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Headis - Tischtennis mit dem Kopf
Wenn "Headi Potter" und "Rolli der Schlächter" um Titel kämpfen

So funktioniert die Trendsportart Headis
So funktioniert die Trendsportart Headis FOTO: Screenshot Youtube
Konstanz. Mit spektakulären Kampfnamen treten die Athleten beim Headis an die Tischtennisplatte. Gesucht wird ein Sieger mit Köpfchen. Bei der EM in Konstanz sind die deutschen Spieler in der Favoritenstellung.

Als Heimat einiger Fußball-Größen ist Kaiserslautern bereits bekannt. Doch neben den 1954er Weltmeistern Fritz und Ottmar Walter haben auch "Headi Potter" und "Rolli der Schlächter" ihre sportlichen Wurzeln in der pfälzischen Stadt. In der hippen wie trendigen Sportart Headis stehen die beiden deutschen Mitfavoriten René Wegner und Oliver Müller unter diesen Kampfnamen im Wettkampfbogen. Bei der ersten Europameisterschaft am Freitag und Samstag in der Universität von Konstanz wollen sie möglichst weit kommen und ihre Sportart bei noch mehr Jugendlichen populär machen.

Wegner hat das Ganze "erfunden", 2006 in einem Schwimmbad in Kaiserslautern. "Dort wollten wir Fußball spielen. Der Platz war belegt. Also sind wir auf die Tischtennisplatten ausgewichen. Und dort hatte ich die Idee, nur mit dem Kopf zu spielen", sagt Wegner, der den Grundsatz des Spiels damit schon hinreichend erklärt. In den neun Jahren hat Headis eine rasante Entwicklung hinter sich. Es gibt eine Weltrangliste und eine Weltmeisterschaft. Sogar in Stefan Raabs Fernsehshow "Schlag den Raab" hat es Headis bereits geschafft.

Nun werden in Konstanz erstmals Europameister gesucht. "Ich bin voller Vorfreude auf die EM. Sie bedeutet definitiv den nächsten Schritt in der Entwicklung der noch sehr jungen Sportart", schwärmte Erfinder Wegner im Vorfeld. Headis wird von deutschen Spielern dominiert. 18 der ersten 20 im weltweiten Ranking stammen aus der Bundesrepublik. Der Beste von ihnen ist Cornelius Döll, der zuletzt 96 von 97 Spielen gewann. Auf die Titelkämpfe verzichtet Döll mit dem Spielernamen "Headsinfarkt" aber aus persönlichen Gründen.

Gespielt wird mit einem speziellen Ball. Die Regeln ähneln denen beim Tischtennis. Beim Headis darf der Ball mit dem Kopf aber volley angenommen werden. Zudem ist es den Spielern erlaubt, mit allen  Körperteilen die Platte zu berühren. Im Spiel gilt "Fair geht vor", bei strittigen Situationen wird der Ballwechsel wiederholt.

EM mit vier Nationen

Bei der EM treten vier Nationen mit je zwei Spielern an. Während Belgien, Tschechien und die Schweiz ihre Qualifikationen bereits ausgespielt haben, haben die Deutschen ihre Ausscheidung für Freitag angesetzt. Die Qualifikation ist offen, Kurzentschlossene und Neugierige können spontan daran teilnehmen.

Als Top-Siegkandidat gilt in Abwesenheit des Weltranglistenersten Alexander Bohn alias "Lauchgesicht". Der Spielername sei entstanden, weil Bohn einen "originellen Spitznamen" gebraucht habe. Wenn der 22-Jährige nicht gerade unter seinem extravaganten Spitznamen Headis spielt, arbeitet er im Kindergarten und zusätzlich im Büro. Für ihn zeichnet die Geselligkeit den Sport aus. "Headis lebt vom Spaß und dem großen Fun-Charakter auf den Turnieren", erklärt Bohn. Zudem stünden "die familiäre Atmosphäre und das Fairplay" im Mittelpunkt.

Wie familiär die Sportart ist, zeigt auch der Weltranglistendritte Marcus Reeg. Er nimmt nicht nur an der Platte als Aktiver teil, sondern betreut gemeinsam mit Erfinder Wegner nebenbei die Pressearbeit des Sports. Während Reeg sich bis zum Turnierstart also noch um Vorbereitungen für die Medien kümmert, tritt er ab Freitag als "Sniper Schorsch" an und jagt nach dem ersten Europameistertitel.

Für Wegner steht gar nicht so sehr immer die Leistung im Vordergrund, "sondern auch viele soziale Komponenten, da es um das gemeinsame  Sportausüben geht". Stolz macht ihn, dass es der im Freibad erfundene Sport bereits über die europäischen Grenzen geschafft hat. Etwa nach Brasilien, Argentinien und sogar in die Dominikanische Republik.

(dpa)
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