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Lufthansa-Zwischenfall: Was Sie über Turbulenzen wissen müssen

zuletzt aktualisiert: 11.05.2009 - 12:31

Düsseldorf (RPO). Während eines Lufthansa-Flugs von München nach Lissabon sind am Wochenende 14 Insassen bei Turbulenzen verletzt worden. Wie aber kam es zu dem schweren Zwischenfall und was können Passagiere tun?

Dass ein Flugzeug in der Luft ins Wackeln gerät – diese Erfahrung hat wohl jeder Passagier schon einmal gemacht. Das ist zwar unangenehmen, aber in der Regel passiert dabei wenig. Bestimmte Regionen der Erde sind für häufige Turbulenzen bekannt, so zum Beispiel der Luftraum über den Anden oder dem Äquator, wo die Luftmassen von Nord- und Südhalbkugel aufeinandertreffen.

Turbulenzen entstehen immer, wenn ein Flugzeug in Abwinde gerät. Zu solchen Luftlöchern kommt es beispielsweise durch starke Windströmungen, die über Hindernisse hinwegströmen. Das kann in Bodennähe oder auch in großer Höhe passieren. Turbulenzen können auch bei Gewittern auftreten. In vielen Fällen infomieren Wetterdienste über Abwindzonen. Piloten können sie ebenfalls an der Wolkenbildung erkennen.

Im Gegensatz dazu war der Luftstrudel, in den der Lufthansa-Airbus am Samstagabend in der Nähe von Friedrichshafen geriet, nach Unternehmensangaben nicht vorhersehbar. „Die Crew hatte ein Gewittergebiet weiträumig umflogen, als es völlig unvorhersehbar noch mal zu heftigen Turbulenzen kam“, erklärte ein Unternehmenssprecher. "Ein absoluter Einzelfall", erklärt die Lufthansa, die den Vorfall bereits dem Luftfahrtbundesamt (LBA) gemeldet hat. Im deutschen Luftverkehr spielen Störungen aufgrund von Turbulenzen insgesamt eine untergeordnete Rolle. Von jährlich 1400 Meldungen beim LBA bezieht sich nur ein Prozent auf Turbulenzen.

Der Vorfall an Bord des Lufthansa-Airbusses soll nur wenige Sekunden gedauert haben, daher sei das Anschnallzeichen an Bord ausgeschaltet geblieben, hieß es. Dessen ungeachtet bestehe bei der Airline aber während des gesamten Fluges eine Anschnallpflicht, betonte der Sprecher weiter. Diese Regelung habe man vor mehr als zwei Jahren eingeführt, um gegen unvorhersehbare Turbulenzen gerüstet zu sein. „Auf die Anschnallpflicht weist die Crew auch während der Sicherheitshinweise vor Flugbeginn noch einmal hin“. Der Gesetzgeber schreibt die Gurtpflicht dagegen nur bei angeschaltetem Anschnallzeichen vor.

Verletzte waren nicht angeschnallt

Wie wichtig es ist, an Bord den Gurt anzulegen, belegen auch die Aussagen der Passagiere. Mit an Bord war der portugiesische Parlamentspräsident Jaime Gama. Seinen Angaben zufolge waren es allesamt nicht angeschnallte Flugzeuginsassen, darunter zwei Stewardessen, die bei den Turbulenzen zu Schaden kamen. Die Verletzten sind inzwischen alle wieder wohlauf, der Airbus nach zwei Checks wieder im normalen Flugbetrieb.

Dass Passagiere nicht immer mit dem Schrecken davon kommen, zeigt ein Vorfall aus dem Jahr 1997. Eine Boeing 747 der United Airlines geriet auf dem Flug von Tokio nach Honolulu nach zwei Flugstunden über dem Meer in schwere Turbulenzen. Dabei fogen Passagiere und Getränkewagen an die Decke, ein Passagier starb, 110 weitere wurden verletzt. Der Flugschreiber zeigte später, dass das Flugzeug angehoben wurde und sechs Sekunden später um rund 30 Meter absackte.

Ursache dieses Unglücks waren die gefürchteten „Clear Air Turbulences“ (dt. Turbulenzen in klarer Luft. Diese Turbulenzen in großer Höhe sind besonders tückisch, da der der Pilot sie anders als beispielsweise Gewitter weder mit dem bloßen Auge noch per Radar orten und dann umfliegen kann. Dabei prallen Luftmassen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Richtungen aufeinander und führen zu heftigen Schwankungen des Flugzeugs.

Doch auch dagegen hilft ein einfaches Mittel: angeschnallt bleiben. "Das ist die effektivste Methode, sich vor Verletzungen zu schützen", rät das Luftfahrtbundesamt. Das Flugangst-Zentrum in Düsseldorf hat noch ein paar Zusatz-Tipps für die Sicherheit an Bord parat: Beim Laufen durchs Flugzeugimmer festen Halt suchen. Kleinkinder nicht auf dem Sitz herumklettern oder im Gang spielen lassen. Und schwere Gegenstände unterm Sitz statt im Gepäckfäch deponieren.


 
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