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Darts-WM 2017
Das Schweigen des Phil Taylor

Fotos: Phil Taylor – Rekordweltmeister und Darts-Legende
Fotos: Phil Taylor – Rekordweltmeister und Darts-Legende FOTO: dpa, dul kno
London/Köln. Am Samstagabend bestreitet Phil Taylor sein Zweitrundenmatch bei der Darts-WM. Bis dahin verfolgt der Rekordweltmeister die Strategie der Stille.

Phil Taylor schweigt. Der sonst so angriffslustige Großmeister der Pfeile hält sich bei seinem letzten großen Auftritt bedeckt. Vor seinem Zweitrundenmatch bei der Darts-WM sagte "The Power" sogar die obligatorischen Interviews mit Rechteinhaber Sky UK ab. Das darf nur Taylor.

Und so muss sich auch sein kommender Kontrahent Justin Pipe bis Samstagabend um 21 Uhr (Sport1/DAZN) gedulden. Keine Fehde seitens Taylor zu dem langsamen Wurfstil von "Mr. Slowhand" Pipe, kein Kommentar zu dessen plötzlichem "Hustenanfall", während sein Gegner in der ersten Runde Matchdarts (ver)warf.

"Das Feuer ist erloschen. Ich will gewinnen, aber irgendwie fehlt mir die Energie", sagte der 16-malige Weltmeister schulterzuckend gegenüber der Professional Darts Corporation (PDC). Es blieb das einzige Interview nach seinem Erstrundensieg über Chris Dobey. Seitdem schweigt Taylor.

"Tut mir leid, aber ich möchte seine Vorbereitungen nicht stören", gibt auch sein Manager und langjähriger Wegbegleiter Robert Glenn zu verstehen. Der Rekordweltmeister fokussiert sich voll und ganz auf die Weltmeisterschaft. Zum letzten Mal. Anders als in den vergangenen Monaten, in denen Taylor durch unreife Sprüche und Überheblichkeit auffiel, will der Dartskönig bei seinem letzten Turnier nur noch siegen statt reden.

Taylor weiß genau, was er tut. Mit seiner fast 30-jährigen Erfahrung in der Weltspitze weiß er die Psychotricks in der Mentalsportart Darts zu seinen Gunsten zu nutzen. Der Englänger redet seine eigenen Chancen klein, um am Ende doch wieder der Größte zu sein.

Schon im Vorfeld der WM gab sich Taylor wochenlang zurückhaltend und betonte stets, dass er keinerlei Druck verspüre. Doch insgeheim will er es nochmal allen beweisen. Den Jungen, den Wilden. Denjenigen, die den Sport in eine erfolgreiche Zukunft führen müssen, den Taylor Jahrzehnte lang aufgebaut hat. Bald ist er nicht mehr dabei. Jedes Spiel, spätestens aber das Finale am 1. Januar 2018, könnte sein letztes sein.

Danach nimmt sich Taylor eine kurze Auszeit in Australien, seinen geliebten Sport wird er aber nicht aufgeben. "Das Karriereende beschränkt sich nur auf den Rücktritt als aktiver Profi", erklärte Taylor. Und so ist sein Kalender für 2018 schon weitestgehend ausgebucht.

"Der Mann spielt 150 Showmatches im nächsten Jahr", sagte Taylors Dauerrivale Raymond van Barneveld dem SID und fügte demütig hinzu: "Das ist unglaublich. Daran sieht man, wie gefragt er selbst nach seinem Karriereende ist." Doch zuvor hat Taylor noch eine letzte Mission: Seiner ohnehin schon gekrönten Karriere mit dem 17. WM-Titel ein letztes Schleifchen umbinden.

(sid)
 
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