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| 18.08 Uhr

Medien
Wenn Privates öffentlich geteilt wird

Jeder Nutzer hinterlässt im Internet seine Spuren. Welche Informationen man selbst von sich preisgibt, kann jeder bewusst entscheiden. Anders ist es, wenn ein Außenstehender private Videos ungefragt ins Netz stellt. Cybermobbing ist ein großes Problem. Von Janek Willems, 8a, Konrad-Adenauer-Gymnasium Kleve

Ob in sozialen Medien oder beim Online-Einkauf, die meisten Internetnutzer möchten möglichst wenige Informationen von sich preisgeben. Wer allerdings denkt, dass er anonym surfen kann, der liegt falsch. Denn Datenklau und Stalking sind nur einige der möglichen drohenden Gefahren. Ein gerade unter Jugendlichen sehr verbreitetes Problem ist Cybermobbing. Ein besonders tragischer Fall ereignete sich 2013 in Amerika. Ein Junge namens Matthew Burdette nahm sich das Leben, nachdem ein Mitschüler von ihm ein Video ins Netz gestellt hatte, das Matthew angeblich beim Masturbieren zeigte. Es wurde auf diversen sozialen Plattformen veröffentlicht und verbreitete sich rasend schnell.

Danach wurde Matthew in der Schule gehänselt. Auch außerhalb der Schule wurde der Junge aufgezogen. Seinen Mitschülern waren die Konsequenzen der Veröffentlichung des Videos nicht bewusst. Seine Eltern wussten nicht, dass ihr Sohn in der Schule gemobbt wurde. Matthews Mutter fand ihn am 29. November 2013 tot auf. Er hatte seinen Eltern nie von dem Video erzählt. Auf einem Zettel, den er hinterließ, stand: "Ich kann nicht mehr zur Schule gehen. Ich will mich nicht umbringen, aber ich habe keine Freunde." Matthew ist aber kein Einzelfall.

Auf der Internetseite Klicksafe.de findet sich folgende Angabe: Die Zahl der 12- bis 18-jährigen Internet-nutzer, die angeben, dass im Internet bereits Falsches oder Boshaftes über sie verbreitet wurde, lag 2014 bei 17 Prozent. Das sind erschreckende Zahlen. Warum gehen viele Internetnutzer, überwiegend Jugendliche, davon aus, sie seien im Internet sicher?

Hauptsächlich liegt es daran, dass die Nutzer vor ihren Monitoren oder Displays keine reale Person sehen. Es fällt den Leuten deutlich leichter, im scheinbaren Schutz des Internets andere fertigzumachen, als es jemandem direkt ins Gesicht zu sagen. Sie sehen nicht live und direkt, was ihre Beiträge bei den betroffenen Personen anrichten, und neigen so dazu, andere weiterhin zu beleidigen. Die Personen, die andere auf diese Art und Weise mobben, spüren häufig keine Reue, denn sie sind sich der Konsequenzen ihrer Aktionen nicht bewusst. Betroffene Personen schweigen oft aus Schamgefühl oder trauen sich nicht, jemandem davon zu erzählen, aus Angst vor der möglichen Rache der Täter. So kommen viele Mobber mit ihren unreflektierten und beleidigenden Taten durch. Das heißt aber nicht, dass sie anonym bleiben.

Wer von Cybermobbing betroffen ist, sollte immer mit einer vertrauenswürdigen Person wie zum Beispiel den Eltern oder Freunden darüber reden. Man sollte sich außerdem an die Polizei wenden, denn die Täter sind keinesfalls so schwer zu ermitteln, wie sie vielleicht glauben. Im Internet hinterlässt jeder automatisch seine Spuren. Ähnlich wie die Wohnungsadresse kann die sogenannte IP-Adresse eindeutig einer Person zugeordnet werden. Sobald man eine Webseite aufruft, speichert der Server, auf dem die Webseite liegt, diese IP-Adresse. Somit kann auch im Nachhinein genau ermittelt werden, wer die Täter sind.

Im Internet kann man also genauso wenig wie im realen Leben tun und lassen, was man will. Man ist, auch wenn es nicht immer so wirkt, im virtuellen Leben genauso wenig anonym wie in der Realität. Bevor man andere im Netz beleidigt oder bloßstellt, sollte man sich schon alleine des Anstands wegen genau überlegen, ob man dies auch in der Realität tun würde.