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"Deutsche Makkabi Meisterschaft"
400 Athleten beim jüdischen Sportfest in Duisburg

Duisburg. Die israelische Nationalhymne "Hatikwa" hallt über das Gelände der Sportschule Wedau. Blau-weiße Fahnen wehen in Duisburg, als das "kleine olympische Feuer" entzündet wird, wie es Alon Meyer nennt. Der Präsident des jüdischen Turn- und Sportverbands in Deutschland hat die "Deutsche Makkabi Meisterschaft" eröffnet. Von Jessica Balleer

Und dann ziehen sie unter Applaus ein: 400 Sportler aus unterschiedlichen Makkabi-Ortsvereinen. Nicht in ein vollbesetztes Stadion, sondern auf die Grünfläche der Sportschule. Doch der Stolz ist ihnen anzusehen, weil sie zu einem Sportfest angereist sind, dessen Prinzip nicht Spektakel und Höchstleistung, sondern das Miteinander jüdischer und nicht-jüdischer Sportler ist.

Ein sportlich eher unterklassiges Event, zu dem sich hochrangige Landespolitiker aufgemacht hatten - der Sport in seiner politischsten Form. So war für die NRW-Familienministerin ein Stuhl in der ersten Reihe reserviert. "Wir haben ein vielfältiges, ausgeprägtes jüdisches Leben im Land, und der Sport gehört absolut dazu", sagte Christina Kampmann. Als Sportland Nummer eins sei Nordrhein-Westfalen prädestiniert dafür, diese Meisterschaft auszutragen. Und tatsächlich war sie allgegenwärtig, die Besonderheit dieser "Makkabi Meisterschaft". Polizisten und Sprengstoffspürhunde als ständige Beobachter eines Wettbewerbs, der in Duisburg nach 20 Jahren eine Rückkehr feierte. Dass der jüdische Verband ausgerechnet eine Stadt in NRW ausgewählt hatte, um Weltoffenheit zu demonstrieren, ist kein Zufall. Jüdischer Sport hat seine Wurzeln an Rhein und Ruhr. Nachdem Makkabi Deutschland und seine Mitgliedsvereine 1938 von den Nationalsozialisten zerschlagen wurden, als in Deutschland die Synagogen brannten, markierte das das jähe Ende der Makkabi-Bewegung. Aber nicht für immer. Denn am 23. Mai 1965 gründete sich der jüdische Verband in der Landeshauptstadt Düsseldorf neu. Juden, Christen, Muslime und Andersgläubige konnten durch die Begegnung im Sport zu "Makkabäern" werden. Bundesweit gibt es heute 37 Makkabi-Ortsvereine. In Duisburg wettkämpften diese "Makkabäer" drei Tage lang in den Sportarten Fußball, Basketball, Volleyball, Tischtennis, Fechten, Tennis, Schach und Sportschießen.

Mit einem Fußballspiel feierten sie den Auftakt: Für den "FC Landtag NRW" liefen Mitarbeiter an der Seite von muslimischen Flüchtlingen auf. Sie traten gegen ein jüdisches "Allstar"-Team von Makkabi an. "Dass Moslems und Juden gemeinsam für ein Team spielen, gibt es in diesem Ausmaß nur in Deutschland", sagt Manfred Lämmer, Sporthistoriker der Sporthochschule Köln. Das Gelände der Sportschule Wedau hat diese Begegnungspunkte auf und abseits des Platzes geschaffen. Vom Flair eines "olympischen Dorfes" schwärmten die Sportler gar. "Über 70 Jahre nach der Shoah haben wir bei den ,European Maccabi Games 2015' in Berlin gezeigt, dass jüdisches Leben den Alltag in Deutschland prägt", sagte Alon Meyer. Durch die erfolgreiche Makkabi Meisterschaft werde das erneut deutlich. Getreu dem Ruf "Makkabi Chai!" ("Makkabi lebt") scheint der Beweis erbracht: Der jüdische Sport lebt wieder - in NRW und bundesweit.

Quelle: RP
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