Tennis: Magnus Norman fürchtet Kiefer nicht: Agassi bereitet sich auf Duell mit Sampras vor
zuletzt aktualisiert: 25.01.2000Melbourne (sid). Nicolas Kiefer träumt am anderen Ende der Welt vom Finale gegen Andre Agassi - der gibt in Melbourne den "schwarzen Ritter" und macht mit seinen Gegnern kurzen Prozess. Vor den Augen von Tribünen-Stammgast Steffi Graf demolierte der Weltranglistenerste ganz in Schwarz im Viertelfinale der Australian Open den hoch eingeschätzten Marokkaner Hicham Arazi in nur 93 Minuten 6:4, 6:4, 6:2. Nur noch zwei Siege fehlen ihm zum zweiten Sieg in Melbourne nach 1995.
Steffi Graf blickte versonnen unters graue Dach, derweil gab sich Andre Agassi in der wegen Regens geschlossenen Rod-Laver-Arena wild entschlossen. Schon im Halbfinale winkt das Duell der Giganten gegen Pete Sampras, keine Zeit für Zeitverschwendung also. "Das war ziemlich schnelles Tennis", bemerkte der 29 Jahre alte Amerikaner zufrieden: "Ich hatte ihn meistens unter Kontrolle. Ein solides Match von mir."
Auch wenn Sampras erst am späten Abend gegen Landsmann Chris Woodruff spielte, konzentrierte sich Agassi sofort auf den ultimativen Härtetest: "Ich habe das Gefühl, ich muss mich schon jetzt bereit machen für ihn", erklärte der Las Vegas-Boy ungewohnt einsilbig in seiner Pressekonferenz: "Das zeigt nur meinen Respekt vor allem, was er schon erreicht hat."
17:11 führt Sampras vor dem 29. Duell im direkten Vergleich, von den letzten fünf Spielen verlor Agassi vier. Zuletzt im Finale der ATP-Weltmeisterschaft, als ihn Sampras mit gnadenloser Gewalt und ziemlich überraschend glatt in drei Sätzen überfuhr. "Es wäre besser, wir hätten uns erst im Finale getroffen", gab Agassi zu.
Deutschlands Daviscup-Verweigerer Kiefer hat sich mit seinem Idol Agassi in den Umkleidekabinen zwar schon für das Finale am Sonntag verabredet, davor aber steht unter anderem am Mittwoch in der Night Session noch das schwere Viertelfinale gegen Magnus Norman an. Der 23-jährige Schwede hat wie Kiefer bislang nur einen Satz abgegeben, wie Kiefer stand er noch nie im Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers.
"Wir haben einen ähnlichen Stil", sagt der an Nummer zwölf gesetzte Norman und verspricht dem an Nummer vier gesetzten Kiefer eine Begegnung der besonderen Art: "Er ist der Favorit, aber ich werde mit meinem Coach eine Strategie ausarbeiten, dass ich ihn schlage."
Kiefer gibt sich gelassen ("Ich weiß, dass ich ihn besiegen kann"), aber der Respekt vor Norman ist groß. Immerhin gewann der unscheinbare Schwede 1999 fünf Turniere, darunter das Finale in Stuttgart gegen Tommy Haas nach 0:2-Satzrückstand, und war damit zusammen mit Sampras und Agassi der erfolgreichste Spieler des Jahres. Auch 2000 begann für Norman mit einem Turniersieg in Auckland (Neuseeland).
"Aktuell bin ich die Nummer zwei und im letzten Jahr mit Sampras und Agassi gleichauf. Wenn man das liest, beginnt man zu glauben, dass man ein ziemlich guter Tennisspieler ist", beschrieb Norman sein gestiegenes Selbstbewusstsein. Australiens Laufwunder Lleyton Hewitt, mit zwei Turniersiegen (Adelaide und Sydney) und 13:0 Matches ins Jahr gestartet, bekam es im Viertelfinale zu spüren. 3:6, 1:6, 6:7 - nach nur 93 Minuten ging der "coole Normanne" als Sieger vom Platz.
Dabei schien die Karriere des 1,88 m großen Schweden vor drei Jahren schon beendet, ehe sie richtig begonnen hatte. Wegen eines Herzfehlers, den ihm seine Mutter vererbt hat, musste Norman operiert werden. Der Eingriff war erfolgreich, seitdem geht es steil bergauf. Kiefer wird sich etwas besonderes einfallen lassen müssen, das weiß der 22 Jahre alte Deutsche auch. Melbourne 1998 lässt grüßen. Damals führte der "coole Kiwi" im Viertelfinale gegen den Franzosen Nicolas Escude 2:0 in Sätzen, dann verließen ihn alle guten Geister und er verlor noch in fünf Sätzen.
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