Tödliche Lawinen: So erhöhen Sie Ihre Überlebenschancen
zuletzt aktualisiert: 28.12.2009 - 10:23Davos (RPO). Skitouren, Schneeschuhtouren und Free-Riden boomen, und die Lawinenunfälle nehmen zu. So kamen in Südtirol über Weihnachten sieben Menschen bei Lawinenunglücken ums Leben. Gerade Anfänger oder Gelegenheitsfahrer blenden das Risiko meist aus. Dabei lässt sich die Gefahr mit einigen Maßnahmen deutlich reduzieren.
Auch "zwischen den Jahren" müssen Wintersportler in Teilen der Alpen mit erhöhter Lawinengefahr rechnen. Das gilt vor allem für Hochlagen in Österreich und der Schweiz. Mehrere Lawinenwarndienste schätzen das Risiko am Montag mit der Stufe drei und damit als "erheblich" ein.
Wer ganz unter den Schneemassen begraben wird, dem droht ein rascher Erstickungstod. Eine gute Vorbereitung ist bei Skitouren abseits der Pisten daher lebenswichtig. Bevor es in den Schnee geht, sollten sich die Skifahrer unbedingt genau mit dem Wetter- und Lawinenbericht befassen, empfiehlt der Deutsche Skiverband (DSV). Auch das zu befahrene Gelände sollte anhand von Kartenmaterial genau studiert werden. Ein wichtiger Faktor bei einer Skitour sind außerdem die Gruppengröße, die sportlichen Fähigkeiten und die Risikobereitschaft der Teilnehmer.
Notfall-Ausrüstung immer dabei
Im Katastrophenfall zählt jede Minute. Innerhalb der ersten 15 Minuten liegt die Überlebenschance der Verschütteten immerhin bei bis zu 80 Prozent. Deshalb ist es wichtig, dass Free-Rider und Tourengänger im lawinengefährdeten Gelände eine komplette Notfallausrüstung dabei haben und deren Handhabung sowie auch Suchstrategien beherrschen. Dazu zählen das Verschüttungsgerät (VS- Gerät oder auch Piepser genannt), eine Lawinensonde und die Lawinenschaufel. Ein Lawinenairbag erhöht im Ernstfall die Chance, erst gar nicht verschüttet zu werden.
Den Umgang mit diesem Notfallgerät können Skifahrer und Snowboarder in SAAC - Snow & Avalanche Awareness Camps (Schnee-und Lawinen-Kenntnis-Camps) - kostenlos trainieren. 1998 wurden sie von dem Profi-Snowboarder Flow Daniaux und dem Innsbrucker Bergführer Klaus Kranebitter gegründet, um Snowboarder, Skifahrern und Tourengehern ein Basiswissen über Lawinen und Gefahren außerhalb des gesicherten Skiraumes zu vermitteln. Internet: www.snowworld.at und www.saac.at.
Zahl der Todesopfer sinkt
Die gute Nachricht: Die Zahl der Todesopfer nimmt seit Jahren ab, erklärt Christine Pielmeier, Lawinenprognostikerin am WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF in Davos. Das SLF untersuchte 1619 Lawinen zwischen 1977 und 2006. Dabei wurden 3434 Personen erfasst, von denen 703 tödlich verunglückten. Noch Ende der 70er Jahre seien sechs von zehn der Ganzverschütteten ums Leben gekommen, unterstreicht Pielmeier. Heute seien es nur noch vier von zehn Betroffenen. Dies sei auf effizientere Rettungsmethoden zurückzuführen, die bessere Ausrüstung der Wintersportler und ein besseres Risikobewusstsein.
Info:
Lawinengefahrskala In den Alpenländern gilt die europäische Lawinengefahrenskala mit fünf Gefahrenstufen von 1 bis 5. gering bis sehr groß. Dabei bedeutet 1 "geringe Lawinengefahr", d.h. eine Lawine ist nur bei großer Zusatzbelastung an sehr wenigen, extremen Steilhängen möglich, 5 heißt "sehr groß". Spontan sind zahlreiche große Lawinen, auch in mäßig steilem Gelände, zu erwarten. Bei dieser Warnstufe ist in Skigebieten kein sicherer Betrieb mehr möglich.



