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| 12.29 Uhr

Interview
„Man braucht sich als Frau nicht zu verstecken“

Dr. Erika Franke ist zurzeit die einzige Frau im Rang eines Zwei-Sterne-Generals in der Bundeswehr. Ein Gespräch über Familie und Beruf. Von Marcel Kolb

Generalstabsärztin Dr. Erika Franke leitet seit Juli 2013 die Sanitätsakademie der Bundeswehr in München. Damit ist sie aktuell die einzige Frau im Rang eines Zwei-Sterne-Generals in der Bundeswehr. Im Interview spricht sie über ihre Karriere und ihre persönlichen Erfahrungen in Auslandseinsätzen.

Welche Hürden mussten Sie als Frau in der Bundeswehr überwinden?
Franke Keine. Wenn man sich auf das besinnt, was man kann, braucht man sich als Frau nicht zu verstecken und kann seinen Weg gehen. Ich denke, dass meine Erfahrungen jenen gleichen, die andere Frauen in Führungspositionen machen.

Nach Ihrem Studium der Human-medizin haben Sie in verschiedenen Positionen medizinisch gearbeitet. Was waren die Gründe und wann stand für Sie fest, dass Sie Ihren weiteren Berufsweg bei der Bundeswehr absolvieren würden?
Franke Nach meinem Studium der Humanmedizin an der Berliner Humboldt-Universität bekam ich eine Stelle im Krankenhaus der Volkspolizei der DDR in Berlin. Ich spezialisierte mich im Fachgebiet Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie. Nach der Wende wurde das Krankenhaus durch die Bundeswehr übernommen. Ich konnte mich mit dem Auftrag der Bundeswehr identifizieren und weiter in meinem gewohnten Arbeitsumfeld tätig sein

Sie sind verheiratet und haben zwei Kinder. Wie vereinbaren Sie Ihr Familienleben mit Ihrer Tätigkeit bei der Bundeswehr, auch und gerade bei Auslandseinsätzen,und wie haben Sie diese Einsätze erlebt?
Franke Die Zeit meiner Auslandseinsätze 1997 und 2000 war tatsächlich eine Belastungsprobe für die Familie. Wir haben insbesondere im Vorfeld viel darüber geredet und natürlich im Einsatz regelmäßig Kontakt gehalten. Im Balkankrieg habe ich erstmals menschliches Leid gesehen. Da war die Kameradschaft untereinander sehr eng. Die hinter mir stehende funktionierende Sozialstruktur meiner Familie war auch wichtig. Während meines gesamten Berufslebens stand meine Familie immer an meiner Seite und hat mich in jeder Form unterstützt.

Haben sich die Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Familie und Dienst in den vergangenen Jahren verbessert und hat der Amtsantritt von Dr. Ursula von der Leyen als erste Verteidigungsministerin Einfluss auf diese Entwicklung genommen?
Franke Auf jeden Fall! Die Verteidigungsministerin hat mit dem neuen Attraktivitätssteigerungsgesetz einen großen Wurf hinsichtlich der besseren Vereinbarkeit von Familie und Dienst gelandet. Kitas, Eltern-Kind-Zimmer, Telearbeit, Teilzeit, das sind alles Begriffe, die noch vor einigen Jahren als unvereinbar mit dem Soldatenberuf galten und unterdessen selbstverständlich sind. Heute gehen auch junge Väter in der Bundeswehr gern in Elternzeit, ohne Furcht vor dienstlicher Benachteiligung. Für all das habe ich mich als Familienmensch immer eingesetzt und bin daher unserer Ministerin für dieses Maßnahmenpaket von Herzen dankbar.

Was ist der größte Unterschied zwischen ziviler und militärischer medizinischer Arbeit?
Franke Er liegt für mich darin, nicht nur Ärztin, sondern auch Soldatin zu sein. Das bedeutet auch, dass Sanitätssoldatinnen und -soldaten sich in bestimmten Einsatzszenarien militärisch richtig verhalten oder auch Waffen gebrauchen müssen, um das eigene Leben oder das eines Patienten zu schützen. Dabei ist es unser Ziel, dass das Ergebnis unserer Versorgung weltweit dem fachlichen Standard in Deutschland entspricht.

Das Interview führte Marcel Kolb (15) aus Korschenbroich im Rahmen des 146. Young Leaders Jugend-Presse-Kongresses in München.