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Keine WM-Medaille
Die Zeit arbeitet gegen "alten" Hambüchen

Die Zeit arbeitet gegen "alten" Fabian Hambüchen
Fabian Hambüchen ist bei der zweiten WM in Folge ohne Medaille geblieben. FOTO: dpa, sam
Glasgow. Die Zeit arbeitet gegen ihn, und die jüngere Konkurrenz wird immer stärker: Neun Monate vor den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro ist Fabian Hambüchen selbst am Reck keine Medaillenbank mehr.

Als der Eurowings-Flug 1365 am Mittag von Glasgow in Richtung Düsseldorf abhob, hatten Fabian Hambüchen und Trainervater Wolfgang viel zu besprechen. Die misslungene direkte Olympia-Qualifikation mit der deutschen Riege, die krankheitsbedingte Absage für das WM-Mehrkampffinale und nun auch noch Rang sieben in der Entscheidung am Reck - für Deutschlands Ausnahmeturner lief es bei den Weltmeisterschaften in der schottischen Metropole einfach nicht.

Zwei Welttitelkämpfe nacheinander ohne Medaille, das gab es für den Wetzlarer zuletzt vor zehn Jahren. "Natürlich habe ich meine Problempäckchen und muss vieles mit Routine wettmachen", sagte der ehemalige Reck-Weltmeister im futuristischen SSE Hydro. Zwölf Jahre in der absoluten Weltspitze haben körperliche Spuren hinterlassen. Die Finger schmerzen, die Schulter macht Probleme.

Dass er im Mehrkampf den Anschluss verloren hat, hatte der mittlerweile 28-Jährige bereits in Glasgow eingeräumt: "Da gibt es jetzt eine neue Generation, die in einer absoluten Hochphase ist. Mit meinem Alter ist jetzt der Punkt gekommen, wo da nicht mehr viel geht."

Dass aber auch an "seinem" Reck nicht viel ging, traf Hambüchen schwer. Er schob die matte Vorstellung am Königsgerät nicht auf seine Erkältung, was ihn ehrte. Aber: Die Zeiten, in denen er trotz solcher Beeinträchtigungen um die Reckstange herum zum Sieg wirbelte, sie scheinen vorbei zu sein.

Mental ist der Hesse nach wie vor stark, und doch trägt er immer schwerer an der Verantwortung für die Gesamtleistung der deutschen Riege, die DTB-Sportdirektor Wolfgang Willam bei der WM als "mittleren Betriebsunfall" einstufte. Auch bei den Pre Olympics im April 2016 in Rio de Janeiro wird es Hambüchen sein (müssen), der die "Big Points" für Olympia in Brasilien sammelt.

Als junger Himmelsstürmer hat der Olympia-Zweite am Reck die Rolle des unersetzlichen Frontmanns durchaus geschätzt, mittlerweile sucht er nach stärkerer interner Unterstützung - und findet sie nicht mehr. Marcel Nguyen, Olympia-Zweiter im Mehrkampf 2012 in London, ist weit von seiner alten Verfassung entfernt. Philipp Boy, Ex-Europameister und zweimal Vize-Weltmeister im Mehrkampf, konnte nach 2012 nie adäquat ersetzt werden.

"Ich hätte gern, dass jemand stärker ist als ich" - ein Satz, der Hambüchen früher niemals über die Lippen gekommen wäre. Er verdeutlicht indes, dass er ernsthaft über ein Karriereende nach Olymia 2016 nachdenkt. Sagen möchte Hambüchen dazu nichts: "Man weiß ja, was 2012 daraus geworden ist." Es war bekanntlich der Rücktritt vom Rücktritt.

(sid)
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