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Rugby-WM
"All Blacks" - martialisch sympathisch

Rugby-WM: "All Blacks" - martialisch sympathisch
"Ka mate! Ka mate! Ka ora! Ka ora!", rufen die Neuseeländer bei ihrem rituellen Tanz. "Das ist der Tod. Das ist der Tod. Das ist das Leben. Das ist das Leben", heißt die Zeile des "Haka" frei übersetzt. FOTO: afp, dsk/ia/rb
London/Düsseldorf. Das neuseeländische Rugby-Team wird seiner Favoritenrolle bei der Weltmeisterschaft bisher gerecht. Von Patrick Scherer

Einladungen zum Bier hat Johan Deysel nach eigener Aussage schon einige erhalten. Diese eine habe aber einen besonderen Stellenwert. Die neuseeländische Rugby-Nationalmannschaft bat Deysel zusammen mit seiner namibischen Auswahl in ihre Kabine, um dort auf den größten Erfolg in Deysels Karriere anzustoßen: Der Centre hatte bei der Rugby-Weltmeisterschaft im Londoner Queen Elizabeth Stadium einen Try (engl. Versuch), die höchstmögliche Angriffswertung, gegen Neuseeland erzielt. Da der krasse Außenseiter Namibia das Spiel dennoch klar mit 14:58 verlor, war der Sieger in Geberlaune.

"Es war toll, solch bescheidene Jungs, die Neuseeländer", sagte Deysel. Dabei hätten die Kraftpakete von der Insel im südlichen Pazifik Grund zu mehr Überheblichkeit: Neuseeland ist amtierender Weltmeister von 2011 und wird auch in diesem Jahr seiner Rolle als Maß aller Dinge bisher gerecht. Am Freitag (21 Uhr, live bei Eurosport) können die "All Blacks", wie das Team von Coach Steve Hansen genannt wird, da es ganz in Schwarz gekleidet ist, gegen Georgien einen großen Schritt Richtung Viertelfinale machen. Vor dem Erfolg über Namibia hatte Neuseeland bereits Argentinien (26:16) besiegt und führt somit Gruppe C souverän an.

Weltweiter Rugby-Boom hält an

Bei der WM in England und Cardiff (Wales) sind die Stadien prall gefüllt, der weltweit zu beobachtende Rugby-Boom hält an. Und kaum eine Nation verehrt den Kampf um den ovalen Ball, das Ei, so sehr wie die Neuseeländer. "Ka mate, ka mate", ruft der Anführer des Teams vor den Partien, wenn sich die "All Blacks" aufstellen und ihr martialisch anmutendes Ritual, den "Haka" aufführen. "Das ist der Tod, das ist der Tod", heißt die Zeile aus dem Tanz der Maori, dem indigenen Volk Neuseelands, frei übersetzt - nichts für zartbesaitete Geister und Sinnbild für den Stellenwert der Sportart. Und die Gegner haben sowohl dem "Haka" als auch dem Rugby-Team Neuseelands selten etwas entgegenzusetzen: Die "All Blacks" führen die Weltrangliste an, haben seit 112 Jahren, in denen über Rugby Buch geführt wird, 78 Prozent ihrer Spiele gewonnen.

In Richard Hugh "Richie" McCaw, der in Neuseeland wegen seiner herausragenden Qualitäten nur "Captain Fantastic" genannt wird, hat das Team einen Anführer, der zahlreiche Rekorde gesammelt hat und nun einen weiteren aufstellen will: Noch nie hat ein Kapitän den "Web Ellis Cup", die WM-Trophäe, zwei Mal nach Hause gebracht. Ernsthafte Gefahren für dieses Vorhaben dürften weder Georgien noch der letzte Gruppengegner Tonga darstellen. Interessanter wird es dann im Viertelfinale (Samstag, 17. Oktober). Dort wartet allem Anschein nach einer der beiden Mitfavoriten, Irland oder Frankreich.

Gastgeber England, der bisher erst sechs Punkte verbuchen konnte, steht morgen unter Druck. Gegen den zweimaligen Weltmeister Australien (neun Punkte) droht das frühe Aus. Im zweiten Spitzenspiel am Samstag muss Ex-Weltmeister Südafrika (sieben Punkte) gegen Tabellenführer Schottland (zehn Punkte) zeigen, dass die sensationelle Niederlage gegen Japan nur ein Ausrutscher war.

Quelle: RP
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