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Deutsche Medaillen-Hoffnung
Anna Bader: Lieber Klippenspringen statt Erdkunde

Porträt: Anna Bader: Lehrerin, Artistin, Extremsportlerin
Porträt: Anna Bader: Lehrerin, Artistin, Extremsportlerin FOTO: Andrea De Maria/Red Bull Photofiles
Kasan. Zwei Jahre nach ihrer Bronzemedaille bei der Premiere in Barcelona stürzt sich Klippenspringerin Anna Bader erneut bei einer WM aus 20 Metern in die Tiefe - Angela Merkel sei Dank.

Sollte Anna Bader mit ihrer spektakulären Flugshow eine WM-Medaille gewinnen, dann wäre das ein wenig auch Angela Merkel zu verdanken. Eigentlich hatte Bader das Klippenspringen mit dem Klassenzimmer getauscht, doch das Unterrichten allein machte die 31-Jährige nicht glücklich. Also erwirkte sie beim Kultusministerium eine Auszeit vom Referendariat - unter anderem mit dem Glückwunschschreiben der Bundeskanzlerin, das Bader nach ihrer Bronzemedaille bei der WM-Premiere der Extremsportart vor zwei Jahren in Barcelona erhalten hatte.

"Ich habe versucht, sesshaft zu werden. In den Sommerferien habe ich aber entschieden, dass ich für den Sport nochmal alles geben will", sagte die angehende Lehrerin für die Fächer Englisch und Erdkunde vor ihrem WM-Springen aus 20 Metern am Dienstag. Die Männer zeigten in den ersten drei Durchgängen am Montag gar aus 27 Metern eine faszinierende Flugakrobatik.

Fotos: Klippenspringen aus atemberaubender Höhe FOTO: dpa, tb hm

Wie schon in Barcelona zählt Bader zu den Favoritinnen, und wieder wird Tausenden Zuschauern am Ufer der Atem stocken, wenn sich die zehn Athletinnen mit waghalsigen Sprüngen und bis zu 90 km/h schnell in die Kasanka stürzen. "Die Hymne für mich zu hören, das wäre natürlich der absolute Traum", sagte Bader dem SID: "Aber ich werde jeden Sprung feiern und jede Sekunde genießen." Die WM-Teilnahme der Extremsportler sei "ein Geschenk des Himmels".

Bei der WM-Premiere vor zwei Jahren hatte Bader bereits die Blicke auf sich gezogen. Zuerst ließ die achtmalige Europameisterin für den Playboy den Badeanzug fallen, dann sprang sie aufs Podest. Bader sorgte mit dafür, dass das High Diving, wie die Sportart im offiziellen WM-Programm heißt, auf Anhieb ein Zuschauermagnet war.

Die verrückt anmutende Klippenspringen hat aber auch an Qualität zulegt. "Das, was ich an Sprüngen in Barcelona gemacht habe, konnte ich in der Luft noch genießen", sagt Bader: "Jetzt ist alles dynamischer und akrobatischer, man fühlt sich fast wie in einer Achterbahn."

Schwimm-WM 2013: Anna Bader holt Bronze im Klippenspringen FOTO: dpa, David Ebener

Mutter Angelika Kern, die als Turnerin 1968 und 1972 bei Olympia teilgenommen hat, schaut ihrer Tochter am Dienstag ohne Angst von der Tribüne aus zu. "Das ist ja nicht von heute auf morgen so gekommen", sagt Kern. Sie habe sich fünf Jahre Schritt für Schritt an die 20 Meter herangewagt, erklärt Bader.

Zum Klippenspringen kam sie bei einem Jamaika-Urlaub. Einheimische beobachteten die Sprünge der damals 17-Jährigen von einer "Plattform für Touris, sieben Meter hoch", und luden sie prompt ein: "Du bist Profi, du kannst bei uns mitspringen." Bis zum Sonnenuntergang stürzte sich der Teenager aus Mutlangen "von den richtigen Klippen, zwölf Meter hoch", ins karibische Meer.

Für die WM hat sie in einem Freizeitpark in Frankreich trainiert. Vor ihrem dritten Platz in Barcelona hatte sie drei Jahre ein Zirkusleben in Macau geführt. Wie fast alle Klippenspringer liebt auch Bader die Freiheit. Die strengeren FINA-Regeln, unter anderem die Aufnahmen in den Testpool der Nationalen Anti-Doping-Agenturen, gefallen nicht jedem.

Doch die FINA hat das enorme Potenzial erkannt, wie zuvor schon ein österreichischer Getränkehersteller, der die Sportart seit einigen Jahren mit viel Geld, cleverem Marketing und spektakulären Austragungsorten enorm pusht. Inzwischen ist selbst die Aufnahme ins olympische Programm nicht ausgeschlossen.

(sid)
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