French Open in Paris: Agassi draußen - Erster "Sister-Act" perfekt
zuletzt aktualisiert: 07.06.2002 - 08:03Paris (rpo). Vorjahressiegerin Jennifer Capriati (USA) ist im Halbfinale der French Open an Serena Williams gescheitert. Da auch Venus Williams ihr Halbfinalspiel gewann, kommt es beim Showdown in Paris zum ersten "Sister-Act". Bei den Herren heißen die Halbfinalbegegnungen Alex Corretja - Albert Costa und Juan Carlos Ferrero (alle Spanien) - Marat Safin (RUS).
Die 20-Jährige US-Amerikanerin Serena Williams setzte sich im Halbfinale mit 3:6, 7:6 (7:2), 6:2 gegen Titelverteidigerin Jennifer Capriati durch. Mit dem Triumph nach 2:15 Stunden machte sie zugleich die erste doppelte Schwestern-Weltranglistenführung der Tennis-Geschichte perfekt. In der neuen Weltrangliste nach Paris führt in jedem Fall Venus vor Serena. Venus Williams hat das erste Schwestern-Duell in der Final-Geschichte der French Open perfekt gemacht. Die 21-Jährige verwandelte ihren vierten Matchball zum 6:1, 6:4-Sieg gegen die Argentinierin Clarisa Fernandez.
Daumendrücken von Steffi Graf half nichts
Steffis Daumendrücken hat nicht geholfen: Andrè Agassi unterlag im Viertelfinale der French Open dem Spanier Juan Carlos Ferrero in vier Sätzen. Ferrero folgte damit seinen Landsleuten Albert Costa und Alex Corretja ins Halbfinale. Sein Gegner wird zwischen Marat Safin und Lokalmatador Sebastian Grosjean ermittelt.
Mit Sandplatz-Tennis der Extraklasse konnte Ferrero die Siegesserie von André Agassi stoppen. Trotz eines verstauchten Knöchels gewann er am Donnerstag das am Vortag unterbrochene Viertelfinalmatch gegen den zehn Jahre älteren Amerikaner mit 6:3, 5:7, 7:5, 6:3 und zog als dritter Spanier nach Albert Costa und Alex Corretja in die Vorschlussrunde ein. Das Halbfinale bei den French Open wird damit fast zur spanischen Landesmeisterschaft. Ferrero trifft im Halbfinale auf den Russen Marat Safin, der beim 6:3, 6:2, 6:2 gegen Sebastien Grosjean die letzte Hoffnung der Franzosen aus dem Turnier warf.
Nach zehn Siegen auf Sand in Serie musste Agassi erstmals wieder eine Niederlage einstecken und seinen Traum vom zweiten Paris-Triumph nach 1999 vorerst begraben. Der Spanier schaffte auch bei seinem dritten Auftritt im Stade Roland Garros den Sprung in die Runde der besten Vier. Trotz eines Handicaps. "Ich kann mich nicht hundertprozentig bewegen", hatte Ferrero vor dem Match gesagt. Die Knöchelverletzung hatte er sich in der vorigen Woche im Training zugezogen.
Drei Spanier im Halbfinale und Andre Agassi außen vor. "Ich hätte mein bestes Tennis spielen müssen, habe aber zu viele Fehler gemacht", sagte der Turniersieger von 1999: "Paris war für mich immer das schwierigste Turnier, aber ich sehe noch Chancen für die Zukunft." Zumal Agassi bei den French Open bevorzugt behandelt wird: Oberschiedsrichter Stefan Fransson hatte das Match am Vorabend beim Stand von 3:6, 0:1 aus Agassis Sicht zur Überraschung der Fans und zum Unwillen von Ferrero abgebrochen. "Sie haben das mit Andre entschieden, obwohl auf den anderen Plätzen noch gespielt wurde. Das fand ich ziemlich komisch", maulte Ferrero. Er gab seine Antwort auf dem Platz, obwohl er sich zusätzlich zu seiner Knöchelverletzung beim Einschlagen eine blutende Wunde am Mittelfinger zugezogen hatte.
Im dritten Satz fiel die Vorentscheidung gegen Agassi
Nach dem Satzausgleich kam der große Kämpfer mit seinen gefürchteten überrissenen Bällen, starken Aufschlägen und traumhaften Passierbällen zurück. Beim Stand von 2: 5 wehrte Agassi zwei Satzbälle ab, glich zum 5:5 aus, hatte selbst drei Breakbälle und verlor den dritten Durchgang dann doch mit 5:7. Das war die Vorentscheidung. Agassi produzierte immer mehr Fehler, und dem um jeden Ball fightenden Ferrero glückte ein schnelles Break zum 2:0. Nach 2:45 Stunden war Agassi beim Anlauf zu seinem zweiten French-Open-Sieg gescheitert, und Steffi Graf verließ mit Mutter Heidi traurig die Tribüne. Der zum dritten Mal in Folge ins Semifinale von Paris eingezogene Ferrero trifft am Freitag auf den Russen Marat Safin oder Frankreichs letzte Hoffnung Sebastien Grosjean.
Corretja steht zum dritten Mal im Halbfinale des Grand-Slam- Klassikers im Pariser Bois de Boulogne. Der 28 Jahre alte Spanier gewann das am Dienstag unterbrochene Viertelfinalmatch gegen den Rumänen Andrei Pavel mit 7:6 (7:5), 7:5, 7:5. Damit kommt es am Freitag zum spanischen Semifinal-Duell zwischen Corretja und Albert Costa. Corretja hatte 1998 und 2001 sogar das Finale erreicht: Vor vier Jahren unterlag er seinem Landsmann Carlos Moya, im Vorjahr dem Brasilianer Gustavo Kuerten.
Pavel war ein glücklicher Verlierer
Andrei Pavel war am Donnerstag der glücklichste Verlierer in der Geschichte der French Open, denn am Vorabend wurde der 28 Jahre alte Rumäne Vater eines Sohnes. Er hatte den völlig verregneten Tag genutzt, um mit dem Auto zu seiner Frau Simone nach Deutschland zu fahren, wo er allerdings erst gut eine Stunde nach der Geburt eintraf. Das Paar lebt mit seiner zweijährigen Tochter auf einem Bauernhof im ostwestfälischen Borgholzhausen. "Jeder Vater weiß, wie ich mich in diesem Moment gefühlt habe", sagte der stolze Papa, der nach wenigen Stunden Schlaf sein Viertelfinale gegen Corretja zu Ende spielen musste. Pavel war nicht richtig bei der Sache, aber schon nach 11 Minuten "Nachspielzeit" im dritten Satz war alles vorbei.
Der völlig verregnete Mittwoch hat die Zuschauer viel Nerven und die Veranstalter fast eine Million Euro gekostet. "Wir hatten etwas über 16 000 Zuschauer und Gesamteinnahmen von 925 000 Euro", erklärte Turnierdirektor Herve Dutreil auf einer Pressekonferenz. Weil am Mittwoch nicht mindestens zwei Stunden gespielt wurde, bekommen die Zuschauer das Geld für die Tickets erstattet; für den Ausfall kommt allerdings eine Versicherung auf.
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