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Tischtennis-Legende
Mozart Waldner hört mit 50 auf

Jan-Ove Waldner beendet mit 50 seine Karriere
Jan-Ove Waldner hat sein letztes Match verloren. FOTO: imago
Düsseldorf. Der Tischtennis-Olympiasieger begann seine Karriere 1980. Am Donnerstag bestritt Jan-Ove Waldner das letzte Profispiel für seinen Heimatklub. Von Patrick Scherer

Das Tischtennis-Hemd spannt, das Doppelkinn ist, wie der Bauch, über einen Ansatz hinaus. Sportlich sieht anders aus. Dann greift Jan-Ove Waldner zum Schläger und gewinnt das Spiel. Gestern zum letzten Mal. Mit 50 Jahren, 35 davon als Tischtennis-Profi, beendet der Schwede seine Karriere. Im Ligaspiel für seinen Heimatklub Spårvägens BTK gegen BTK Rekord gewinnt er zunächst 3:2, sein letztes Match verliert er aber 1:3.

Jan-Ove Waldner hat neben zahlreichen Triumphen etwas noch Wichtigeres vorzuweisen: Seinen Namen kann nahezu jeder Sportinteressierte der richtigen Sportart zuordnen. Das können nicht viele Aktive in Randsportarten von sich behaupten. 1980, gerade einmal 15 Jahre alt, steigt er ins Geschäft an der Platte ein. Im Fußball und Tennis hat er auch Qualitäten, aber Waldner entscheidet sich für den Zelluloidball. Zwei WM-Titel im Einzel, vier mit dem Team, elf EM-Titel (dabei das Triple 1996 im Einzel, Doppel und mit dem Team), eine olympische Goldmedaille (1992 in Barcelona) und eine Silbermedaille (2000 in Sydney) sprechen für eine weise Entscheidung.

Der am 3. Oktober 1965 in Stockholm geborene Waldner hat den Tischtennissport geprägt, sich immer wieder neu erfunden. "Tischtennis kann man vielleicht mit Frauen vergleichen: Man lernt beide immer wieder von einer neuen Seite kennen. Das fasziniert mich", sagte Waldner einmal. Seine Spielweise, zwischen schnellem Tempo und Defensivspiel zu wechseln, begeisterte Fans und brachte Gegner zur Verzweiflung. Taktisch war er anderen weit voraus, technisch machte ihm keiner etwas vor - vor allem im Zenit seiner Karriere in den 1990er Jahren. Die Eleganz in seinem Spiel brachte ihm den Spitznamen "Mozart" ein.

"Einer der Größten, wenn nicht der Größte"

Auch in China, wo Tischtennis Volkssport ist, genießt Waldner hohes Ansehen. Die chinesischen Spitzenspieler brachte er mit seinem legendären Unterschnitt ein ums andere Mal zur Verzweiflung. Im Alter von 38 Jahren schaltete er den 16 Jahre jüngeren Favoriten Ma Lin bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen aus und stieß noch einmal ins Halbfinale vor. "Er ist einer der Größten, wenn nicht der Größte", sagt Mikael Appelgren, an dessen Seite Waldner zwei EM-Titel im Doppel gewann.

An der Platte ruhig, besonnen, eiskalt zeichnete Waldner privat ein anderes Bild von sich. Nächtlichen Ausflügen war er nicht abgeneigt, in Wettbüros verzockte er große Teile seiner Preisgelder. Er ging offen damit um. "Ich bin spielsüchtig und bin in Therapie", sagte er der "Stuttgarter Zeitung" während einem seiner Engagements in Deutschland in Plüderhausen (davor in Saarbrücken, danach in Fulda-Maberzell). "Vor allem Pferde- und Fußballwetten" seien sein Laster gewesen.

Nun lässt er die Finger vom Glücksspiel, genügend Geld hat Waldner immer noch. Schwedische Firmen wie Ikea werben gegen Entlohnung mit seinem Namen in China. Dem Land, in dem 2013 am Erscheinungstag eine Briefmarke mit Waldners Konterfei über drei Millionen Mal über die Theke ging.

Quelle: RP
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