Funk: "Ein normales Spiel wird das nie sein": 50. Eishockey-Derby in Berlin
zuletzt aktualisiert: 14.09.2000 - 15:49Berlin (sid). Prügel auf dem Eis, Prügel auf den Rängen, West gegen Ost - das Duell der Berliner Erzrivalen Capitals und Eisbären sorgt in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) traditionell für große Unterhaltung. Auch wenn die Massenschlägereien auf den Zuschauertribünen in den vergangenen Jahren seltener geworden sind, elektrisiert das 50. Stadtduell am Sonntag die Fans und Beteiligten wie eh und je.
"Ein Derby wird hier nie ein normales Spiel sein. Keiner will da als Verlierer herausgehen, aber die Heißsporne auf beiden Seiten dürfen nicht über die Stränge schlagen", stellt Capitals-Sportdirektor Lorenz Funk klar. Niemand kennt die Zündstoff in diesem Duell besser als 225-malige Nationalspieler, der bereits für beide Klubs in verschiedenen Funktionen tätig war.
Mit dem Capitals-Vorgänger BSC Preussen gewann er in der 70er Jahren zwei deutsche Meisterschaften. Nach der Wende wechselte das Idol plötzlich die Seite und wirkte als Manager beim Erzrivalen Eisbären. Dort wurde der "Lenz" in der vorigen Saison abgeschoben und von Trainer Peter John Lee beerbt. Funk kehrte wieder zurück zu den Capitals und heizte die Stimmung vor dem Jubiläumsspiel jüngst noch mal richtig an, als er gegen Lee stichelte: "Mein größter Fehler ist gewesen, dass ich dich nicht entlassen habe".
Die Eisbären, die in Höhenschönhausen im Osten Berlin beheimatet sind, belegten in der vergangenen Saison nur den 13. Platz und enttäuschten am Dienstag beim 3:5 gegen die Revier Löwen in Oberhausen, nachdem es zum Saisonauftakt einen 4:3-Zittersieg gegen DEL-Neuling Iserlohn Roosters gab. Die Capitals, die vor dem Jubiläumsderby von den bisher 49 Lokalduellen 29 gewannen und 18 verloren, stehen ebenfalls stark unter Zugzwang. Mit einem 3:6 bei den Hannover Scorpions und einem 2:3 nach Penaltyschießen gegen die Moskitos Essen legte der Halbfinalist der Saison 1999/2000 einen klassischen Fehlstart hin.
Trotz des angespannten Verhältnisses der Klubs untereinander und deren Fans sind Personalrochaden längst zur Regel geworden - wie im Fußball zwischen Dortmund und Schalke. Das Tabu brachen vergangenen Jahr der Finne Niklas Hede und Thomas Schinko, als sie von den Eisbären zu den Capitals beziehunsgweise in die Gegenrichtung wechselten. Im aktuellen Kader der Capitals stehen mit Torhüter Udo Döhler und Yvonne Corriveau zwei Profis, die noch in der vergangenen Saison noch bei den Eisbären spielten.
Die Eisbären holten im Sommer mit Klaus Merk einen Keeper, der ein Jahrzehnt lang als Galionsfigur der Preussen und "rotes Tuch" für den Anhang im Osten galt. Das ist vergessen. Inzwischen gilt "Klausi" im Wellblechpalast als Publikumsliebling.
Vor einigen Wochen sah es so aus, als ob auch die Fronten zwischen den beiden Klubs verschwinden würden. Schließlich wurden die Rivalen vom Berliner Senat gleichermaßen mit höheren Mietforderungen für ihre Spielstätte konfrontiert. Statt in gemeinsamen Verhandlungen Stärke zu demonstrieren, scherten die Eisbären aus, unterschrieben schon Mitte August einen neuen Kontrakt und brachten die Capitals in die Defensive.
Was den Bau einer neuen Eis-Halle anlangt, üben sich die beiden Konkurrenten ebenfalls in herzlicher Abneigung. Egon Banghard, Hauptgesellschafter der Capitals, will mit Hilfe eines internationelen Konsortiums in den nächsten Jahren für eine hochmoderne Arena sorgen. Die Eisbären hoffen auf ein Projekt ihres US-amerikanischen Eigner Philip F. Anschütz an einem anderen Standort. "Eine Stadt wie Berlin verträgt zwei Mannschaften", kommentiert Funk die Eigenbrötlerei. "Andererseits brauchen sich beide Klubs gegenseitig, Sie gehören zur selben Firma, die DEL heißt. Daran sollten alle ganz schnell wieder denken, wenn das Derby vorbei ist."
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