Genau vergleichen: Die teuren Extras der Billigflieger
VON CHRISTIN NÜNEMANN - zuletzt aktualisiert: 30.08.2011 - 09:43Düsseldorf (RPO). Ryanair, Easyjet und Co locken die Urlauber mit niedrigen Ticketpreisen. Doch oben drauf kommen noch zahlreiche Extra-Kosten etwa für Gepäck, Sitzplätze, Snacks und Getränke. Verbraucherschützer raten, die Angebote der Fluggesellschaften genau zu vergleichen.
Die Konkurrenz über den Wolken ist groß. Immer mehr Fluggesellschaften buhlen um die Gunst der Kunden, die Ticketpreise purzeln. Doch die Branche ist teilweise zu weit gegangen: Die Preise sind so weit gefallen, dass viele Flüge nicht mehr rentabel sind. Deshalb schlagen die Billigflieger zahlreiche Extra-Kosten auf den Ticketpreis drauf. So müssen die Passagiere etwa für Gepäck, Sitzplätze, Snacks und Getränke extra zahlen. Dadurch ist das Reisen mit Billigfliegern aber häufig nicht mehr günstiger als mit Fluggesellschaften wie etwa Lufthansa, Air Berlin oder Condor.
Ein genauer Vergleich der Angebote lohnt sich. Eine Test-Buchung des Automobilclubs Mobil in Deutschland zeigt: Während ein Flug von Köln nach London (Abflug 30. Juli, Rückflug 13. August) mit der Lufthansa 216 Euro kostete, wurden bei Easyjet 201 und bei Germanwings 138 Euro fällig. Nimmt der Urlauber 20 Kilo Gepäck mit, reserviert einen Sitzplatz und bestellt sich in der Kabine einen Snack und ein Getränk, kommt er bei Germanwings schon auf 160 Euro, bei Easyjet sogar auf 228,50 Euro – und liegt damit bereits über dem Preis der Lufthansa. Wer mit Kreditkarte zahlt, muss bei Easyjet nochmal sechs Euro und bei Germanwings acht Euro drauf legen. Der Preis der Lufthansa bleibt unverändert.
Gewinn Der Weltverband der Fluggesellschaften IATA erwartet für die gesamte Luftfahrtbranche im laufenden Jahr einen Gewinn von vier Milliarden Dollar - nach 18 Milliarden Dollar in 2010.
Gründe Durch die neu eingeführte Ticketsteuer fließt ein Teil des Gewinns direkt an den Staat. Auch der zeitweise sehr hohe Preis für Öl macht den Fluggesellschaften zu schaffen.
Ausblick Mit dem Emissionsrechte-Handel droht ab 2012 ein neuer milliardenschwerer Kostenfaktor.
Fliegen mit Billig-Airlines ist aber oft nicht nur teurer, sondern auch komplizierter. Schließlich muss sich der Urlauber vor der Reise genau informieren, welche Extra-Kosten auf ihn zukommen. Und die sind teilweise sehr unübersichtlich. So zahlt der Kunde beim Billigflieger Ryanair je nach Reisezeit unterschiedlich viel für sein Gepäck: Für einen Koffer mit 20 Kilo Gewicht werden in der Nebensaison 25 bis 30 Euro fällig (bei Vorausbuchung im Internet), in der Hochsaison sind es 30 bis 35 Euro. Wer erst am Flughafen angibt, dass er Gepäck aufgeben möchte, zahlt in der Hochsaison sogar bis zu 55 Euro.
Handgepäck stark eingeschränkt
Zudem ist bei den günstigen Airlines auch die Mitnahme von Handgepäck stark eingeschränkt. So darf in der Kabine von Easyjet-Flugzeugen neben dem Handgepäck nur einer der folgenden Gegenstände mitgeführt werden: ein Mantel, ein Schirm oder ein Schal und zusätzlich eine Tragetasche der Standardgröße mit Waren, die am Abflughafen eingekauft wurden.
Ist das Gepäck erst einmal aufgegeben, beginnt der Kampf um die besten Plätze. Denn bei Billigfliegern gibt es in der Regel freie Platzwahl. Wer auf jeden Fall als Erster ins Flugzeug steigen will, um sich die beliebtesten Sitze zu sichern, muss dafür bei Easyjet 9,50 Euro (Speedy Boarding) zahlen, bei Ryanair fünf Euro. Wer auch seinen Hund mit an Bord nehmen möchte, muss bei fast allen Fluggesellschaften zwischen 20 und 70 Euro draufzahlen. Hier ist die Lufthansa die teuerste Airline. Easyjet und Ryanair transportieren erst gar keine Hunde.
Wer auf jeden Fall zum günstigsten Preis fliegen wolle, sollte die verschiedenen Angebote genau vergleichen, rät Dunja Richter, Juristin der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Denn zusätzliche Kosten können auch durch einen langen Transfer entstehen: Viele Billigflieger starten nicht vom Hauptflugplatz, sondern von einem kleineren außerhalb gelegenen Flughafen. So startet etwa Ryanair nicht vom Düsseldorfer Flughafen, sondern in Weeze. "Da kann die Bus- oder Taxifahrt teuer werden", sagt Richter.
Den optimalen Zeitpunkt, um einen Billigflieger zu buchen, gibt es nicht. "Wer nicht spontan in den Urlaub fliegen will, sollte die Preise einige Wochen beobachten", rät Richter, "und zuschlagen, wenn er den Preis für angemessen hält."



