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Sportstadt
Krefeld – im Randsport ganz weit vorne

Krefeld – im Randsport ganz weit vorne
Timur Oruz und seine Schwester Selin sind gebürtige Krefelder. Mit den deutschen Hockey-Nationalmannschaften waren sie im Vorjahr bei den Olympischen Spielen dabei. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Die Pinguine im Eishockey sind chronisch klamm, der KFC Uerdingen weit weg vom Glanz früherer Fußball-Tage. Und doch ist Krefeld eine bedeutende Sportstadt - eine Randsportstadt. Mit zig Deutschen Meistern und Olympiastartern. Von Oliver Schaulandt

Würde man den sportlichen Stellenwert einer Stadt anhand von Bundesliga-Mannschaften anführen, stünde Krefeld weit oben im Ranking. Fast 30 Teams sind in ihrer Sportart in der höchsten deutschen Spielklasse zu finden. Außerdem stellte die Stadt gleich 17 Teilnehmer der Olympischen Spiele in Rio, die aus Krefeld stammen oder einem Krefelder Verein angeschlossen sind. Aber: In den beiden populärsten Sportarten, Fußball und Handball, ist kein Team in der nationalen Spitze.

Klubs auf Unterstützung angewiesen

Durch die Masse an hochrangigem Sport ist der Bedarf an Sponsorengeldern groß, so dass sich die Krefelder Unternehmen auf die Vereine verteilen - oder sich bei keinem Verein engagieren. Ein Grund: Die meisten großen Firmen produzieren nicht direkt für den Endverbraucher, sondern unterhalten Geschäftsbeziehungen zu Großkunden. Breit angelegte Werbemaßnahmen sind da wenig effektiv. Wenn sich Unternehmer engagieren, dann meist aus Verbundenheit zu einem Verein. Daher setzen viele Klubs auf die Unterstützung von Mittelständlern - deren Mittel reichen für hochwertigen Randsport, aber es sind eben ganz andere Dimensionen als etwa im Fußball.

Wichtigste Mannschaft ist das Eishockey-Team der Pinguine, das in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) aktiv ist, dort allerdings zuletzt keine führende Rolle gespielt hat, weil jeder Cent zweimal umgedreht werden muss. Im Bereich Jugendeishockey ist Krefeld bundesweit dagegen mit an der Spitze: Alle fünf Nachwuchsmannschaften sind in den höchstmöglichen Ligen vertreten, mit Christian Ehrhoff hat es einst ein Eigengewächs sogar bis in die NHL geschafft.

Im Fußball spielt der KFC Uerdingen in der Regionalliga. Bis 1995 noch in der Bundesliga, ging es mit dem DFB-Pokalsieger des Jahres 1985 seit dem Rückzug der Bayer-AG als Namensgeber und Hauptsponsor konstant bergab - bis in die Verbandsliga. Acht Jahre lang versuchte der griechische Unternehmer Agissilaos "Lakis" Kourkourdialos vergeblich, den Verein ins Profitum zu führen, auch mit der Hilfe von ausgedienten Altstars wie etwa Ailton oder Mo Idrissou. Jetzt führt mit Mikhail Ponomarev ein russischer Unternehmer den Klub, der zuletzt seine Profiabteilung in eine GmbH ausgliederte und nun mit viel Geld des Russen zurück in den Profibereich will - in drei bis fünf Jahren in die Zweite Liga, lautet das Ziel.

Im Handball bündelten mit dem SC Bayer Uerdingen und dem Adler Königshof 2013 zwei Vereine die Kräfte und gründeten die HSG Krefeld. Deren erste Mannschaft spielt in der Dritten Liga West und peilt die Zweite Liga an. Hauptgeldgeber ist ein Unternehmer aus Krefeld, der sich für zwei Vereine aus seinem Wohnort im Stadtteil Fischeln engagiert - neben der HSG auch bei Fußball-Oberligist VfR Fischeln.

Ruder-Hochburg

Krefelds größte sportliche Stärke liegt aber in Sportarten, die vorrangig bei Olympia Beachtung finden. Im Hockey etwa spielen in Linus Butt, Oskar Deecke und Niklas Wellen drei Rio-Bronzemedaillen-Gewinner beim Crefelder HTC in der Bundesliga. Timur Oruz, seine Schwester Selin sowie Anne Schröder sind gebürtige Krefelder und waren in Rio dabei. Das gilt auch für Ringerin Aline Focken oder Ruderin Lisa Schmidla, die im Vierer sogar Olympia-Gold holte. Überhaupt ist Krefeld im Rudern eine Hochburg. Zahlreiche Nachwuchsakteure vom Ruderclub 1881 sitzen in Elite-Nachwuchsbooten. Und in der Ruder-Sprint-Bundesliga haben die Krefelder seit der Gründung der Klasse vor neun Jahren bei den Männern jedes Jahr den Titel geholt.

Im Wasserball sind fünf Teams aus Krefeld in der Ersten oder Zweiten Liga vertreten: bei den Männern die Schwimmvereinigung Krefeld 1972 und der SV Bayer Uerdingen, die in beiden Spielklassen jeweils ein Team haben; Bayer stellt außerdem bei den Frauen den Seriensieger der vergangenen Jahre - zudem ist der Klub mit rund 10.000 Mitgliedern der größte Schwimmverein Deutschlands. Auch in der Tennis-Bundesliga sind die Krefelder fester Bestandteil; da andere Teams aber über deutlich höhere Budgets verfügen, rangiert der HTC Blau-Weiß um seinen Teamchef Olaf Merkel, der früher die deutsche Weltklasse-Spielerin Claudia Kohde-Kilsch betreute, hinter den Top-Teams.

Weitere Mannschaften in den höchsten Ligen sind etwa Seniorengolf (sieben Mannschaften), Rollhockey, Squash oder Billard, auch im Unterwasserrugby zählt Krefeld zu den vier führenden Teams im Land. Und die Dolphins-Cheerleader des SC Bayer Uerdingen sind seit Jahren Dauergast bei den Weltmeisterschaften in ihrer Sportart.

Neben den Mannschaften kommen herausragende Einzelsportler aus Krefeld oder gehören Krefelder Vereinen an. Surfer Vincent Langer ist Weltmeister in der Formula-Kategorie. Die Segler Frank Suchanek, Thomas Schiffer und Horst Lenz zählen zum Teil seit Jahren zur nationalen Spitze wie auch Senioren-Golfer Martin Birkholz. Und: Krefelds Galopprennbahn schreibt seit Jahren zumindest eine schwarze Null - auch das ist inzwischen eine Seltenheit geworden.

Quelle: RP
 
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