"Kopf-über-Haus" auf Usedom: Wo der Fußboden zur Decke wird
zuletzt aktualisiert: 05.09.2008 - 15:57Trassenheide (RPO). Dieses Haus auf der Insel Usedom sollten Besucher im Handstand betreten. Denn hier steht die Welt auf dem Kopf: Oben und unten vertauschen ihre Rollen. Das spitze Dachgeschoss balanciert auf der Erde und auch das Hausinnere lockt mit ungewohnter Perspektive.
Wer das neue Haus in Trassenheide auf der Insel Usedom betritt, dem wird schnell schwindelig. Über eine Tür erreichen die Besucher den Dachboden mit einem kleinen Kinderzimmer. Hier schweben Kinderbett und Schreibtisch über dem Kopf. Und sogar Puppen und ein Feuerwehrauto hängen in der Spielecke kopfüber an der "Decke". Konsequent wurde auch die Toilette im Bad nebenan verkehrt herum installiert.
In dem liebevoll eingerichteten Haus herrsche nahezu komplett verkehrte Welt, sagt Klausdiusz Golos. Zusammen mit Sebastian Mikiciuk gründete er die Ausstellungsfirma Edutainment und ließ für rund 300.000 Euro Deutschlands erstes "Kopf-über-Haus" errichten. Nur die Treppen seien korrekt herum eingebaut worden. So können die Gäste das Erdgeschoss erreichen, das sich hier natürlich im oberen Hausteil befindet.
Schief gebaut
Wer hinauf ins Erdgeschoss möchte, dem kommt sein Gleichgewichtssinn in die Quere. Denn das Haus wurde nicht nur verkehrt herum sondern auch schief gebaut: Es hat ein Gefälle von sechs Prozent. Leicht verliert der Besucher sein Gleichgewicht und plötzlich erscheint ihm selbst der Gang über die waagerechten Treppen abenteuerlich.
"Unsere Handwerker haben ständig improvisieren müssen", erzählt Golos. Handelsübliche Küchenmöbel mussten umgebaut werden. Auch kleinere Dinge wie die Führungsschienen für die Schubfächer mussten verändert werden, berichtete der 33-jährige Pole. Das Fliesen des Fußbodens kopfüber habe den Experten ebenfalls Schwierigkeiten bereitet.
Die Möbel und sogar das Fernsehgerät seien mit Schrauben an der Decke angebracht worden. Mit Klebstoff wurde die Schwerkraft überwunden und Bilder, Blumenvasen und sogar Geschirr absturzgefährdet in Szene gesetzt. Bettzeug, Sofakissen und Handtücher mussten angenäht werden.
Strom, Heizung und Klimaanlage
Wie ganz normale Häuser verfügt auch der schräge Bau in Trassenheide über Stromanschluss, Heizung und Klimaanlage. Nur auf einen Wasseranschluss verzichteten die Bauherren. "Die Dachrinnen haben wir verkehrt herum am Dach anbringen, zugleich aber ein nicht sichtbares Entsorgungssystem für das Regenwasser installieren lassen", sagt Golos. Für den Besucher nicht erkennbar ist auch das in den Wänden versteckte Stahlgerüst. Es soll dem Haus, das auf seinem Spitzdach steht, auch bei heftigem Sturm Stabilität geben.
Auf die ungewöhnliche Idee kamen Golos und Mikiciuk vor einem Jahr, als sie in Orlando in den USA ein vergleichbares Objekt besichtigt hatten. Weitere Anregungen lieferten illustre Architekturbauten in Polen, Neuseeland und Frankreich. Der Urlaubsort Trassenheide unterstützte schnell und unbürokratisch das Vorhaben, das schon vor seiner Eröffnung Heerscharen fotografierender Neugieriger anlockte. Die Bauherren erwarten pro Jahr 40.000 bis 50.000 Besucher.
Die Bauaufsicht verzichtete bei dem "Kopf-über-Haus" auf die übliche Abnahme. Im kommenden Jahr wollen die Initiatoren zu ganz speziellen Veranstaltungen in ihr Ausnahme-Haus einladen. "Wir denken da zum Beispiel an Hausbegehungen im Handstand oder an einen 'Kochkurs andersherum'", verrät Golos, der bereits den Bau weiterer Häuser in Deutschland plant.
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