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Deutsche Hockey-Damen
Bei den Ecken läuft es noch nicht rund

Fotos: WM 2014: Hockey-Damen verlieren Spiel um Platz sieben
Fotos: WM 2014: Hockey-Damen verlieren Spiel um Platz sieben FOTO: dpa, zip lb
Köln. "Neu" steht auf der Tafel am Klubhaus von Schwarz-Weiß Köln. Für 4,50 Euro wird Eiskaffee mit Vanilleeis angeboten. Glühwein wäre gestern Vormittag wohl besser gewesen. 5 Grad, leichter Nieselregen – um 11 Uhr ist es einfach nur usselig. Von Eckhard Czekalla

Nach Spielschluss setzt sogar heftiger Regen ein. Nachvollziehbar, dass einige Spielerinnen auch während der Partie ihre Beine unter Strumpfhosen verstecken und auf der Auswechselbank warme Jacken bevorzugen. Vor allem die Argentinierinnen sind solche Wetterbedingungen nicht gewohnt.

Es ist die dritte Begegnung des Weltranglisten-Zweiten aus Südamerika mit dem Weltranglisten-Achten. Am Montag und Dienstag war Anpfiff am frühen Abend. Diesmal ist es auch, mit Rücksicht auf die Vereine, so viel früher. Am Samstag und Sonntag warten schon wieder zwei Bundesliga-Einsätze. Ein strammes Programm, da ist jede Stunde daheim wertvoll.

Gestern heißt es am Ende 1:1 - wie im Auftaktduell. Partie zwei ging mit 3:2 an die Argentinierinnen. Jamilon Mülders ist zufrieden. Seit 2012 arbeitet er mit der Frauen-Mannschaft. 2015 verlängerte er seinen Trainervertrag vorzeitig bis zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio. "Wir haben eine sehr intelligente und eigenständige Mannschaft mit wirklich guten Persönlichkeiten", sagt Mülders.

In Meerbusch aufgewachsen, als Jugendlicher bei GWR Büderich mit Hockey "infiziert" und in Krefeld beim CHTC zum Weltmeister (2002) gereift, lebt er Hockey. "Bei uns ist viel Qualität entstanden", sagt Mülders, "die Tendenz geht in die richtige Richtung." Er nennt aber auch den Schwachpunkt, den er auch in seinen vier Jahren noch nicht beseitigen konnte: "Wir können hier alle drei Partien über die Ecken gewinnen, schaffen das aber nicht." Daran muss und wird Mülders noch arbeiten. Auch wenn gestern der Ausgleich nach einer Ecke gelingt. Herausgeholt hatte diese die Düsseldorferin Lisa-Marie Schütze, Julia Müller vollstreckte.

Im Vergleich mit anderen Teams hat Mülders es mit Amateuren zu tun, die sich aber bei zwei- bis dreimal täglich Training wie Profis vorbereiten, finanziell durch die Sporthilfe und ihre Klubs oder Förderer ein wenig unterstützt werden, nebenbei die Schule und ihr Studium absolvieren oder im Beruf etwa als Ärztin oder Ernährungsberaterin arbeiten.

Die Bedingungen in Neuseeland, Südkorea, China, den Niederlanden, Argentinien, den USA, Australien und Großbritannien sehen anders aus. Dort werden die Spielerinnen gut bezahlt, teilweise sogar staatlich gefördert (Großbritannien, Korea), trainieren fast jeden Tag zusammen oder mindestens, wie in den Niederlanden, dreimal die Woche. Frauenhockey genießt andersow einen viel höheren Stellenwert. So wurde die nicht mehr aktive Luciana Aymar zu Argentiniens Sportler des Jahres 2011 gewählt - vor Fußballprofi Lionel Messi!

Mülders blickt nicht neidisch über die Grenzen. Er will mit intelligentem Training den Anschluss an die Weltspitze schaffen. Während der Hockey-Bund mit dem Deutschen Olympischen Sportbund und dem Bundesinnenministerium das Halbfinale bei den Spielen in Rio als Ziel festgelegt hat, spricht Mülders mit Blick auf das Viertelfinale von "möglich", nicht von einem "Muss. Es hängt von so vielen Sachen ab. Wenn wir als Weltranglisten-Achter zwischen Platz fünf und acht landen, dann haben wir, auch wenn das hier nicht so gesehen wird, Respekt verdient, weil wir zum Hauptevent unsere Leistung gebracht haben". Aber spätestens 2018 bei der WM will er mit seinem Team um Medaillen kämpfen. Ungeachtet der ungleichen Voraussetzungen.

Quelle: RP
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