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Ärger beim 1. FC Köln
Alle wollen an Modeste verdienen

1. FC Köln: Alle wollen an Anthony Modeste verdienen
Hier kommt die Maus: Anthony Modeste (Mitte) mit seinen Beratern Etienne (links) und Patrick Mendy auf dem Vereinsgelände des 1. FC Köln. FOTO: Eduard Bopp Sportfotografie
Köln. Anthony Modeste steht vor einem Wechsel ins Reich der Mitte – angeblich für 35 Millionen Euro. Doch nun wollen auch seine Berater mitverdienen. Kölns Sportvorstand Schmadtke beklagt, dass sich der Fußball von der Basis entfernt. Von Gianni Costa

Chinas Staatschef Xi Jinping hat seinem Volk unlängst verordnet, eine Fußballnation zu werden. Bis 2030 soll in der Volksrepublik eine Weltmeisterschaft ausgerichtet werden, bis 2050 soll die Nationalmannschaft des Landes auch den Titel gewinnen. Damit das alles so kommt, wird viel, sehr viel Geld investiert. Industrie-, Immobilien- und Internetmilliardäre aus dem bevölkerungsreichsten Staat der Erde pumpen seither fleißig Geld in die Super League, die höchste Spielklasse im Reich der Mitte. Auf umgerechnet rund 440 Millionen Euro beliefen sich 2016 die Ablösesummen und Gehälter.

Und auch für die neue Spielzeit sind die finanziellen Möglichkeiten nahezu unbegrenzt. Aktuell kann man sich davon beim 1. FC Köln einen ganz guten Eindruck verschaffen. Tianjin Quanjian hat für Stürmerstar Anthony Modeste mal eben 35 Millionen Euro auf den Tisch gelegt. Der Deal ist allerdings noch nicht abgeschlossen, weil nun offenbar die Berater des Franzosen auch noch um eine angemessenene Entlohnung feilschen. Dem Vernehmen nach halten sie sechs Millionen Euro für angemessen. Unklar ist bislang allerdings, wer diese Summe zahlen soll. Der Effzeh, die Chinesen oder Modeste?

Der 29-Jährige weilt zurzeit in der Hafenstadt Tianjin, um die Annehmlichkeiten für sich auszuhandeln – bei den Verantwortlichen in Köln hat er die Reise nicht angekündigt. "Es gibt nichts Neues zu vermelden", sagt Kölns Sportvorstand Jörg Schmadtke im Gespräch mit unserer Redaktion und versucht dabei möglichst nicht verschnupft zu klingen. "Fakt ist, es gibt noch keine Einigung zwischen den relevanten Parteien." Was genau das Problem ist, wer mit seinen Forderungen und Bedingungen die Verhandlungen ins Stocken gebracht hat, darüber will er sich nicht äußern.

Schmadtke und viele andere Manager aus der Liga sammeln gerade erst Erfahrungen bei Transfers mit Vertretern aus China. "Die Gespräche sind nicht einfach", erzählt der gebürtige Düsseldorfer. "Das hat nicht nur mit sprachlichen Barrieren zu tun. Die Chinesen sind bei den Verhandlungen sehr vorsichtig. Da wird alles Mögliche abgesichert, was es so bei uns nicht gibt und einen eigentlich einfachen Vorgang erschwert." Bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) hat man ähnliche Erfahrungen gemacht. Es sei keineswegs so, dass man Angst haben müsse, die Chinesen würden unterzeichnete Verträge nicht erfüllen. Allerdings sei der Weg bis dahin beschwerlich. Offen darüber reden will man nicht, China ist zu einem wichtigen Partner aufgestiegen.

Mittlerweile hat man sogar in der chinesischen Staatsführung registriert, dass die Transferausgaben der Klubs völlig aus dem Ruder gelaufen sind. Nun sollen Strafzahlungen an den Verband das ungezügelte Geschäftsgebaren etwas eindämmen – mit dem Geld soll die Jugendarbeit gefördert werden. Das hat immerhin dafür gesorgt, dass Tianjin Quanjian sein Interesse an Dortmunds Angreifer Pierre-Emerick Aubameyang schnell wieder verloren hat. Als Ablöse standen 70 Millionen Euro im Raum, die gleiche Summe hätte der Klub an den Verband zahlen müssen. Modeste erschien vom Preis-Leistungs-Verhältnis die vernünftigere Wahl.

Jörg Schmadtke warnt indes vor einer totalen Überhitzung des Transfermarkts. "Wir müssen aufpassen, dass wir uns mit diesen irrsinnigen Summen nicht zu sehr von der Basis entfernen. Das ist nie gut", sagt er. Bereits vor einem Jahr hatte er beim Bundesliga-Gipfel unserer Zeitung gemahnt: "Ich kann keinem vermitteln, der 20 Euro für eine Karte bezahlt, dass einer für 120 Millionen von links nach rechts transferiert wird. Das ist nicht in Ordnung. Ein paar Dinge gefallen mir nicht. Auch, wer mittlerweile Transfers steuert. Berater sind wichtiger als alles andere. Wir Vereine haben es ein Stück weit versäumt, den Beratern das Stoppschild aufzustellen."

Quelle: RP
 
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