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Springreiten
Mit Halla wurde Winkler zur Legende

Bilder: Hans Günter Winkler - größte Reitlegende aller Zeiten
Bilder: Hans Günter Winkler - größte Reitlegende aller Zeiten FOTO: dpa
Düsseldorf. Der Ritt bei den Olympischen Spielen 1956 machte Hans Günter Winkler und seine Stute populär. Am Sonntag wird er 90 Jahre alt. Von Eckhard Czekalla

Die 40.000 Zuschauer applaudierten dem Mann, der auf dem Rasen des Springstadions in der Aachener Soers unterwegs war. Ein vertrautes Bild - und dennoch ein anderer Anlass. Hans Günter Winkler saß nicht im Sattel eines Pferdes, versuchte nicht, fehlerfrei über die Hindernisse zu kommen, kämpfte nicht um Siege und Trophäen. HGW, so sein populäres Kürzel, saß in einer Kutsche, genoss auf seiner Ehrenrunde die Sympathie des Publikums in Aachen, jener Stadt, die ihn "adoptierte", wo er immer gerne startete und wo er 1986 bei der WM seine aktive Laufbahn beendete.

Am Sonntag, gut eine Woche nach dem Auftritt in Aachen, wird Winkler 90 Jahre alt. In seiner Heimatstadt Warendorf, wo er in einem Haus Wohnrecht auf Lebenszeit hat, findet für den erfolgreichsten und einen der populärsten Springreiter eine große Feier statt. Winkler wird dann im Mittelpunkt stehen, wie er es immer gerne tat.

CHIO ehrt Springreiterlegende Winkler FOTO: dpa, frg vfd

Kürzlich in Aachen gefragt, womit er sich seine Popularität auch 30 Jahre nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn erklärt, antwortete der in Wuppertal-Barmen geborene, gelernte Bankkaufmann: "Weil ich immer nett war." Richtig ist auf jeden Fall, dass er stets wusste, was er wollte, und dass er konsequent die Realisierung seiner Ziele anstrebte. "Ich wollte der beste Springreiter der Welt werden", sagte er früh.

Pferde respektierte er. Vielleicht ein Grund, warum ihn nie eines trat. Mit vielen seiner Reiterkollegen war er per "Sie". Winkler bezeichnet sich als Einzelkämpfer, als Einzelgänger. Ob es seine Erfolgsgeschichte auch gegeben hätte, wenn er nicht jenen Auftrag am 13. Juli 1950 in Warendorf bekömmen hätte, ist Spekulation. HGW, erst wenige Monate in Warendorf am Sitz des Deutschen Olympiadekomitees für Reiterei angestellt, sollte eine Stute für eine Vielseitigkeitsprüfung vorbereiten.

Doch auf Halla ist im Dreikampf mit Dressur, Geländeritt und Springen kein Verlass. Ihr Besitzer Gustav Vierling soll sie wieder abholen. Der Darmstädter trifft Winkler und bittet ihn, sich der Stute anzunehmen. "Ich übernahm alle Kosten, behielt aber die Gewinngelder", erzählte Winkler. Zu den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki durfte er nicht. Nach dem Krieg hatte HGW als Reitlehrer im Stall des Schlosses Friedrichshof in Kronberg gearbeitet. Er unterrichtete die dort einquartierten US-amerikanischen Offiziere. Einer von ihnen war Dwight D. Eisenhower, der später Präsident der USA wurde. Winkler galt als Profi, erhielt erst nach den Spielen 1952 den Amateurstatus zurück.

Die deutschen Fahnenträger bei Sommerspielen FOTO: dpa, Christian Charisius

Halla ist sensibel und hat ihren eigenen Kopf

Halla und Winkler müssen viel an sich arbeiten, ehe die Erfolgsgeschichte beginnt. Die Stute ist sensibel und eigensinnig. 1954 in Madrid und 1955 in Aachen werden die beiden Weltmeister. Ein Jahr später dann der Tag, der Reiter und Pferd zur Legende macht. Am 17. Juni werden in Stockholm die olympischen Medaillen vergeben. Halla und Winkler fliegen über die Hindernisse. Am 13. Sprung zieht sich der Pferdekörper ruckartig zusammen. Winkler erleidet einen Muskelriss in der Leiste, das 14. und letzte Hindernis wird gerissen.

Winkler schluckt Tabletten, bekommt Zäpfchen und Spritzen. Richtig reiten kann er aber nicht. Fast hilflos hängt er im zweiten Umlauf auf dem Pferderücken. Aber Halla trägt ihn über den Parcours zu zwei Goldmedaillen - im Einzel und in der Mannschaft mit Fritz Thiedemann und Alfons Lütke-Westhues.

Winkler, der viermal verheiratet war, gewann in 38 Jahren rund 600 schwere Springen, ritt von 1951 bis 1981 in 105 Nationenpreisen. Er kehrte mit sieben Medaillen (fünf goldene, je eine silberne und bronzene) von sechs Olympischen Spielen zurück. Erst vor drei Jahren hörte er als Turniervermarkter auf. Mit seiner "Hans Günther Winkler-Stiftung" fördert er den deutschen Springreiter-Nachwuchs.

Halla, ohne die HGW wohl nie so populär geworden wäre, wird 34 Jahre alt. Sie stirbt am 19. Mai 1978 an Altersschwäche bei ihrem Züchter Gustav Vierling.

Quelle: RP
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