5. Kurzbahn-EM in Antwerpen: Acht Titel für den DSV
zuletzt aktualisiert: 16.12.2001 - 20:22Antwerpen (rpo). Der "Fukuoka-Effekt" hat den deutschen Schwimmsport zurück in die Weltspitze katapultiert. Fünf Monate nach den Weltmeisterschaften in Japan zählte der Deutsche Schwimm-Verband (DSV), angeführt vom neuen deutschen "Albatros" Thomas Rupprath und dem "goldenen Marathonmann" Jörg Hoffmann, auch bei der Kurzbahn-EM in Antwerpen nach einem "Finale in Gold" zu den Top-Nationen.
Mit acht Titeln, achtmal Silber und fünfmal Bronze übertraf der DSV die Medaillenbilanz der Titelkämpfe 2000 in Valencia (5/5/2) deutlich. Trotz des Fehlens der Weltmeisterinnen Hannah Stockbauer, Antje Buschschulte und Sandra Völker sowie von Weltrekordlerin Franziska van Almsick stand am Ende Rang eins in der Nationenwertung.
Nicole Hetzer nach Silber über 200 m mit Gold über 400 m Lagen in Europarekordzeit (4:29,46) sowie Anne Poleska mit ihrem zweiten Titel über 100 m Brust (1:07,25) sorgten am Sonntag für ein sensationelles Finale. "Deutschen Rekord wollte ich, aber 4:29 sind unglaublich. Von der Wut aus Fukuoka profitiere ich weiter, ich fliege", sagte die Magdeburgerin. Die Krefelderin Poleska meinte nach ihrem zweiten Gold: "An einen Sieg hatte ich nicht geglaubt, aber jetzt geht alles."
Thomas Rupprath gewann über 100 m Rücken (50,99) im Wezenberg-Bad das achte deutsche Gold vor Stev Theloke (51,92), scheiterte aber am Weltrekord von Neil Walker: "Ich wollte ihn, aber es ging einfach nicht mehr. Nach 75 Meter etwa war Feierabend. " Mit 10.000 Mark Prämie war der 24-Jährige nach Doppel-Weltrekord mit der Staffel und Fabel-Bestmarke über 100 m Schmetterling (50, 26) der Großverdiener von Antwerpen. Silber für Jens Kruppa (54,10) über 100 m Lagen sowie jeweils Überraschungs-Bronze für Alessa Ries (1:57,34) und Stefan Herbst (1:45,32) über 200 m Freistil rundeten die "deutschen Tage" in Belgien grandios ab.
Mit fünf Welt-, acht Europa- und vier deutschen Rekorden erlebte Antwerpen ein Top-Event auf der Kurzbahn, auch wenn DSV-Sportdirektor und Cheftrainer Ralf Beckmann vor der EM-Saison 2002 keine Rückschlüsse auf die Langbahn ziehen wollte: "Ich stelle keine Hochrechnungen an, aber der Fukuoka-Effekt hat alle erfasst, die erhoffte Sogwirkung nach oben ist da. Der Drang in unser Team ist stärker als jemals zuvor."
Jörg Hoffmann feierte zehn Jahre nach seinem Doppel-Triumph bei den Weltmeisterschaften in Perth mit dem EM-Titel über 1500 m Freistil (14:41,20) nach 18 Monaten Wettbewerbspause ein "goldenes Comeback" und gewann überdies Silber über 400 m Freistil. Stev Theloke aus Chemnitz holte den Titel über 50 m Rücken (23,97), Titelverteidiger Mark Warnecke Silber über 50 m Brust (26,75).
"Das ist schon eine große Genugtuung. Ich habe gezeigt, dass es noch geht", sagte der 31-jährige Hoffmann selbstbewusst, der in seiner langen erfolgreichen Karriere, die 1986 mit EM-Bronze bei den Junioren begann, in Antwerpen erstmals Kurzbahn-Europameister wurde. Das nächste Ziel des diplomierten Forstwirts ist nun die EM 2002 in Berlin.
Sportdirektor Ralf Beckmann will auf dem Weg nach Olympia 2004 über die EM 2002 in Berlin und die WM 2003 in Barcelona unbedingt Fehler vermeiden: "Die Planung ist auf Olympia ausgerichtet, die EM 2002 ist eine wichtige Zwischenstation. Wenn wir da Fehler machen, wäre das bitter, aber im Hinblick auf Olympia noch zu korrigieren. Ich will keine Fehler in Berlin, aber sie wären nicht so schlimm wie Fehler in Athen."
Schwimmen, 5. Kurzbahn-Europameisterschaften in Antwerpen, Schlusstag:
MÄNNER
200 m Freistil: 1. Pieter van den Hoogenband (Niederlande) 1: 42,46 Minuten (Europarekord), 2. Kvetoslav Svodoba (Tschechien) 1: 44,78, 3. Stefan Herbst (Leutzsch) 1:45,32, 4. Romain Barnier (Frankreich) 1:45,45, 5. Lars Conrad (Hannover) 1:45,57, 6. Andrea Beccari (Italien) 1:45,59, 7. Jacob Frilund Carstensen (Dänemark) 1: 46,72, 8. Saulius Binevicius (Litauen) 1:46,86
200 m Brust: 1. Maxim Podoprigora (Österreich) 2:07,79 Minuten, 2. Ian Edmond (Großbritannien) 2:08,03, 3. Daniel Malek (Tschechien) 2:09,07, 4. Martin Gustavsson (Schweden) 2:09,48, 5. Jose Couto (Portugal) 2:09,98, 6. Jakob Johann Sveinsson (Island) 2: 10,47, 7. Jarno Pihlava (Finnland) 2:10,93, disqualifiziert: Davide Rummolo (Italien)
50 m Schmetterling: 1. Lars Frölander (Schweden) 23,07 Sekunden, 2. Mark Foster (Großbritannien) 23,11, 3. Tero Valimaa (Finnland) 23,59, 4. Joris Keizer (Niederlande) 23,61, 5. Igor Marttschenko (Russland) 23,71, 6. Pavel Lagoun (Weißrussland) 23, 74, 7. Ewout Holst (Niederlande) 23,77, 8. Jorge Luis Ulibarri (Spanien) 23,93
100 m Rücken: 1. Thomas Rupprath (Wuppertal/ Uerdingen) 50,99 Sekunden, 2. Stev Theloke (Chemnitz) 51,92, 3. Gregor Tait (Großbritannien) 52,90, 4. Gordan Kozulj (Kroatien) 53,05, 5. Darius Grigalionis (Litauen) 53,12, 6. Blaz Medvesek (Slowenien) 53, 46, 7. Wolodimir Nikolaitschuk (Ukraine) 53,57, 8. Wladislaw Aminow (Russland) 53,81
100 m Lagen: 1. Peter Mankoc (Slowenien) 52,94 Sekunden, 2. Jens Kruppa (Riesa) 54,10, 3. Jani Sievinen (Finnland) 54,17, 4. Lionel Moreau (Frankreich) 54,37, 5. Jirka Letzin (Leipzig) 54,68, 6. Erik Dorch (Schweden) 54,74, 7. Sergej Sergejew (Ukraine) 55,32, 8. Lorenz Liechti (Schweiz) 55,35
4x50 m Freistil: 1. Ukraine (Denis Silantjev, Olexandr Wolinets, Oleg Lisogor, Wjatscheslaw Schirschow) 1:26,09 Minuten (Europarekord), 2. Niederlande 1:26,32, 3. Schweden 1:26,77, 4. Frankreich 1:27,23, 5. Deutschland (Thomas Rupprath, Lars Conrad, Carsten Dehmlow, Jens Thiele) 1:27,26, 6. Russland 1:28,41, 7. Kroatien 1:28,59, 8. Finnland 1:29,45
FRAUEN
50 m Freistil: 1. Inge De Bruijn (Niederlande) 23,89 Sekunden, 2. Therese Alshammar 24,09, 3. Johanna Sjöberg (beide Schweden) 24, 61, 4. Jana Kolukanowa (Estland) 24,98, 5. Hanna-Maria Seppala (Finnland) 25,04, 6. Judith Draxler (Österreich) 25,04, 7. Ilona Hlavackova (Tschechien) 25,13, 8. Petra Dallman (Heidelberg) 25,24
200 m Freistil: 1. Martina Moravcova (Slowakei) 1:54,74 Minuten (Europarekord), 2. Solenne Figues (Frankreich) 1:55,83, 3. Alessa Ries (Heddesheim) 1:57,34, 4. Nicola Jackson (Großbritannien) 1:58,13, 5. Mette Jacobsen (Dänemark) 1:58,18, 6. Nina Van Koeckhoven (Belgien) 1:58,32, 7. Julie Hjorth-Hansen (Dänemark) 1:58,79, 8. Nicole Zahnd (Schweiz) 1:59,35
100 m Brust: 1. Anne Poleska (Krefeld) 1:07,25 Minuten, 2. Mirna Jukic (Österreich) 1:07,59, 3. Heidi Earp (Großbritannien) 1: 08,25, 4. Brigitte Becue (Belgien) 1:08,58, 5. Madelon Baans (Niederlande) 1:08,66, 6. Kirsty Balfour (Großbritannien) 1:08,69, 7. Natalia Hissamutdinowa (Estland) 1:09,17, 8. Agnieszka Braszkiewicz (Polen) 1:09,63
100 m Schmetterling: 1. Martina Moravcova (Slowakei) 57,20 Sekunden, 2. Johanna Sjöberg (Schweden) 57,79, 3. Anna-Karin Kämmerling (Schweden) 57,98, 4. Mette Jacobsen (Dänemark) 59,18, 5. Otylia Jedrzejczak (Polen) 59,31, 6. Sophia Skou (Dänemark) 59,65, 7. Natalia Soutiaguina (Russland) 59,84, 8. Nicola Jackson (Großbritannien) 1:00,30
200 m Rücken: 1. Sarah Price (Großbritannien) 2:04,59 Minuten, 2. Nicole Hetzer (Magdeburg) 2:06,65 (deutscher Rekord), 3. Anu Koivisto (Finnland) 2:07,10, 4. Louise Ornstedt (Dänemark) 2:09,18, 5. Aleksandra Miciul (Polen) 2:09,58, 6. Roxana Maracineanu (Frankreich) 2:10,26, 7. Anja Carnan (Slowenien) 2:10,71, 8. Louise Coull (Großbritannien) 2:12,53
400 m Lagen: 1. Nicole Hetzer (Magdeburg) 4:29,46 Minuten (Europarekord), 2. Jana Klotschkowa (Ukraine) 4:31,31, 3. Alenka Kejzar (Slowenien) 4:33,46, 4. Sabine Klenz (Leutzsch) 4:40,70, 5. Federica Biscia (Italien) 4:42,86, 6. Hana Netrefova (Tschechien) 4: 43,58, 7. Rebecca Cooke (Großbritannien) 4:45,04, disqualifiziert: Sara Nordenstam (Schweden)
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