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Rugby auf dem Vormarsch
Ei, was ist denn mit den Deutschen los!

Rugby auf dem Vormarsch: Ei, was ist denn mit den Deutschen los!
FOTO: afp, CC
Düsseldorf. In der olympischen Rugby-Variante gehört die Nationalmannschaft zur europäischen Spitze. Davon hat der Verband vor nicht allzu langer Zeit noch nicht einmal zu träumen gewagt. Von Eckhard Czekalla

Vor gut vier Jahren stand der Deutsche Rugby-Verband (DRV) vor dem finanziellen Kollaps. Im vergangenen Oktober aber schrieb der neuseeländische Internetdienst "stuff.co.nz": "Seid nicht überrascht, wenn die Deutschen bald in den World Series dabei sind. Und noch wichtiger: Seid nicht überrascht, wenn sie gut sind." Eine Stimme mit Gewicht: Neuseeland stellt den Weltmeister.

Es tut sich was im Rugby-Verband. Möglich macht dies die Turbo-Variante mit sieben statt 15 Akteuren pro Mannschaft, die im August erstmals zum Programm Olympischer Spiele gehört. "Wir gelten als beste Amateurnation der Welt", sagt der ehemalige Nationalspieler Manuel Wilhelm. Er ist beim DRV für das Projekt "Siebener" zuständig. Eine Weltrangliste gibt es nicht. In Europa ist die DRV-Sieben die Nummer fünf. Frankreich, England, Portugal und Spanien sind aber in Reichweite. In dieser Woche kämpfen die Spieler bei den Coral Coasts auf den Fidschi-Inseln gegen die Nationalteams von Australien und Tonga sowie Topmannschaften des ebenfalls zur Weltspitze zählenden Gastgebers. Lernen und auf sich aufmerksam machen ist angesagt.

"An die Olympia-Teilnahme zu denken, wäre vermessen", hatte Volker Himmer, DRV-Geschäftsführer, vor knapp drei Jahren erklärt. Am 18./19. Juni kämpft die Auswahl der Honorartrainer Rainer Kumm (Hannover) und Chad Shepard (Heidelberg) in Monte Carlo um das letzte der zwölf Olympiatickets. 43 europäische Teams hat sie hinter sich gelassen. In Hongkong geht es vom 8. bis 10. April um einen Platz in den World Series, in der die stärksten 16 Nationalteams im Jahr zehn Turniere bestreiten. Zwei Herausforderungen, die schwer zu meistern sein werden. Zwei Ziele, die zu erreichen man unlängst noch für Utopie hielt.

Sich gut bewegen können, Kraft haben, Körperberührungen nicht scheuen, den Ball fangen und dann noch schnell laufen können - Zutaten des perfekten Spieler für die Turbo-Variante im Kampf ums Rugby-Ei. Das Spielfeld ist identisch (maximal 100 x 70 m), die Spielzeit viel kürzer (14 statt 80 Minuten). Die traditionelle WM dauert sechs Wochen, ein Siebener-Turnier mit 16 Teams nur zwei Tage.

Die Aufnahme ins Olympia-Programm öffnete hierzulande neue Möglichkeiten. "Wir haben Zugang zum Spitzensportsystem wie Olympiastützpunkte, Laufbahnberatung, Sportmedizin. Wir erhalten ein, wenn auch bescheidenes Budget", sagt Wilhelm. Mit 200.000 Euro pro Jahr, die für die Siebener-Förderung genutzt wird, kann der Verband planen. In Heidelberg, wo die 20 besten Spieler zusammengezogen sind, entsteht für zehn Millionen Euro ein Leistungszentrum. Auch die Rugby Academy des Eppelheimer Unternehmers Hans-Peter Wild (Capri-Sonne) hilft beim Aufschwung.

Carlos Soteras Merz, Clemens von Grumbkow, Steffen Liebig und Pierre Mathurin gehören beiden Nationalteams an. Doch die Belastungen sind erheblich. Bald wird es keine "Doppel-Spieler" mehr geben. Zum Turnier auf den Fidschis fliegen neben Mathurin, der eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann absolviert, und dem seit wenigen Tagen zur Sportfördergruppe der Bundeswehr gehörenden Sam Rainger nur Studenten und Schüler. "Die Bundeswehrsoldaten trainieren bis zu dreimal am Tag. Zehn bis 16 Einheiten pro Woche sind das normale Pensum für einen 7er-Nationalspieler", sagt Wilhelm.

In Rugby-Nationen wie Neuseeland, Australien, Südafrika, England, Frankreich, Irland, Samoa, Fidschi, Tonga und Argentinien gehören Spieler zu den Stars im Lande. Deutsche Nationalspieler werden durch ihren Sport nicht reich. Im Monat können sie mit bis zu 700 Euro Unterstützung rechnen (Stipendium, Sporthilfe). In Hongkong gibt es schon zu Beginn 5000 Dollar (4600 Euro) im Monat, in Frankreich sind es 7500 (6900). Daniel Carter (Neuseeland), Star der 15er-Szene, kassiert im Jahr rund 1,5 Millionen Dollar (1,38 Millionen Euro).

Der Weg aus der Nische ist für das Rugby ein Stück weit geöffnet. Und davon hat vor drei Jahren kaum jemand zu träumen gewagt.

Quelle: RP
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