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Historisches Debakel bei der Hockey-EM
Bundestrainer: "Raus aus diesem Friede, Freude, Eierkuchen"

Deutschland kassiert historische Pleite im Finale
Deutschland kassiert historische Pleite im Finale FOTO: dpa, hm hm
Das historische Debakel im EM-Finale gegen den Erzrivalen Niederlande hat den Deutschen Hockey-Bund kalt erwischt. Ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Rio zieht Markus Weise die Zügel deutlich an.

Am Tag nach dem historischen Debakel schlug Markus Weise Alarm. "Ich würde uns nach dem momentanen Leistungsstand nicht als klaren Kandidaten für Gold in Rio sehen", sagte der Hockey-Bundestrainer nach der 1:6 (0:5)-Pleite des Olympiasiegers im EM-Finale gegen die Niederlande. Weise, am Tag nach der Pleite noch imemr angefressen, kündigte seinen Spielern härtere Zeiten an: "Wir müssen raus aus diesem Friede, Freude, Eierkuchen."

Der Erfolgstrainer, der schon drei deutsche Teams zu Goldmedaillen bei Olympischen Spielen führte, forderte von seinem noch immer geschockten Team ein "klares Commitment" für die kommenden Monate, für den Weg zurück in den engeren Kreis der Titelfavoriten beim Weltevent in Brasilien: "Der Zug ist noch nicht abgefahren, aber er fährt schnell", ergänzte der 52-Jährige, als er im Bus zum Flughafen von London-Heathrow saß: "Wir müssen zusehen, dass wir schnell genug am Bahnhof sind." Derzeit wähnt er die Niederlande und Weltmeister Australien ein gutes Stück voraus.

0:5-Rückstand zur Pause

Noch kein Endspiel bei einem der seit 1970 ausgetragenen EM-Turniere war zuvor derart klar ausgefallen, zudem triumphierten die Niederländer im siebten Final- Aufeinandertreffen bei Europameisterschaften erstmals über die deutschen Hockey-Männer. Viel mehr als diese Fakten sorgte jedoch die Art und Weise der Pleite für entsetztes Staunen. Schon zur Pause lag Deutschland völlig chancenlos mit 0:5 zurück, nichts war von der Winnermentalität zu spüren, die das Team bei vergangenen Großevents scheinbar nach Belieben aktivieren konnte.

Ob in den Olympia-Finals von 2008 und 2012 oder bei den vergangenen beiden Europameisterschaften, Deutschland war immer da, wenn Titel vergeben wurden. Zuletzt auch beim Sieg der Champions Trophy in Bhubaneswar/Indien im Dezember 2014.

Doch nach Platz sechs bei der WM 2014, dem schlechtesten Abschneiden in der Geschichte des Verbands, steht die EM nun schon für den zweiten Rückschlag auf dem Weg nach Rio. Trotz vier Siegen bis zum Finale überwiegt nach dem Turnier der Frust. "Wir haben dafür im Moment keine Erklärung", sagte Führungsspieler Moritz Fürste. "So eine Klatsche kann man nicht schönreden", meinte Weise: "Im Hinblick auf die kommenden zwölf Monate ist es jedoch vielleicht wertvoller als eine knappe Niederlage."

Es gelte nun, hartnäckig an Athletik und Ballkontrolle zu arbeiten, meinte der Bundestrainer, dessen Team das Olympia-Ticket bereits vor der EM gelöst hatte. Das World-League-Finale Ende November in Indien wird dann zum wichtigen Prüfstein nach der großen Enttäuschung von London. Denn die Goldmedaille in Rio hat Weise noch lange nicht aufgegeben.

(sid)
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