| 07.22 Uhr

Aline Focken holt WM-Gold
Ihr Laufstall war die Ringermatte

Aline Focken – ihr Laufstall war die Ringermatte
Die Krefelderin Aline Focken hat Gold geholt. FOTO: dpa, zk mr
Taschkent/Krefeld. Die Olympischen Spiele in London hat Aline Focken noch knapp verpasst. Aber jetzt ist die Krefelder Ringerin an der Spitze ihres Sports angekommen. Bei der Weltmeisterschaft, die derzeit im usbekischen Taschkent ausgetragen wird, gewann die 23-Jährige die Gewichtsklasse bis 69 Kilogramm. Damit holte sie nicht nur die erste Goldmedaille für den Deutschen Ringerbund (DRB) bei den diesjährigen Titelkämpfen, sondern feierte auch den größten Erfolg ihrer jungen Karriere. Von Oliver Schaulandt

Ein Zufall in ihrem Leben ebnete den Erfolgsweg. Schon ihr Opa war Ringer, ihr Vater Georg ist Trainer der Ringermannschaft des KSV Germania Krefeld. Und weil der Aufwand auch für einen Trainer in einer der ältesten olympischen Sportarten der Welt ziemlich hoch ist, nahm der Papa seine Tochter schon als Baby mit in die Turnhalle. Mama und Papa Focken hatten seinerzeit nämlich keine Babysitter für ihren Nachwuchs.

Deshalb war Aline Fockens Laufstall die Ringermatte, sie wuchs sozusagen zwischen Paketgriff und Armzug auf. Mit fünf Jahren durfte sie zum ersten Mal selbst mitringen, aus dem Hobby wurde Leidenschaft, und diese wiederum führte Aline Focken bereits in der Jugend und bei den Senioren zu deutschen Meisterehren und Anfang 2012 auf Rang eins der deutschen Rangliste in der Gewichtsklasse bis 63 Kilo.

"An guten Tagen und bei einer günstigen Auslosung kann ich sicherlich eine Medaille holen", hatte Focken, die Anfang des Jahres 2014 die einzige Frau im deutschen A-Kader war und die weiterhin von ihrem Vater ("Ich bin Alines größter Fan, aber in der Halle habe ich das Kommando") trainiert wird, vor den Weltmeisterschaften kundgetan. Und die Auslosung passte: Auf dem Weg in den Endkampf hatte die 23-Jährige souverän ihre drei Duelle mit der Kasachin Elmira Syzdykowa (8:5 nach Punkten), Diana Gonzales aus Mexiko (Schultersieg) und der Lettin Laura Skujina (3:1 nach Punkten) gewonnen.

Ihr Selbstbewusstsein hängt auch mit der ständig wachsenden Erfahrung bei den Senioren zusammen. Taschkent ist ihre vierte Weltmeisterschaft, und mit jeder Teilnahme hat sie sich ein Stück weit verbessert. 2011 in Ankara war ihr erster Kampf bereits Endstation, 2012 in Kanada gab's den ersten Sieg (gegen die Griechin Agoro Papavasileiou), und 2013 hätte es beinahe zur Bronzemedaille gelangt, wäre die Japanerin Sara Dosho nicht noch eine Nummer zu groß gewesen. Diesmal war sie es nicht, denn in der olympischen Klasse bis 69 Kilogramm setzte sich Focken gegen eben jene Japanerin, die zuvor die russische Olympiasiegerin Natalia Vorobioeva ausgeschaltet hatte, in einem Herzschlagfinale mit 5:4 durch. Sekunden vor dem Ende des Kampfes hatte sie ihre knappe Führung eingebüßt und lag zurück. Mit einem letzten, verzweifelten Angriff gelangen Aline Focken aber noch zwei Punkte und somit der Sieg - die erste Medaille für Deutschland.

"Wir haben eine Familiengruppe bei WhatsApp, da hat sich natürlich gleich alles überschlagen", sagte die Studentin, die an der Uni Saarbrücken ihren Master zum Fitness- und Rehatrainer macht.

Entsprechend groß waren auch Jubel und Erleichterung im Lager der deutschen Ringer, die bislang bei diesen Titelkämpfen noch nicht sonderlich in Erscheinung getreten sind. "Das ist der absolute Hammer. Für Aline ist das die Krönung nach einer extrem guten und extrem konstanten Leistung", sagte DRB-Präsident Manfred Werner. Er hatte die Vorstellung im Livestream erlebt, weil er nach einer Zahn-OP zu Hause geblieben war. "Nach den überhaupt nicht zufriedenstellenden Leistungen im Freistil, worüber zu reden sein wird, fällt mir jetzt natürlich ein Stein vom Herzen."

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Aline Focken – ihr Laufstall war die Ringermatte


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.