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Familienlauf in Korschenbroich
Ganz entspannt ins Ziel

Familienlauf in Korschenbroich: Ganz entspannt ins Ziel
Anders als in Linz ging es beim Familienlauf in Korschenbroich gesittet zu. FOTO: Woitschützke.
Korschenbroich. Jonathan hat der Ehrgeiz verlassen. Gemächlich überquert der Dreijährige an der Hand seiner Mutter Ramona Leurs die Ziellinie – im Spaziergang-Tempo. Die beiden sind die Letzten im 1423 Teilnehmer starken Feld beim Familienlauf für Kinder im Alter von 0 bis sechs Jahren mit erwachsener Begleitung, der stets den Auftakt bildet zum großen Korschenbroicher City-Lauf mit mehr als 4000 Teilnehmern insgesamt.  Von Stefan Schneider

"Kein Problem", sagt Ramona Leurs mit Blick auf ihren Sohn gelassen. Der Gedanke, den Dreikäsehoch über die Ziellinie zu zerren, wie dies kürzlich überehrgeizige Eltern bei einem "Spaßlauf" im oberösterreichischen Linz exerzierten, liegt ihr fern. "Wir hatten vorher nur verabredet, dass ich ihn nicht trage. Er wäre wohl auch länger gelaufen, aber das Begleitmotorrad der Polizei hat ihn abgelenkt. Als er das gesehen hat, wollte er nur noch Motorrad fahren", erzählt Ramona Leurs.

Die Vorkommnisse in Österreich hatten für Diskussionsstoff und viel Kritik gesorgt. Hans-Peter Walther hält derartige Ausfälle in der beschaulichen 33.000-Einwohnerstadt Korschenbroich für undenkbar. "Wenn hier welche Andere über die Ziellinie zerren, dann höchstens die Kinder ihre Eltern", sagt der City-Lauf-Organisator, der auf jahrzehntelange Erfahrungen als Ausrichter verweisen kann. Sein Sicherheitsbeauftragter Burkhard Reiners kann sich nur an eine ungewöhnliche Art der Kinder-Ermunterung aus dem Vorjahr erinnern. Da hatte ein Vater eine Tafel Schokolade ans Ende einer Angel gebunden; die Schokolade hielt er seinem Nachwuchs während der gesamten 1100 Meter Laufstrecke vor die Nase. Das wirkte, das Kind schaffte es ganz leichtfüßig ins Ziel. "So etwas nennt man wohl positive Motivation", urteilt Reiners lachend.

Auch gestern gab es fast nur fröhliche Gesichter beim Familienlauf in Korschenbroich. Alle Eltern verhielten sich wohltuend zurückhaltend, Tränchen flossen höchstens, wenn das traditionell an jedes teilnehmende Kind verteilte Kuscheltier nicht schnell genug in den empfangsbereiten Händen landete. "Was in Linz passiert ist, geht überhaupt nicht", urteilten Sabine und Jürgen Klapdor, die mit Niklas (5) und Antonia (1) im Kinderwagen an den Start gehen. "Das Ganze soll den Kindern doch Spaß machen und kein Zwang sein." Michaela und Thorsten Faßbender (mit Hanna/4 und Laura/6) sowie Stephanie Hohmann (mit Lasse/5) sehen das genauso. "Mir reicht es, wenn wir ins Ziel kommen", sagt Stephanie Hohmann. Ihr Sohn Max sei wie fast alle Kinder im Kindergarten auf den Lauf eingestimmt worden, erzählt Melanie Meihack. "Wer nicht mitlaufen wollte, musste auch nicht."

Quelle: RP
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