wirtschaftliche Bedeutung mehr haben. Neben Ausflugstouren kann man die bunt bemalten Narrowboats auch mieten und wie mit einem Hausboot die Gegend erkunden.
Shakespeare County vor Birminghams Haustür
Praktisch vor Birminghams Haustür liegt Shakespeare County, die Heimat des großen Renaissance-Dramatikers. Die drei Zentren, wo man England von seiner besten historischen und landschaftlichen Seite kennen lernen kann, sind der Badekurort Leamington, das historische Warwick mit dem gleichnamigen Schloss und schließlich Stratford-upon-Avon als Zentrum der Shakespeare-Verehrung.
Leamington hat sich den Charme eines alten, britisch-aristokratischen Kurorts bewahrt, Warwick war schon für den Historien-Schriftsteller Sir Walter Scott ein "wunderschönes Monument mittelalterlicher Größe", dem bis heute kein Zahn der Zeit etwas anhaben konnte, und Stratford selbst lebt von Shakespeare, seiner Familie und einer gekonnten Vermarktung des Schriftstellers und seiner Werke.
Liebliche Landschaft mit wunderschönen Gärten
All das liegt in einer lieblichen Landschaft, deren Hotels und Restaurants sich dem reichen historischen Erbe verschrieben haben. Ein ganz besonderer Reiz des Shakespeare County liegt in seinen Gärten und gartenähnlichen Schlossanlagen, den vielleicht schönsten Englands.
Leamington liegt am Leam, einem Nebenfluss des Avon. Schon 1786 öffnete hier die erste Badeanstalt, doch richtig bekannt wurde der Ort erst nach 1850. Sehenswert sind im Zentrum die Gärten des Royal Pump Room & Bath mit seinen historischen Schwimmbädern. Praktisch nahtlos schließen sich mit den Jephson Gardens, dem Mill Garden und dem Victoria Park weitere Anklagen an.
Im Manor House gründete sich 1872 der erste Lawn Tennis Club des Landes. Nur wenige Meilen entfernt lohnt Kenilworth Castle - eine feudale Ruine mitten in einer charmanten Landschaft - einen Besuch. Die Stoneleigh Abbey offeriert englische Romantik des 19. Jahrhunderts und einen Einblick in 1000 Jahre englischer Geschichte.
Warwick Castle beschert wohlige Schauer
Warwick Castle bietet unterirdische Kerker und Verliese, von denen Besucher englischer Schlösser mit einem wohligen Schauder schon immer geträumt haben. Gäste finden alles angerichtet zur Royal Weekend Party von 1898, Queen Victoria scheint jeden Moment an der Tafel Platz nehmen zu wollen. Beim Multimedia-Spektakel "Kingmaker" über die Vorbereitungen auf eine Schlacht kann man den Pulverdampf riechen.
Ziel der Pilgerzüge moderner Shakespeare-Enthusiasten ist die Marktgemeinde Stratford-upon-Avon, dem Geburtsort des Dichters. Der Shakespeare Birthplace Trust verwaltet mit dem Geburtshaus, mit Anne Hathaways Cottage, Halls Croft, New Place und dem Haus von Mary Arden gleich drei herausragende Beispiele dieses alten Baustils.
Im Haus, wo Shakespeare 1564 das Licht der Welt erblickte, lernen Besucher den Alltag im Tudor-Zeitalter aus Sicht des jungen William kennen. Und natürlich gehört ein Besuch in einem der drei Theater der Royal Shakespeare Company dazu. Geboten wird Schauspielkunst vom Feinsten in teilweise historischen Bühnenbildern. In den Hauptreisezeiten gehört ein bisschen Glück dazu, noch eine Karte zu erwischen. Frühes Buchen ist via Internet möglich.


