Bob: Christoph Langen gratuliert Andre Lange schon: 40 Sekunden Vorsprung hat der Nachwuchs bereits herausgefahren
zuletzt aktualisiert: 05.02.2000Altenberg (dpa). Die deutschen Bobfahrer reizen ihren Heimvorteil voll aus. Bei "Halbzeit" der Zweier-Weltmeisterschaft in Altenberg liegen beide Schlitten der Gastgeber an der Spitze. Allein die Reihenfolge überrascht: Die Oberhofer Andre Lange/Rene Hoppe führen nach zwei von vier Läufen in 1:54,89 Minuten vor den Favoriten Christoph Langen/Markus Zimmermann (1:55,38 Minuten), die bereits 40 hundertstel Sekunden hinter ihren jungen Herausforderern rangieren. Den Deutschen auf den Fersen bleibt Weltcup-Sieger Christian Reich (1:55,53) aus der Schweiz.
"Er ist der neue Weltmeister", gratulierte der 37-jährige Langen seinem elf Jahre jüngeren Konkurrenten schon am Samstag. "Wer soll Andre hier schlagen? Er hat kaum Fehler gemacht. Der Rückstand ist nicht mehr aufzuholen." Lange selbst trat auf die Euphorie-Bremse. "Noch stehen zwei Läufe aus, und in Altenberg kann viel passieren. Das Rennen geht am Sonntag noch einmal von vorn los."
Wohin der Schlitten rutschen soll, machten die Oberhofer jedoch schon vor dem Rennen mit ihrem "Outfit" klar. Nach dem Sieg bei der Europameisterschaft hatten Lange und Hoppe ihre Haare golden gefärbt, und so traten sie auch zur WM an. Auf dem sehr weichen Eis ihrer Lieblingsbahn in Altenberg boten die "Goldköpfchen" die fahrerisch beste Leistung und wurden von den 6 000 Zuschauern an der Eispiste im Osterzgebirge gefeiert.
Lange ist in Altenberg bereits eine Institution. Im vorigen Jahr wurde er hier Junioren-Weltmeister. Nach den geglückten Ausscheidungs-Rennen holte er sich Anfang Januar erstmals den deutschen Vierer-Meistertitel. Daran, den Italiener Günther Huber nun sogar als Weltmeister abzulösen, wagt er aber noch gar nicht zu denken: "Heute das war ein Gewinn, morgen das wäre ein Riesengewinn."
Während Lange rundum zufrieden seinen Bob für die entscheidenden Läufe am Sonntag präparieren konnte, haderte Vierer-Olympiasieger Langen mit seinem glücklosen Auftritt. "Vor dem Kreisel ist mir das Visier hochgeschlagen. Ich bin total sauer, dass mir das ausgerechnet in so einem wichtigen Rennen passiert", fluchte der ehrgeizige Pilot, der in Altenberg eigentlich Doppel-Weltmeister werden wollte.
Das hat er sich nun ebenso "abgeschminkt" wie die Schweizer den Titel im Zweier. "Wir haben das Rennen schon am Start verloren", urteilte Cheftrainer Hans Hiltebrand. "Unser Ziel ist jetzt eine Medaille, und das sieht nicht schlecht aus." Reich hat als Dritter 39 hundertstel Sekunden Vorsprung vor Reto Götschi. Marcel Rohner ist nur Elfter.
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