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Finale der Darts-Premier-League
Wright hat seine Nerven wieder nicht im Griff

Darts: Peter Wright bekommt gegen Michael van Gerwen Nervenflattern
So reagierte Peter Wright auf seinen sechsten vergebenen Matchball gegen Michael van Gerwen. FOTO: Screenshot Sport1
London. Michael van Gerwen hat die Darts-Premier-League in einem packenden Finale gegen Peter Wright gewonnen. Dabei profitierte der Niederländer von einer zittrigen Hand seines schottischen Herausforderers. Wright vergab gleich sechs Darts zum Matchgewinn und war nach der Partie sprachlos. Von Stephan Seeger

Peter Wright hat noch 32 Punkte auf seinem Konto und den Sieg der Premier League vor Augen. Drei Darts hat er Zeit. Der erste Pfeil landet in der einfachen 16. Kein Problem, der Schotte hat zwei weitere Chancen auf die Doppel-8. Der zweite Darts landet wenige Zentimeter links neben dem roten Feld, die Fans stöhnen. Wright nimmt sich einen Moment Zeit. Er will diesen Titel endlich gewinnen, das sieht man dem Paradiesvogel der Darts-Szene an. "Der letzte Schritt ist schwer", sagt Sport-1-Kommentator Elmar Paulke vor dem vielleicht entscheidenden Wurf der Premier-League-Saison, der Wright neben dem Titelgewinn mal eben um 250.000 Pfund reicher machen würde. Die 10.000 Fans in London werden ruhig. Wright wirft. Zu tief und zu weit links, die Titelchance ist scheinbar vertan.

Wright schreitet langsam ans Board und zieht seine Pfeile raus – in dem Wissen, dass sein Konkurrent das 20. Leg nun für sich entscheiden wird. 92 Punkte muss der Weltranglistenerste van Gerwen noch ausmachen. Der Niederländer trifft die 20, dann die 18 und hat vor dem letzten Pfeil noch 54 Punkte zu checken. Das ist nicht mehr möglich, Wright bekommt also drei weitere Chancen zum Titelgewinn. Wieder wirft er zweimal links neben das Feld, einmal in die einfache Acht. Damit vergibt Wright sechs (!) Championship-Darts. Der 47-Jährige begräbt sein Gesicht in den Händen.

Nachdem van Gerwen den Durchgang mit einem Wurf in die Doppel-10 für sich entscheidet, stützt sich Wright auf seinen Knien ab. Das letzte, entscheidende Leg darf er beginnen, doch ihm gelingt nichts mehr. Zu groß sind die Nachwirkungen der verpassten Chancen.

Denn das einzige, was Wright in seiner Vita fehlt, ist ein Titel bei einem großen Fernsehturnier. In den vergangenen Wochen spielte der Schotte so gut wie selten und triumphierte im Jahr 2017 schon bei sieben Veranstaltungen. Sein größter Erfolg war dabei der Sieg bei den UK Open im März. Allerdings spielte van Gerwen bei dieser Veranstaltung wegen Rückenproblemen nicht mit. Für Wright war es die 45. Niederlage gegen den Niederländer in seiner Karriere bei nur elf Siegen.

"Das nächste Mal, wenn ich gegen ihn im Finale spiele, werde ich es nicht vergeben", sagte ein spürbar geknickter  Wright nach der Niederlage im letzten Leg: "Du musst erst lernen, zu verlieren, bevor du gewinnst. Und jetzt werde ich nicht mehr verlieren. Gegen van Gerwen kann man sich so etwas nicht erlauben." Van Gerwen adelte Wright als "fantastischen Spieler" und "einen der ganz Großen". Die ganz wichtigen Duelle habe bislang aber immer er, der Weltranglistenerste, gewonnen, äußerte van Gerwen: "Normalerweise macht er das Spiel, aber am Ende hat er den Druck gespürt. Es war ein verrücktes Spiel. Aber egal wie, ich sage immer: Ein Sieg ist ein Sieg."

Im Halbfinale hatte sich Wright mit Mühe gegen Phil Taylor durchgesetzt, für den es der letzte Auftritt in der Premier League war. Am Ende des Jahres beendet "The Power" seine Karriere. 10:9 hieß es für Wright, der in der Vorschlussrunde seinerseits von Fehlern des Rekordweltmeisters profitierte. Van Gerwen setzte sich im Duell gegen den Weltranglistenzweiten Gary Anderson 10:7 durch. Im Finale lag "MvG" 0:4 und 2:7 zurück und fand in der letzten Session zu seiner Bestform. Im vorletzten Leg sah es dann so aus, als würde er dennoch verlieren. Am Ende aber reichte es dank der Zitterhand von Wright zu seinem dritten Premier-League-Titel.

Und Wright? Der kann sich immerhin mit 120.000 Pfund trösten, die er für den Finaleinzug erhält. Doch viel lieber hätte er endlich gerne die Trophäe in den Händen gehalten.

(seeg)
 
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