Tom Boonen gewinnt die letzte Etappe: 2004: Lance Armstrong schreibt Tour-Geschichte
zuletzt aktualisiert: 25.07.2004 - 20:44Paris (rpo). Lance Armstrong hat sich bei der 91. Tour de France endgültig den sechsten Gesamtsieg in Serie gesichert und damit Geschichte geschrieben. Den letzten Tagessieg holte sich der Belgier Tom Boonen.
Es kann nur Einen geben: Lance Armstrong hat mit einer beispielosen sechsten Triumphfahrt im Gelben Trikot nach Paris die bisherigen Tour-Könige Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain überflügelt. Bei der "Tour d'Honneur" ließ der 32-jährige Texaner, der zum 66. Mal am Sonntag Gelb trug, bereits auf den Champs-Elysees im geschlossenen Feld die Sektkorken knallen und fuhr mit 19 Sekunden "Verspätung" durch das Ziel. Zum 66. Mal hatte der 32-jährige Texaner am Sonntag Gelb getragen.
Als "Kronprinz" erreichte Andreas Klöden die Seine-Metropole, während sein als größter Armstrong-Herausforderer angetretener Kapitän Jan Ullrich auf Rang vier hinter dem Italiener Ivan Basso (CSC) erstmals bei sieben Tour-Starts seit 1996 einen Podestplatz verpasste. Als Trostpreis sicherte sich das T-Mobile-Team die Mannschaftswertung.
Robbie McEwen holte Grünes Trikot
24 Stunden nach Armstrongs Erfolg beim Einzelzeitfahren in Besancon, vor Ullrich und Klöden, seinem 21. Etappensieg seit 1999 und fünften 2004, holte sich Tom Boonen nach 163 zwischen Montereau und Paris den begehrten letzten Tagessieg auf den Champs-Elysees. Beim zweiten Triumph des belgischen Tour-Neulings vom Quickstep-Team sicherte sich der Australier Robbie McEwen das Grüne Trikot.
Im Trikot des Berg-Königs errreichte Publikumsliebling Richard Virenque (Frankreich) zum siebten Mal Paris, ebenfalls ein Rekord. Das Weiße Trikot für den besten Nachwuchsfahrer ging an den Russen Wladimir Karpets. 147 von 188 am 3. Juli in Lüttich gestarteten Fahrern erreichten nach 3391,1 km das Ziel, darunter auch 12 von 15 Deutschen.
Armstrong war von Beginn der 91. Tour der "Chef im Ring"; die von Ullrich angekündigte Palast-Revolution fand nie statt. Der Tour-Sieger von 1997 fuhr wie alle Herausforderer in einer unteren Liga, konnte nie Armstrong ernsthaft Paroli bieten, stand sogar im Schatten von Klöden, dem deutschen Meister, der den größten Triumph seiner Laufbahn feierte.
Totschnig Siebter
Am Schluss nach 20 Etappen hatte Klöden 6:38 Minuten Rückstand auf Armstrong, es folgten Basso (6:59) und Ullrich (9:09). Siebter wurde der Österreicher Georg Totschnig (18:46), der damit das Team Gerolsteiner erstmals in den "Top 10" der Tour platzierte.
Im Tour-Finale waren nur noch die Sprinter gefordert. Bei den letzten acht Passagen auf den Champs-Elysees entbrannte der Kampf ums Grüne Trikot und um den Prestigesieg in Reichweite Eiffel-Turms, wo als einzige Deutsche bislang Dietrich Thurau (1977) und Olaf Ludwig (1992) gewannen.
Bereits am Samstag hatte Klöden bei Armstrongs erneuter Gala-Show seine Chance genutzt. "Das ist sensationell. Davon habe ich nie zu träumen gewagt", jubelte der Sachse, nachdem er Basso auf dem 55-km-Kurs beim Zeitfahren um 1:23 Minuten distanziert und noch vom zweiten Gesamtplatz verdrängt hatte.
Seinen fünften Tagessieg bei der diesjährigen Tour (plus dem im Teamzeitfahren) ließ sich Armstrong nicht nehmen. Der Weltmeister von 1993 war 61 Sekunden schneller als Ullrich und 1:27 Minuten als Klöden. Basso wurde 2:50 Minuten zurück Sechster vor seinem CSC-Kollegen Jens Voigt (3:19). "Heute hätte ich gerne gewonnen, aber für mich kommen noch einige Jahre," sagte Ullrich danach. Der gebürtige Rostocker hatte schon bei der ersten Zwischenzeit nach 18 km 43 Sekunden hinter Armstrong gelegen.
Ungewöhnlich offene Worte
Schon vor dem Zeitfahren hatte T-Mobile-Teamchef Walter Godefroot ungewöhnlich offene Worte gefunden: "Armstrong lebt für das Radfahren, Jan fährt Rad, um zu leben. Ich bezweifle, dass er von seiner Psyche her überhaupt in der Lage ist, so ein Leben zu führen. Er ist keine Bestie, kein Killer", hatte der 61-Jährige der französischen Sportzeitung L'Equipe gesagt.
Eine großartige Leistung bescheinigte der Belgier Klöden nach dem Zeitfahren: "Das war Klasse. Aber vor der Tour war es nicht realistisch, ihn als Kapitän ins Rennen zu schicken."
Seinen unermüdlichen Kampfgeist stellte "Ausreißer-König" Jens Voigt einmal mehr unter Beweis. "Ich wollte mich noch um einige Positionen verbessern," sagte Berliner nach dem Zeitfahren. Am Ende wurde der 32-Jährige CSC-Profi als 35. des Gesamtklassements drittbester Deutscher.
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20. Etappe über 163 km von Montereau nach Paris: 1. Boonen 4:08:26 (39,4 km/h), 2. Nazon, 3. Hondo, 4. McEwen 5. Zabel 6. Casper, 7. O'Grady, 8. Cooke, 9. Mori, 10. De Groot, ...16. Hushovd, ...32. Ullrich, ... 38. Klöden, 39. Mancebo, 40. Ludewig, 41. Totschnig, ...43. Lang, ...49. Moreau, 50. Niermann, ...56. Aitor Gonzalez, 57. Virenque, ...59. Pereiro, ...64. Grabsch, ...69. Scholz, ...78. Sastre, 79. Wrolich, ...83. Voigt, 84. Nardello, 85. Basso, ...90. Leipheimer. 91. Aldag, ... 97. Karpets, ...112. Botero, 113. Rubiera, 114. Armstrong, ...140. Peschel, ...143. Voeckler alle gleiche Zeit.
Punktwertung (Grünes Trikot): 1. McEwen 272 Punkte, 2. Hushovd 247, 3. Zabel 245, 4. O'Grady 234, 5. Hondo 227, 6. Boonen 163, 7. Nazon 146, 8. Armstrong 143, 9. Brochard 139, 10. 7. Klöden 131, 11. Ullrich 100, 12. Cooke 95, ... 18. Totschnig 60, ... 27. Voigt 46, ... 33. Virenque 38, ... 79. Aldag 12, ... 84. Lang 8, ... 96. Scholz 4
Bergwertung (Gepunktetes Trikot): 1. Virenque 226 Punkte, 2. Armstrong 172, 3. Basso 119, 4. Rasmussen 119, 5. Ullrich 115, 6. Klöden 112, 7. Moreau 112, 8. Mancebo 77, 9. Voigt 71, 10. Merckx 65, ... 16. Totschnig 53, ... 19. Aldag 38, ... 35. Scholz 12
Nachwuchswertung (Weißes Trikot): 1. Karpets 84:01:13 Stunden, 2. Casar 3:42 Minuten zurück, 3. Voeckler 6:01, 4. Rogers 16:28, 5. Camano 22:03, 6. Pineau 22:32, 7. Chavanel 29:32, 8. Scarponi 37: 50, 9. Astarloza 1:29:53, 10. Noval 1:32:30, ... 13. Lang 1:50:20 Stunde
Mannschaftswertung: 1. TMO/Deutschland 248:58:43 Stunden, 2. USP/USA 2:42 Minuten zurück, 3. Team CSC/Dänemark 10:33, 4. IBB/Spanien 52:26, 5. QSD/Belgien 57:33, 6. PHO/Schweiz 57:42, 7. RAB/Niederlande 1:26:24 Stunde, 8. CA/Frankreich 1:30:35, 9. BLB/Frankreich 1:32:12, 10. EUS/Spanien 1:47:46, 11. SAE/Italien 2: 08:14, 12. A2R/Frankreich 2:24:46, 13. LTS/Spanien 2:55:25, 14. GST/Deutschland 3:02:38, 15. LOT/Belgien 3:14:13, 16. FDJ/Frankreich 3:19:53, 17. ALB/Italien 3:42:55, 18. FAS/Italien 4: 09:14, 19. COF/Frankreich 4:25:53, 20. DVE/Italien 5:13:52, 21. RAG/Frankreich 6:21:09
Kämpfer des Tages: 1. Filippo Simeoni
Kämpfer der Tour: Richard Virenque
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