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Klippenspringerin freut sich über Medaille
Anna Bader – vom Playboy zu Bronze

Schwimm-WM 2013: Anna Bader holt Bronze im Klippenspringen
Schwimm-WM 2013: Anna Bader holt Bronze im Klippenspringen FOTO: dpa, David Ebener
Barcelona. Klippenspringerin Anna Bader stürzt sich aus über 20 Metern in die Tiefe. Beim WM-Debüt ihrer Sportart in Barcelona holte die Serien-Europameisterin Bronze. Vor Beginn der Wettkämpfe zeigte sie sich im Playboy ganz ohne Badeanzug.

Als Anna Bader sich zum ersten Mal vom WM-Turm aus 20 Metern in die Tiefe stürzte, blieben die Passanten am Hafen von Barcelona stehen und schauten staunend zu. Die Klippenspringerin genoss die Blicke. "Mir gefällt der Moment vor dem Sprung, wenn ich alle Gesichter unten sehe. Dann kommt die Energie nach oben", sagte die 29-Jährige.

Am Montag und Dienstag lockte die WM-Premiere der Klippenspringer mehrere tausend Zuschauer zum Port Vell, die immer wieder staunend nach oben blickten und den Mut der Extremsportler bewunderten. Bader gewann noch vor gut einer Woche vor einer Handvoll Zuschauern von den Felsen bei Ponte Brolla im Schweizer Maggiatal ihren siebten EM-Titel, in Barcelona reichte es trotz Goldhoffnungen nur für die Bronzemedaille. "Es war fantastisch, super schön", sagte Bader. "Nach den ersten beiden Sprüngen sah es gut aus. Beim letzten habe ich noch mal alles gegeben. Der Absprung ist gelungen, die Schraube war gut, nur am Ende war ich ein bisschen überdreht. Vielleicht war es ein bisschen zu viel Adrenalin", so Bader.

Die einstige Wasserspringerin, der zehn Meter nicht hoch genug waren, tingelt mit einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter im Sommer von einem Event zum anderen. "Ich bin schon überrascht, es gab sehr viele Anfragen", berichtete sie vor der WM, "aber ich freue mich, auch wenn ich manchmal gar nicht weiß, wo mir der Kopf steht." Auch der Playboy wurde auf die attraktive Mainzerin aufmerksam und lichtete sie für sein August-Heft ab.

Wenn das Zehn-Meter-Brett nicht mehr reicht

Um WM-Medaillen hätte sie schon eher springen können, wenn sie beim konventionellen Wasserspringen geblieben wäre, zwischenzeitlich gehörte sie zum B-Kader der Nationalmannschaft. Doch sie wollte höher hinaus – wie in ihrem Jamaika-Urlaub. Einheimische beobachteten die Sprünge der damals 17-Jährigen von einer "Plattform für Touris, sieben Meter hoch", und luden sie prompt ein: "Du bist Profi, du kannst bei uns mitspringen." Bis zum Sonnenuntergang stürzte sich der Teenager aus Mutlangen "von den richtigen Klippen, zwölf Meter hoch", ins karibische Meer.

Die Sprünge vom Zehn-Meter-Turm in den Schwimmhallen reizten sie immer weniger. Als sie 2005 in die Schweiz fuhr, "um Höhenluft zu schnuppern", wurde sie "wie aus Versehen Europameisterin im Klippenspringen". Sie war in die kleine Gruppe Extremsportler geraten, die sich alljährlich in Ponte Brolla treffen.

Anna Bader, die in Mainz Englisch, Spanisch und Geografie studierte, ist seitdem dabei geblieben. Vor zwei Wochen sahen 20.000 zu, als sie bei der Red-Bull-Weltserie am Gardasee den ersten Frauenwettbewerb vor zwei Amerikanerinnen und einer Kandierin gewann. Ihr Geld verdient sie als Artistin in einer Wassershow in China: "Mein Kindheitstraum war immer, zum Zirkus zu gehen. Dieser moderne Zirkus mit Masken und Wasser ist perfekt für mich."

Beim freien Fall mit bis zu 90 Stundenkilometern springt ein bisschen Angst immer mit: "Ich weiß um die Gefahren. Ich springe nur, wenn ich mir 100 Prozent sicher bin, dass es klappt. Aber es bleibt ein Restrisiko." Klippenspringer tauchen immer mit den Füßen zuerst ein, "der Aufprall ist enorm hart". Ernsthaft verletzt hat sie sich noch nicht: "Blaue Flecken gab's schon öfter, einmal habe ich mir das Steißbein geprellt." Die Schmerzen vergingen, die Liebe zum Extremen blieb. Als Belohnung gab es bei der WM-Premiere nun die Bronzemedaille.

(sid)
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