Currenta RWE Stadtwerke Düsseldorf
| 14.30 Uhr

Tauchen
Schweben in 17 Metern Tiefe

Bei einem Tauchgang im Meer von Delfinen begleitet zu werden, ist ein ganz besonderes Ereignis, das selbst erfahrene Taucher nur selten erleben. Unsere Autorin hat die Säugetiere im Ägyptischen Meer unter Wasser gesichtet und war fasziniert. Von Anna Wallstein, 8a, Konrad-Heresbach-Gymnasium Mettmann


Eine sanfte Brise weht, die Mittagssonne scheint auf meinen Rücken, der salzige Geruch des ägyptischen Meerwassers steigt mir in die Nase. Tauchguide Omar lässt sich mit einem Whiteboard und Stift in der Mitte des Sonnendecks unseres Bootes nieder. Neben ihm sein Kollege Mimo, der alle 20 Taucher um die beiden herum versammelt.
Schnell skizzieren die beiden das Riff, das wir diesen Nachmittag betauchen werden: "Abu Kafan North", was auf Deutsch so viel wie "Vater der Tiefe" bedeutet. Mimo erklärt uns, dass wir einen sogenannten Drift-dive machen werden. Das heißt, dass wir nicht aus dem ankernden Boot springen, unseren Tauchgang machen und zum Boot umkehren, sondern dass wir aus dem fahrenden Boot springen, nur in eine Richtung tauchen und uns das Boot an einer anderen Stelle wieder aufgabelt. Dann teilt er die Gruppen ein.
Mittlerweile ist es recht heiß in dem dicken Neoprenanzug und wir können es kaum erwarten, in das 23 Grad warme Wasser zu tauchen und uns abzukühlen. Wir befeuchten Maske und Flossen mit lauwarmem Wasser, das aus einem Hahn am Rand der Tauchplattform fließt. Ich ziehe die tiefblauen Flossen über meine Fersen und drücke mir die Maske auf das Gesicht. Jetzt wird es unruhig und hektisch. Das Boot setzt sich langsam in Bewegung, die Strömung ist zu groß, um aus dem ankernden Schiff zu springen, und die ersten Taucher verschwinden in der blauen Tiefe.
Es ist Eile geboten, die einzelnen Taucher einer Gruppe dürfen sich nicht zu weit voneinander entfernen. "Go, go, go!", ruft ein Mitglied der Crew, das vom Sonnendeck auf uns herabschaut. Zeit zum Nachdenken bleibt nicht, mein Buddy und ich gehen wegen der Flossen seitwärts auf den Rand zu, lassen Luft in das Tarierjacket, um im Wasser nicht direkt unterzugehen, halten mit der einen Hand den Bleigurt fest und drücken mit der anderen Maske und Atemregler auf das Gesicht. Ein großer Schritt nach vorne und wir schweben endlich an der Oberfläche des kühlen, salzigen Nasses.
Wir geben das O.-K.-Zeichen, es ist alles in Ordnung. Omar zeigt mit dem Daumen nach unten, es ist Zeit zum Abtauchen. Ich lasse die Luft aus dem Jacket. Einmal kräftig ausatmen und schon zeigt mir mein Tauchcomputer an meinem linken Handgelenk eine Tiefe von zwei Metern an. Sofort fange ich mit dem Druckausgleich in Maske und Ohren an. Dann drehe ich mich zum meinem Buddy, um mich zu vergewissern, dass alles in Ordnung ist. Doch anstatt ruhig im Wasser zu schweben, deutet dieser hektisch hinter mich. Eine kurze Welle der Panik überrollt mich. Ist dort ein Hai? Schließlich wurde erst vor zwei Wochen einem Schnorchler 180 Kilometer weiter südlich von einem Hai ein Bein abgerissen.
Ruckartig drehe ich mich also um 180 Grad und traue meinen Augen kaum: Zehn Delfine schießen aus der Tiefe empor. Erst als meine Ohren von dem Klang ihres Fiepen, also dem Ultraschall, den sie zur Verständigung aussenden, erfüllt werden, wird mir klar, dass dies wirklich passiert. Immer wieder umkreist die Delfinschule mit eleganten Bewegungen unsere Tauchergruppe.
Es ist faszinierend, wie schnell und scheinbar mühelos sich die muskulösen Säugetiere um uns herum bewegen. Sogar ein Jungtier ist dabei und dreht sich neben seiner Mutter mehrmals um sich selbst. Sie werden etliche Male mit den Unterwasserkameras der anderen Taucher abgelichtet. Trotzdem müssen wir aufpassen, dass die Strömung uns nicht auf das offene Meer hinaustreibt. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, solch mächtigen und schnellen Tieren, die uns im Wasser derart überlegen sind, so nah zu sein.