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Grand Prix in Düsseldorf
Feiertage für den Judosport

Grand Prix in Düsseldorf: Feiertag für den Judosport
Lenin Preciado aus Ecuador kämpft gegen Bekir Ozlu aus der Türkei. FOTO: David Young
Düsseldorf. Ausverkauftes Haus beim Grand Prix in Düsseldorf! Der Deutsche Judo-Bund braucht solche Veranstaltungen und Vorbilder wie Dimitri Peters, um den Mitgliederschwund zu stoppen. Von Martin Beils

"Unglaublich" fand Ole Bischof, was er am Samstagnachmittag in Düsseldorf erlebte. "Ausverkauft" stand an den Türen der Mitsubishi Electric Halle. Mehr als 8000 Zuschauer hatten sich an drei Tagen zum Grand Prix der Judosportler eingefunden. Bischof - 2008 Olympiasieger in Peking und vor vier Jahren in London Gewinner der Silbermedaille - war ob des großen Interesses begeistert. Leid taten ihm diejenigen, die Weltklassesport erleben wollten, sich nicht rechtzeitig um eine Eintrittskarten bemüht hatten und nun draußen bleiben mussten. "Der Grand Prix setzt im Olympiajahr nochmals neue Maßstäbe", stellte Sportdezernent Burkhard Hintzsche fest.

Neben den Europameisterschaften im russischen Kasan (21. bis 24. April) und dem Masters in Guadalajara/Mexiko (27. bis 29. Mai) war der Grand Prix in Düsseldorf der wichtigste Härtetest vor den Olympischen Spielen.

Der gebürtige Reutlinger Bischof (36) sah die Begeisterung nicht nur in seiner Eigenschaft als früherer Judoka ("2012 habe ich selbst noch da unten auf der Matte gestanden") mit Genugtuung, sondern auch als Vizepräsident Leistungssport des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB). In 13 der 14 Wettkampfklassen (je sieben Gewichtsklassen bei Männern und Frauen) starten deutsche Judokämpfer im August bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro.

Je zwei Silber- und zwei Bronzemedaillen haben die deutschen Judoka 2012 in London geholt. An dieser Vorgabe und an der Zielvereinbarung mit DOSB und Bundesinnenministerium, die drei bis vier Medaillen vorsieht, müssen sie sich in knapp einem halben Jahr messen lassen. Schwer, aber nicht unerreichbar sei das, meint Bischof, der Volkswirt, der bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers in Düsseldorf beschäftigt ist.

In Rio de Janeiro erwartet Bischof insbesondere von der Gastgebernation eine Menge. "Brasilien ist eine große Judonation", sagt er. Das liege an den engen Beziehungen zu Japan, dem Mutterland dieses Sports. Sao Paulo beherbergt die größte Kolonie von im Ausland lebenden Japanern.

Der Olympia-Dritte Dimitri Peters hat seinem Team den erhofften Heimsieg beschert. Der 31-Jährige aus Hannover gewann souverän in der Klasse bis 100 kg und präsentierte sich knapp sechs Monate vor den Sommerspielen in herausragender Form. Peters gewann sämtliche Kämpfe vorzeitig und ließ auch im Finale dem früheren WM-Zweiten Juan Armenteros aus Kuba keine Chance. Dem Deutschen Judo-Bund (DJB) droht damit im Hinblick auf Olympia ein absoluter Härtefall: Vizeweltmeister Karl-Richard Frey (Leverkusen), der in Düsseldorf erkrankt fehlte, und Peters liegen auf Platz fünf und sechs der Weltrangliste nahezu gleichauf, nur einer darf nach Rio fahren.

Das deutsche Judo braucht Vorbilder. So wie Bischof eins war und wie Dimitri Peters eins ist. Der Deutsche Judo-Bund hat rund 154.000 Mitglieder. In den Hoch-Zeiten vor rund 20 Jahren waren es aber noch 220.000. Damals kämpften 103.000 Jungen unter 14 Jahren in den Vereinen, heute sind es nur noch 63.000.

Quelle: RP
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