Mit 7:5, 1:6, 7:6 (12:10) ins Halbfinale von Miami: Agassi bei Hitzeschlacht mit kühlem Kopf
zuletzt aktualisiert: 30.03.2000 - 21:25Miami (dpa). Seine Blicke gingen zuerst zur Tribüne, wo Steffi Graf vor Aufregung kaum weniger geschwitzt hatte, als ihr Freund Andre Agassi vor Anstrengung auf dem Centre Court. Zugleich wuchtete Agassi ihr die rechte Faust entgegen, als wollte er sagen: "Steffi, ich hab's geschafft." Sekunden zuvor hatte der US-Tennisstar mit kühlem Kopf der über zweieinhalbstündigen Hitzeschlacht gegen den Briten Tim Henman ein glückliches Ende gesetzt und sich durch einen Rückhand-Passierball mit 7:5, 1:6, 7:6 (12:10) ins Halbfinale des Masters-Turniers von Miami gespielt. Dort trifft der Weltranglistenerste am Freitag auf den als Nummer sechs gesetzten Gustavo Kürten (Brasilien), der Wayne Ferreira (Südafrika) 6:3, 6:1 besiegte. Unabhängig vom Ausgang des Duells wird Agassi nach dem mit 5,725 Millionen Dollar dotierten Wettbewerb den Russen Jewgeni Kafelnikow als Spitzenreiter der "Champions Race" ablösen.
"Wenn man ein Match so gewinnt, fühlt man sich stolz. Ich hatte Glück", sagte Agassi nach dem Tennis-Krimi erleichtert. Sein unterlegener Gegner war maßlos enttäuscht. "Ich habe mehr Spiele gewonnen, ich habe mehr Punkte gewonnen. Doch den entscheidenden Schlusspunkt setzte ich nicht. Das ist frustrierend", ärgerte sich Henman, der den kahlköpfigen Publikumsliebling im zweiten Satz mit seiner aggressiven Spielweise entzaubert hatte.
"Es war ein verrücktes Match. Der Druck war unheimlich groß. Mir wurde alles abverlangt", gestand Agassi. Er räumte ein, nicht sein bestes Tennis gezeigt zu haben: "Phasenweise agierte ich zu unentschlossen. Dadurch spielte ich Bälle, die ich normal so nicht spielen würde." Die saunaähnlichen Bedingungen mit Temperaturen über 32 Grad hatten dem sechsmaligen Grand-Slam-Gewinner die Energien geraubt. Die Leistung der britischen Nummer eins wollte er damit aber nicht schmälern. "Tim machte einige große Punkte. Besonders im zweiten Satz, als er seine Möglichkeiten zum Breaken konsequent nutzte, spielte er sehr stark", anerkannte Agassi, der froh war, einen Ruhetag einlegen zu können.
Nach den Australian Open will er im Crandon Park den zweiten großen Coup in diesem Jahr landen. Zumindest die Voraussetzungen zum Erreichen des Finals scheinen günstig. Die letzten vier Vergleiche gegen Kürten hat er allesamt gewonnen. "Andre ist der Favorit. Das er hier zu bezwingen ist, hat Henman gezeigt. Der größere Druck lastet auf ihn. Ich kann nur gewinnen", behauptet der French Open-Sieger von 1997. Um den Einzug in das zweite Halbfinale spielen Jungstar Lleyton Hewitt (Australien) und Jan-Michael Gambill (USA) sowie Nicolas Lapentti (Ekuador) und Pete Sampras (USA).
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