Auch Steffi Graf hatte Grund zum Ärgern: Agassi flüchtete stocksauer
zuletzt aktualisiert: 02.06.2000 - 13:05Paris (dpa). Mit Anstand zu verlieren hat Andre Agassi noch immer nicht gelernt. Wütend und grußlos verließ er den Tatort seiner schmerzhaften Zweitrunden-Niederlage gegen "Angstgegner" Karol Kucera und flüchtete in die Katakomben des Center Courts von Roland Garros.
Wie vor zwei Jahren, als er gleich im Eröffnungsspiel der French Open am damaligen "Newcomer" Marat Safin gescheitert war, schlich sich der Amerikaner heimlich, still und leise wortlos von der Anlage am Bois de Bologne und ward fortan nicht mehr gesehen. Die Verantwortlichen des hilflosen Tennis-Weltverbandes ITF drohten zwar lauthals und gestenreich mit der lächerlichen Höchststrafe von 10 000 Dollar, aber Agassi kümmerte das wenig. Er blieb verschollen.
Die Rechnung für den Wutausbruch berappt der Tennis-Millionär, der allein an Preisgeld schon 20 Millionen Dollar eingestrichen hat, sowieso spielend aus der Portokasse - wenn er sie den überhaupt zahlen muss. Vielleicht schämte sich Agassi ganz einfach auch nur für die desolate Vorstellung und wollte das Unerklärliche nicht mit an den Haaren herbeigezogenen Gründen aufklären. Das selbstkritische Urteil hätte ohnehin nur lauten können: "Ich war heute indiskutabel schlecht, und Karol hat seine Sache sehr gut gemacht." Die große Blutblase auf dem rechten Zeh, die ihm trotz Behandlung Anfang des dritten Satzes nach offizieller Schilderung weiterhin arg zu schaffen gemacht habe, hätte höchstens als schwache Ausrede getaugt.
Bereits die dritte Niederlage gegen Kucera
Schon zum dritten Mal im fünften Vergleich hat der Weltranglisten- Dritte nun den Kürzeren gegen den Slowaken gezogen. Bei Grand-Slam- Turnieren behielt der 26-Jährige aus Bratislava sogar eine "weiße Weste" gegen den Spieler aus Las Vegas, den er auch 1998 bei den US Open im Achtelfinale ausgeschaltet hatte. Die Nummer 65 im Champions Race unterstrich überdies, dass die Vorbereitung beim World Team Cup in Düsseldorf nicht die schlechteste sein kann. Mit vier Siegen im Rochusclub führte er die Slowakei in der Vorwoche zum ersten WM-Titel und kam gestärkt nach Paris.
Agassi hatte sich nach dem Achtelfinal-Aus in Rom mit seiner Freundin Steffi Graf verkrochen und war erst in Frankreich wieder auf den Tennisplatz zurückgekehrt. Ob ihn die haltlosen Trennungsgerüchte aus dem Rhythmus gebracht haben, ist nicht bekannt. Bekannt ist aber, dass sich Steffi Graf darüber mächtig geärgert hat. Dass sie nur kurz in Italien war, hatte einen einfachen Grund: Die Brühlerin ließ sich in Österreich wieder einmal am lädierten Knie behandeln. Nichts dran sei auch an den Meldungen, sie habe die Expo-Eröffnungsgala in Hannover zu Gunsten des Matches ihres Freundes abgesagt. "Dass Steffi dort hingeht, stand nie zur Diskussion", erklärte ihr Manager Hans Engert am Freitag: "Geplant war immer nur der Besuch beim Festakt am Mittwoch - und da war sie ja auch."
Der ständige Rummel ist Steffi Graf noch immer ein Graus. Auch Agassi scheint die Ruhe mehr und mehr zu schätzen. Die Spekulationen um ein baldiges Karriereende des 30-Jährigen verdichten sich jedenfalls. Den angepeilten letzten großen Höhepunkt musste Agassi bei den French Open abschreiben. Mit Siegen in Melbourne, Paris, Wimbledon, Flushing Meadow und bei Olympia in Sydney wollte es der Australian-Open-Gewinner seiner Freundin gleichtun. Doch nun bleibt Steffi Grafs "Golden Slam" aus dem Jahre 1988 weiterhin einmalig.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum











