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Platz eins nach dem ersten Sprung
Klippenspringerin Bader startet "brillant" in die WM

Porträt: Anna Bader: Lehrerin, Artistin, Extremsportlerin
Porträt: Anna Bader: Lehrerin, Artistin, Extremsportlerin FOTO: Andrea De Maria/Red Bull Photofiles
Budapest. Auch als Mutter einer kleinen Tochter stürzt sich Klippenspringerin Anna Bader weiter aus 20 m in die Tiefe. Bei der WM in Budapest erwischte die 33-Jährige einen Start nach Maß.

Nach dem ersten Sprung ihrer spektakulären Flugshow musste sich Anna Bader erst einmal orientieren. "Bin ich Erste?", fragte die Klippenspringerin nach dem ersten WM-Durchgang an der Donau, "es war ein brillanter Start." Danach suchte die 33-Jährige auf der Tribüne nach ihrer Tochter: "Meine Mutter sitzt da drüben, vielleicht hat sie sie, vielleicht ist sie auch mit ihrer anderen Oma im Hotel und schläft."

Die dritte Weltmeisterschaft ist für die Extremsportlerin eine besondere. Erstmals ist die zehn Monate alte Roksana dabei, erstmals stürzt sich Bader als Mutter aus 20 Metern in die Tiefe. Anderthalb Jahre hat sie mit ihrem gefährlichen Sport ausgesetzt, doch aufgeben wollte sie ihn nicht. "Es ist jetzt alles ein bisschen chaotisch, wir improvisieren viel", erzählte sie, "aber es ist super, als Familie unterwegs zu sein."

Als sie vor mehreren Tausend Zuschauern auf den Tribünen und am Budapester Donauufer aus dem Handstand vom Stahlgerüst am Batthyany-Platz sprang, hielten nicht nur ihre Eltern und beiden Schwestern den Atem an. Auch ihr Lebensgefährte Kris Kolanus schaute gebannt zu. Anschließend griff der Pole selbst ins Geschehen ein, aus 27 Metern Höhe landete er nach den ersten beiden Durchgängen nur auf Platz 18.

Fotos: Klippenspringer stürzen sich in Budapest in die Tiefe FOTO: ap, fhli

"Das Becken sieht schon klein aus von oben"

Anders als bei der WM-Premiere vor vier Jahren im Hafen von Barcelona, als sie Bronze gewann, und 2015 in Kasan in einem Nebenfluss der Wolga stürzten sich die zehn Klippenspringerinnen in Budapest mit Geschwindigkeiten von bis zu 90 km/h in ein rundes Becken auf einer Plattform neben der Donau - 15 Meter breit und sechs Meter tief. "Es sieht schon klein aus von oben", sagte Bader.

Wie groß ihre Chancen auf ihre zweite WM-Medaille im Finale am Samstag (12.15 Uhr) mit den Durchgängen zwei bis vier sind, weiß sie trotz der Führung mit 67,60 Punkten selbst nicht. "Es kommen noch ein leichter und zwei schwierige Sprünge", erklärte sie. Nach ihrer Pause hat sie den Schwierigkeitsgrad zurückgeschraubt, "das funktioniert bisher ganz gut".

Die Höhe fand sie "doch wieder beeindruckend", als sie im Frühjahr auf die Weltcup-Tour zurückkehrte. Auf die "risikoreichsten Stunts" verzichtet sie, "so machen mir die Sprünge selbst keine Angst, aber es bleibt ein Restrisiko". Und sie kann sogar die einmalige Aussicht genießen: 20 Meter über der Donau, das Parlament zur Rechten, den Burgberg zur Linken - "ein tolles Panorama".

Weil die Extremsportler vor derart grandioser Kulisse die spektakulärsten Bilder liefern, hatte der Schwimm-Weltverband FINA die Sportart 2013 ins offizielle WM-Programm aufgenommen. Bader gewann bei der Premiere als Serieneuropameisterin Bronze, 2015 musste sie sich mit Platz sieben zufrieden geben.

In Budapest ist erstmals eine zweite Deutsche am Start, die 22-jährige Iris Schmidbauer. Die Bayerin, die in England studiert und trainiert, zahlte bei ihrem ersten WM-Sprung (48,10) noch Lehrgeld - sie geht als Zehnte und Letzte ins Finale.

(sid)
 
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