Eiskunstlauf: Die leisen Töne der Zoja Duschin: 16-jähriger Teenie tritt in Tanja Szewczenkos Fußstapfen
zuletzt aktualisiert: 08.02.2000Wien (sid). Zoja statt Tanja, Duschin statt Szewczenko - ein noch recht schüchterner Eis-Teenie soll ausgerechnet in der Operetten-Metropole Wien das kapriziöse Glamour-Girl des deutschen Eiskunstlaufens ersetzen. Sportlich hat die Wahl-Münchnerin Tanja Szewczenko schon bei den deutschen Meisterschaften im Januar in Berlin überholt, verbal kann und will sie sich mit der oftmals großmauligen Rheinländerin nicht messen.
Doch die leisen Töne, die die 16-Jährige vor ihrem Europameisterschafts-Debüt am Mittwoch (16.10 Uhr) in der Qualifikation anschlägt, vernimmt man gern bei der Deutschen Eislauf-Union (DEU). "Ein wohlerzogenes, anständiges Mädchen", nennt DEU-Präsidentin Angela Siedenberg ihre neue Nummer eins wohl ganz bewusst konstrastierend. Vollmundige Ankündigungen, denen keine entsprechenden Taten folgen, hat man an der Verbandsspitze gründlich satt.
Duschin hingegen möchte vorsichtigen Prognosen vorzeigbare Ergebnisse folgen lassen. "Schön wäre es, Deutschland gut zu vertreten, noch schöner wäre ein Top-Ten-Platz dazu", sagt die Sportgymnasiastin, die mit ihrer Mutter 1992 von Moskau nach Augsburg umsiedelte und seit einem halben Jahr in München lebt und trainiert.
Auch dank ihres ruhigen, sachlichen Trainers Alexander Wedenin schlagen die neuen EM-Erfahrungen ("Alles ist viel größer als im Fernsehen") nicht in Nervosität um. Duschin: "Aufregung spüre ich nicht, nur meine Eltern sind schon ziemlich nervös." Gelassen nimmt Zoja auch hin, dass sie seit ihrem DM-Erfolg hin und wieder sogar von TV-Kameras beim Training beobachtet wird.
Dabei hat es die Vize-Meisterin nur dem Reglement des Weltverbandes ISU zu verdanken, dass sie in der Stadthalle starten darf. Denn die neue nationale Titelträgerin Susanne Stadlmüller (Stuttgart) ist mit 15 Jahren noch zu jung und wird statt dessen für die DEU bei der Junioren-WM in März in Oberstdorf auf's Eis gehen.
Andere Regularien, nämlich die des Internationalen Olympischen Komitees, torpedieren nach augenblicklichen Stand Zojas olympische Träume bezüglich Salt Lake City 2002. "Der Einbürgerungsantrag läuft, aber ich warte immer noch auf den deutschen Pass", erläutert Duschin, die in ihrer knappen Freizeit am liebsten liest, den aktuellen Sachstand.
Dass derlei behördliche Vorgänge dauern können, diese Erfahrung musste und muss bekanntlich ihr Noch-Landsmann mit lettischem Paß, der viermalige deutsche Meister Andrejs Vlascenko, machen. Dessen Verfahren ist seit fast sechs Jahren anhängig, verlängerte sich allerdings auch durch eigenes Verschulden des letztjährigen EM-Vierten (Trunkenheit am Steuer) erheblich.
Zu solchen hausgemachten Verzögerungen wird es bei Zoja Duschin allerdins nicht kommen, denn die gerade einen Zentner schwere Läuferin bevorzugt andere Durstlöscher: "Ich trinke am liebsten Apfelschorle."
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