"Es sieht verdammt gut aus": "Pokerface" Langen trotz Fehlprognose vor Sieg

zuletzt aktualisiert: 03.02.2001 - 14:43

St. Moritz (sid). "Pokerface" Christoph Langen hat noch einmal Glück gehabt: Der 38 Jahre alte Bobpilot aus Unterhaching führt bei "Halbzeit" der Viererbob-Weltmeisterschaft in St. Moritz mit 0,47 Sekunden Vorsprung auf Titelverteidiger Andre Lange aus Oberhof. Langen hat damit beste Aussichten, seinen Doppelsieg von 1996 zu wiederholen. Die Entscheidung fällt am Sonntag (ab 10.00 Uhr) im dritten und vierten Durchgang.

"Ein Weißbier habe ich schon verdient, dann werden die Kufen für das Finale hergerichtet", sagte ein lockerer Langen. Vor dem ersten Durchgang hatte es im Team des Favoriten eher lange Gesichter gegeben: Der Olympiasieger rechnete mit eisiger Kälte und Sonnenschein, ließ sich extra in der für solche Verhältnisse günstigeren zweiten Startgruppe auslosen.

Die "Poker-Partie" mit Startnummer 20 ging schief: Die Sonne ließ sich bei leichten Minusgraden nicht blicken, das Natureis wurde langsamer statt schneller. Immerhin rettete sich Langen mit nur einer Hundertstelsekunde Rückstand auf Lange ins Ziel. Nach einer grandiosen zweiten Fuhre nach geänderter Startreihenfolge hatte Langen aber die "Hackordnung" wieder hergestellt: Hinter dem Topfavoriten liegen Lange sowie die Schweizer Reto Götschi (0,61 Sekunden zurück) und Christian Reich (0,68) ziemlich aussichtslos zurück. Europameister Matthias Benesch aus Altenberg ist Fünfter (0,83).

"Das war schon eine ganz gefährliche Konstellation", sagte Raimund Bethge. Die Gesichtszüge des Bundestrainers waren nach dem ersten Schrecken gelöst wie selten zuvor. Bethge: "Es sieht verdammt gut aus. Für Langen ist besonders wichtig, dass es am Sonntag nicht schneit. Um Andre Lange muss ich fürchten, die Schweizer sind dicht an ihm dran." Götschi zeigte sich auch kämpferisch: "Wir gehen voll auf Angriff, Silber ist drin."




"Den ersten Lauf haben wir gerade so gerettet. Auch musste ich meinen Anschiebern einen kleinen Anschiss verpassen", sagte Langen: "Im zweiten Lauf haben wir dann nur kleine Fehler gemacht. Ich habe den Schlitten laufen lassen, nicht so viel gelenkt. Über das Ergebnis bin ich selbst überrascht." Sein routinierter Anschieber und langähriger Weggefährte Markus Zimmermann lobte: "Christoph ist göttlich gefahren, im zweiten Durchgang hat er das Rennen seines Lebens hingelegt."

Der 27-jährige Lange meinte: "Wenn der Christoph nicht umfällt, dann holt er den Titel. Für mich wäre Silber eine Riesensache. Aber auf der Schweizer Hausbahn ist nichts sicher. Mit der Auslosung haben sich einige verspekuliert."

Quelle: RPO Archiv

 
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