Fliegen mit einem Hauch von Luxus: Was kann die neue "Zwischenklasse"?
zuletzt aktualisiert: 11.11.2009 - 08:19Frankfurt/Main (RPO). Seit der Wirtschaftskrise müssen auch Manager auf bequeme Flüge in der Business Class verzichten. Statt gleich in die "Holzklasse" abzusteigen, nutzen viele ein neues Angebot. Die "Zwischenklasse" bietet in jedem Fall mehr Komfort und kann damit auch für Urlauber auf Langstreckenflügen interessant sein. Wir verraten, was Sie in der Zwischenklasse erwarten dürfen, und wie teuer der Spaß wird.
Die neuen Alternativen heißen Economy Extra, Premium Voyageur oder World Traveller Plus und bieten "ein bisschen Business" zum nicht ganz so üppigen Preis. Die Sitzklassen zwischen Eco und Business sind eine Erfindung der vergangenen zehn Jahre.
British Airways, United Airlines, Air New Zealand und die skandinavische SAS gehörten zu den ersten Anbietern. Im Sommer 2008 baute auch der Ferienflieger Condor seine Maschinen vom Typ Boeing 767-300 entsprechend um. Mit Air France ist nun ein weiteres Branchen-Schwergewicht aktiv geworden: Ende Oktober flog die erste Maschine mit der Premium Voyageur genannten Zwischenklasse von Paris nach New York, Tokio folgt als zweites Ziel.
Wie sehr die Krise Reisende umsteigen lässt, zeigen Zahlen zur Economy Plus bei United Airlines. Bei der US-Fluggesellschaft lag die Zahl der Reservierungen von Januar bis August 2009 um 25 Prozent über dem Vorjahreswert, sagt Sprecher Werner Claasen in Alsbach (Hessen).
Auch die Condor stellt fest, dass ihre neue Premium Eco, platziert zwischen Economy und Comfort Class, gut ankommt - und zwar nicht nur bei Passagieren, die jetzt sparen müssen: "Sowohl Kunden, die vorher Economy gebucht haben, als auch Comfort-Class-Kunden interessieren sich für die neue Premium Eco", sagt Firmensprecher Johannes Winter. Bei SAS dagegen heißt es: "Ein deutlicher Trend zugunsten von Economy Extra ist nicht feststellbar", die Buchungszahlen seien dort stabil.
Mehr Platz für die Beine
Der größere Sitzabstand als in der Eco dürfte vielen Gästen in der Zwischenklasse als Erstes auffallen. Am meisten bietet die Air New Zealand, nämlich 102 bis 104 Zentimeter Abstand zum Vordermann. Je nach Flugzeugtyp sind das 15,6 bis 22,7 Zentimeter mehr als in der Economy Class, erklärt die Airline-Vertretung in Neu-Isenburg.
Die Angaben der Konkurrenz zum Vergleich: British Airways (97 Zentimeter Abstand, 18 mehr als in der Eco), Air France (97 Zentimeter, 15 mehr), SAS (96 Zentimeter, 15 mehr), United Airlines (92 Zentimeter, plus 13) und Condor (91,4 Zentimeter, plus 15,2).
Eine Besonderheit bei Air France ist, dass dort auch in der Zwischenklasse ein Hartschalensitz verwendet wird, sagt Sprecherin Bianca Wirth. Bei dieser Konstruktion muss kein Passagier seinen Tomatensaft auf dem Tablett festhalten, wenn der Vordermann unangekündigt die Rückenlehne bewegt.
Anderes Essen - oder auch nicht
Wer in der Zwischenklasse Platz genommen hat, darf sich manchmal über einen anderen Service als in der "Holzklasse" freuen. Überall ist das aber nicht so. Die Air France und United zum Beispiel lassen Essen und Getränke wie hinten in der Maschine auftragen. Air New Zealand dagegen serviert Getränke und Speisen wie in der Business. Bei British Airways und der SAS enthält das Menü in der Zwischenklasse drei Gänge, bei Condor wartet ein "Premium-Menü". Weitere Annehmlichkeiten können zum Beispiel persönliche Bildschirme für die Bordunterhaltung, zusätzliches Freigepäck und - etwa bei British Airways - ein "Komfort-Reiseset" mit Hygieneartikeln sein.
So viel kostet das Ticket
Natürlich lassen sich die Airlines den höheren Komfort bezahlen. Bei United beträgt der Aufschlag 80 bis 120 Euro pro Flug und Person. British Airways verlangt auf der Strecke London-New York für ein World-Traveller-Plus-Ticket ab 648 Euro. Das sind mindestens 234 Euro mehr als in der Eco, aber weniger als die Hälfte des Preises in der Business. Und bei Air France ist ein Flugschein Paris-New York und zurück in der Premium Voyageur für 1038 Euro zu haben - 390 Euro mehr als das reguläre Economy-Ticket und 53 Prozent des Business-Preises.
Konkrete Pläne weiterer Airlines seien ihm nicht bekannt, sagt Martin Gaebges, der Generalsekretär des Fluggesellschaften-Verbundes Barig. Auch die Lufthansa erlebt zwar momentan "in der Kabine eine Wanderung von vorne nach hinten, vor allem bei innereuropäischen Flügen", sagt Sprecherin Amélie Schwierholz. Eine Klasse zwischen Business und Eco werde es aber nicht geben. Die Lufthansa setze auch künftig auf ihr Drei-Klassen-Angebot unter Einschluss einer First.
Dass First und Business Class aus den Flugzeugen verschwinden könnten, erwartet auch Gaebges nicht. Wenn es der Wirtschaft wieder besser geht, werde es auch wieder mehr Buchungen für diese Sitzreihen geben - zuerst als Ausnahmeregelung für Manager auf langen Reisen und später ganz regulär. Nur werde es "diesmal länger dauern als nach früheren konjunkturellen Abschwüngen", meint Gaebges.



