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Europaspiele in Baku
Aserbaidschan wehrt sich: "Keine Gefangenen, keine Korruption"

Europaspiele: Aserbaidschan wehrt sich gegen Kritik
Aserbaidschans Sportminister Asad Rahimow. FOTO: dpa, bt
Baku. Einen Tag vor der Eröffnung der ersten Europaspiele in Baku (12. bis 28. Juni) hat sich Gastgeber Aserbaidschan auf einer Pressekonferenz gegen die laute Kritik vor allem aus dem Ausland im Bezug auf politische Gefangene, Zensur und Korruption massiv gewehrt.

"Es gibt keine politischen Gefangenen in Aserbaidschan, sondern lediglich Menschen, die Verbrechen begangen haben", sagte der stellvertretende Premierminister Ali Hasanow. Aserbaidschan sei "ein Rechtsstaat, der dem Gesetz folgt. Jeder Bürger kann sich an den Europäischen Gerichtshof wenden", führte die rechte Hand des umstrittenen Staatspräsidenten Ilham Alijew weiter aus.

Zudem wies er eine Mitteilung der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zurück, die am Dienstag berichtet hatte, aufgrund massiven Drucks durch die aserbaidschanische Regierung nicht nach Baku zu reisen, um einen Report über die Menschenrechtslage im Land vorzustellen. "Ich habe mit dem Organisationskomitee gesprochen: Amnesty International hat sich nicht akkreditiert. Niemand von dieser Organisation hat sich akkreditiert, auch nicht um ein Visum bemüht", sagte Hasanow.

Sportminister Asad Rahimow wies bei derselben Veranstaltung Korruptionsgerüchte rund um die Europaspiele zurück: "Gerade die westlichen Medien schreiben von Korruption – aber ohne Beweis. Wir können jeden Betrag offenlegen." Darüber hinaus kritisierte der 50-Jährige, dass "westliche Nicht-Regierungsorganisationen" in erster Linie für das negative Image des autoritär geführten Staates in Menschenrechtsfragen verantwortlich seien.

Aserbaidschan gilt als autoritär geführter Staat, dessen Führung Kritiker rigoros wegsperrt. Laut führenden Menschenrechtsorganisationen sind derzeit mindestens 80 Menschen in Aserbaidschan aus politischen Gründen in Haft.

Journalist wurde die Einreise verweigert

Nach mehreren Menschenrechtlern ist auch einem Journalisten des englischen "Guardian" die Einreise zu den Europaspielen verweigert worden. Wenige Stunden vor der geplanten Abreise des Chef-Sportkorrespondenten Owen Gibson sei am Donnerstag mitgeteilt worden, dass dessen Akkreditierungsantrag abgelehnt worden sei, berichtete die Zeitung. Die Akkreditierung gilt bei den Europaspielen für ausländische Besucher auch als Visum.

Die Ablehnung scheine mit einer Reise Gibsons nach Aserbaidschan im vergangenen Dezember und dortiger Kontaktaufnahme mit Regimekritikern zu tun zu haben, schrieb der "Guardian". Rahimow erklärte bei einer Pressekonferenz: "Er hat aus verschiedenen Gründen keine Akkreditierung bekommen."

(sid)
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