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Taekwondo-Kämpferin Fromm
Olympiastar von London hakt Rio ab

Olympia 2012: Fromm erkämpft sich Bronze
Olympia 2012: Fromm erkämpft sich Bronze FOTO: dpa, Ian Langsdon
Gummersbach. Bronzemedaillengewinnerin Helena Fromm war bei den Deutschen Meisterschaften im Taekwondo nur Gast. Von Martin Beils

An der Decke der Schwalbe-Arena hängen die Fahnen der Bundesländer. Die 44 Kampfrichter der Deutschen Meisterschaften im Taekwondo stehen in Reih und Glied: Alle tragen dunkelblaue Sakkos, graue Hosen, Krawatten und weiße Turnschuhe. Dutzende von Pokalen stehen auf einem Tisch.

Ein bisschen feierlich soll es bei der Eröffnung der Titelkämpfe in Gummersbach doch sein. Doch die 400 Sportler sind ungeduldig, sie wollen kämpfen. Als der Bürgermeister in seinem Grußwort sagt "Es gibt nichts Schlimmeres für Sportler als Unterbrechungen der Wettkämpfe durch Reden", bekommt er Applaus. Der Landrat darf noch die Naturschönheiten des Oberbergischen preisen und seiner berechtigten Hoffnung Ausdruck verleihen, dass es beim Taekwondo weniger Verletzungen gibt als beim Handball, der sonst in dieser Halle zu Hause ist.

Dann wird gekämpft. Auf sieben blau-roten Matten. Schnelle Trippelschritte, eindrucksvolle Akrobatik. Taekwondo ist ein koreanischer Kampfsport. Die drei Silben des Namens stehen für Fußtechnik (Tae), Handtechnik (Kwon) und Weg (Do). Obwohl Taekwondo Ähnlichkeiten mit anderen asiatischen Kampfsportarten aufweist, unterscheidet es sich in einigen wesentlichen Punkten von diesen. Die Technik ist sehr auf Schnelligkeit und Dynamik ausgelegt. Im Taekwondo dominieren Fußtechniken. Seit Sydney 2000 gehört die Sportart zum olympischen Programm. Faisal Ebtounalib holte Silber für Deutschland.

Vor vier Jahren hat die Deutsche Triathlon-Union hat einen Star hervorgebracht, für den sich nicht nur die Experten interessierten. Helena Fromm aus Arnsberg-Oeventrop im Sauerland holte als erste Kämpferin ihres Verbandes 2012 in London eine olympische Medaille. Die Medien interessierten sich für die Blondine. Im Cabrio wurde die Frau mit den langen blonden Haaren durch ihren Heimatort gefahren, 2000 Menschen begrüßten sie und ihre Bronzemedaille. Fromm veröffentlichte ein Buch ("Ready to fight"), ein Mützenhersteller widmete ihr eine gehäkelte Mütze in Pink und Gelb.

All das wird es in einem halben Jahr nicht geben, wenn die Spiele in Rio de Janeiro Geschichte sind. Helena Fromm (28) hat die kommenden Olympischen Spiele abgehakt. Eine Meniskusverletzung am linken Knie macht ihr immer noch zu schaffen. In Gummersbach ist sie deshalb nur als Zuschauerin zur Stippvisite herübergekommen. Sie ist in der Rehaphase. Es gäbe zwar noch die theoretische Möglichkeit, dass ihr die DTU den von der Nürnbergerin Rabia Gülenc eroberten Startplatz in der Klasse bis 67 Kilogramm überlässt, aber das will Fromm nicht. Von einer ähnlichen Rochade hatte sie bei den Spielen 2008 in Peking profitiert, war jedoch dann nur enttäuschend Neunte geworden. "Rio de Janeiro kommt für mich nicht in Frage", sagt sie.

Wie es weitergeht, kann sie noch nicht sagen. Sie hat ihren Bachelor für Internationales Management in der Tasche, derzeit ist sie als Sportsoldatin in Sonthofen stationiert. Außerdem muss sie Sohn Jonas (2) versorgen. Über eine Karriere als Trainerin denkt sie nach: "Ich würde schon gern meine Erfahrungen weitergeben." Seit anderthalb Jahrzehnten kämpft sie auf internationalem Niveau.

Drei Startplätze hat die DTU für Rio sicher. Neben Rabia Gülenc haben ihr Bruder Tahir, der 2013 überraschend Weltmeister und im vergangenen Jahr WM-Dritter geworden ist, und Levent Tuncat die Qualifikation erlangt. Der Sport wird in Deutschland stark von Zuwandererfamilien geprägt.

"Wir hoffen auf eine Medaille", sagt Sportdirektor Holger Wunderlich. Er verzieht dabei etwas das Gesicht, denn er weiß, wie schwer das wird. Iran, das Taekwondo-Mutterland Korea, die Türkei, Russland, Spanien und Frankreich sind die führenden Nationen. Um auf geeignete Sparringspartner zu treffen, reisen die Olympiastarter noch zu Trainingslagern in die Türkei und nach Südkorea.

Quelle: RP
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