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Darts-Legende triumphiert in Blackpool
Taylor dominiert wie in alten Zeiten

Darts: Phil Taylor dominiert wie in alten Zeiten
Phil Taylor mit dem Siegerpokal. FOTO: Screenshot Twitter
Düsseldorf. Phil Taylor hat zum 16. Mal sein Lieblingsturnier gewonnen. Beim World Matchplay in Blackpool, dem zweitwichtigsten Darts-Turnier nach der WM, sicherte sich der 56-Jährige seinen 16. Titel. Die Art und Weise, in der Taylor in Blackpool auftrat, erinnerte stark an seine besten Zeiten. Von Stephan Seeger

Als John McDonald, Master of Ceremonies bei den Events der Professional Darts Corporation und vergleichbar mit Ringsprecher Michael Buffer beim Boxen, bei der Siegerehrung Phil Taylor aufrufen will, geht seine Ansage beinahe unter. Die Fans in Blackpool sind schon im "Taylor Wonderland", singen lauthals die Darts-Hymne der letzten Jahre: "There's only one Phil Taylor, walking along, singing this song, walking in a Taylor Wonderland." Taylor selbst genießt den Moment vor seinem Publikum, denn das World Matchplay in Blackpool gilt als das Lieblingsturnier des Rekordweltmeisters. Bei seinem letzten Auftritt dort schenkt Taylor den Fans noch einmal den Titel – seinen insgesamt 16.

Taylor wie im Rausch

Am Ende des Jahres beendet Taylor nach der WM in London seine einzigartige Karriere. 16 Mal wurde Taylor Weltmeister, und es gab eine Zeit, in der er kaum zu schlagen war. Von 1995 bis 2002 hieß der Weltmeister am Ende des Jahres immer Taylor, und sein Auftritt in Blackpool erinnerte stark an seine Glanzzeiten, nachdem es in den letzten Jahren eher schleppend lief und dem besten Spieler der Geschichte ein bisschen die Kraft und die Lust ausging. Taylor spielte das ganze Turnier über auf einem starken Niveau, ließ den namhaften Gegnern kaum eine Chance. Nach seinem Auftaktsieg über Gerwyn Price räumte Taylor ein Schwergewicht nach dem anderen aus dem Weg. Und wie.

Raymond van Barneveld erhielt eine 3:11-Klatsche im womöglich letzten Aufeinandertreffen der beiden Darts-Legenden. Überraschend deutlich gewann Taylor dann das Viertelfinale gegen den Weltranglistenersten Michael van Gerwen. 16:6 hieß es am Ende für Taylor, und selbst der verbissene Niederländer musste nachher eingestehen, dass er an diesem Abend chancenlos war. Im Halbfinale war dann Taylors "Ziehsohn" Adrian Lewis fällig, dem der Altmeister eine 17:9-Packung zufügte.

Im Finale traf Taylor am Sonntag auf den Weltranglistendritten Peter Wright, der sich zuvor eher durchmogelte als zu glänzen. Und auch in diesem Match war Taylor klar überlegen und sicherte sich mit einer 18:8-Gala seinen 16. und letzten Triumph in Blackpool. Taylor war im gesamten Turnier immer da, wenn seine Gegner patzten und nutzte beinahe jede Chance auf den Gewinn eines Legs, wenn der Kontrahent ein Doppelfeld verpasste. Im Finale lag seine Doppelquote bei starken 56 Prozent, sein Drei-Darts-Average bei 104,24 Punkten. Im gesamten Turnier kam Taylor auf 101,46 Zähler pro drei Darts. Zum Vergleich: Wright lag mit 99,74 Punkten pro Aufnahme im Finale deutlich unter Taylors Schnitt. Katastrophal war die Doppelquote des Schotten, die nur bei 27,59 Prozent lag.

"Jede Minute genossen"

"Ich habe jede Minute genossen. Ich habe mir Peter angeschaut und gesehen, dass er müde war. Dann wusste ich, dass ich den Druck hochhalten musste", sagte Taylor nüchtern nach seinem Triumph. "Ich habe ganz gut gespielt. Das toppt alles was ich bisher erlebt habe. Meine ganze Familie ist da, das ist toll", so Taylor weiter.

Ein Lob hatte die scheidende Darts-Legende am Ende auch noch für seinen Konkurrenten über. "Es war toll, dass Peter mich erst nach ihm hat auf die Bühne kommen lassen. Er wird das neue Gesicht im Darts", sagte "The Power". Eigentlich sollte Taylor im Finale zuerst auf die Bühne gehen, doch Wright hatte vor dem Match erklärt, dass Taylor in seinem letzten Duell in Blackpool doch auch als Letzter auf die Bühne geholt werden soll.

Durch seinen Sieg kassierte Taylor eine Prämie von 115.000 Pfund (128.600 Euro). Doch das Preisgeld ist "The Power" egal, davon hat er in seiner Karriere längst genug gewonnen. Auch die Verbesserung in der Weltrangliste auf Platz vier wird er mit einem Achselzucken hinnehmen. Vielmehr ist der Sieg in Blackpool im Hinblick auf die WM eine Warnung an die Konkurrenz: Seht her, der alte Mann kann es immer noch!

(seeg)
 
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