Gelockerte Sicherheitshinweise: Ägypten-Reisen nicht mehr kostenfrei stornierbar
zuletzt aktualisiert: 15.02.2011 - 14:40Kempten (RPO). Nach den gelockerten Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amtes können Ägypten-Urlauber gebuchte Reisen nicht mehr ohne weiteres kostenlos stornieren. Die größeren Veranstalter haben unterdessen angekündigt, ihre Reisen nach Ägypten und Tunesien bald wiederaufzunehmen
Nachdem das Auswärtige Amt seinen Sicherheitshinweis entschärft hat und es auch keine Reisewarnung für die Städte Kairo, Suez und Alexandria mehr gibt, sei es deutlich schwieriger, von einem Reisevertrag zurückzutreten, sagte Prof. Ernst Führich am Dienstag dem dpa-Themendienst. Das Auswärtige Amt formuliert nun ausdrücklich: "Reisen in die Urlaubsgebiete am Roten Meer sind wieder möglich."
Will ein Kunde von der Reise zurücktreten und keine Stornokosten bezahlen, kann er sich im Fall von politischen Unruhen am Reiseziel auf höhere Gewalt berufen. "Nun muss er allerdings glaubhaft machen, dass die Reise tatsächlich beeinträchtigt sein würde", erläuterte Führich.
Eskaliert der Streit mit dem Veranstalter und landet er vor Gericht, ist der Kunde nachweispflichtig. Chancen mit seiner Position durchzukommen, gebe es zwar nicht erst dann, wenn klar ist, dass die Reise komplett undurchführbar sein wird. Wie ein Gericht im Einzelfall entscheiden würde, sei aber schwer vorhersagbar.
Große Veranstalter ermöglichen für Touren bis Mitte April aber weiterhin kostenlose Umbuchungen. Kleinere Veranstalter, die auf Ägypten spezialisiert sind und keine anderen Länder im Katalog haben, könnten das nicht und verlangten oft Stornogebühren, sagte Führich. "Die Spezialreiseveranstalter trifft die Entwicklung besonders schwer. Einige stehen kurz vor der Pleite."
Vor allem die größeren Veranstalter haben angekündigt, ihre Reisen nach Ägypten und Tunesien wiederaufzunehmen. Rewe Touristik teilte mit, dass am kommenden Dienstag die ersten deutschen Gäste nach den Unruhen mit zwei Chartermaschinen in die Badeorte auf dem tunesischen Festland und nach Djerba reisen würden. Der Touristikkonzern Tui hatte am Montag erklärt, Anfang März wieder Flugreisen von Deutschland in die Badeorte Ägyptens und Tunesiens anzubieten. Der Reiseveranstalter Thomas Cook will Tunesien Ende Februar wieder anfliegen. Die erste Maschine starte am 28. Februar nach Djerba, am 2. März beginne auch wieder der Flugbetrieb Richtung tunesisches Festland, hatte es in einer Erklärung des Konzerns am Montag geheißen.
Von "nicht dringend erforderlichen Reisen" nach Kairo, Alexandria und Suez rät das Auswärtige Amt nach wie vor wegen der unübersichtlichen Sicherheitslage ab. Es sei daher davon auszugehen, dass Ausflüge nach Kairo häufig abgesagt werden müssten, sagte Führich. In dem Fall habe der Kunde einen Anspruch darauf, die Kosten dafür zurückzubekommen. Reiseveranstalter könnten sich nicht auf höhere Gewalt berufen und die Zahlung mit diesem Argument verweigern.



