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22-Jähriger kämpft um WM-Titel
Magnus Carlsen – der Glamourboy der Schach-Welt

Porträt: Magnus Carlsen: Schach-Wunderkind und norwegischer Popstar
Porträt: Magnus Carlsen: Schach-Wunderkind und norwegischer Popstar FOTO: Facebook
Chennai. Bei der Schach-WM im indischen Chennai kommt es zum Duell der Generationen. Der 43 Jahre alte Titelverteidiger Viswanathan Anand trifft auf den erst 22-Jährigen Norweger Magnus Carlsen – und ist nur Außenseiter.

Der "Mozart des Schachs" gegen den "Tiger von Madras", das Wunderkind gegen den Weltmeister: Wenn am Donnerstag die Schach-WM zwischen dem Norweger Magnus Carlsen und Titelverteidiger Viswanathan Anand aus Indien offiziell eröffnet wird, startet nicht nur das womöglich größte Duell um den Schach-Thron seit den mittlerweile legendären Partien zwischen Bobby Fischer und Boris Spassky 1972 – sondern auch ein Kampf der Generationen.

Denn für die Faszination im Fünf-Sterne-Hotel Hyatt Regency im indischen Chennai wird vor allem der Herausforderer sorgen. Gerade einmal 22 Jahre alt ist Carlsen und doch schon jetzt auf dem besten Wege, zum neuen Superstar der Szene zu werden. In seiner Heimat ist er bereits einer der bekanntesten Prominenten. Ob Teenager-Magazine, Boulevard-Zeitungen oder seriöse Blätter – Geschichten über Schach bringen durch ihn in Norwegen mittlerweile Auflage.

Carlsen hat den Glamourfaktor

Und Carlsen besitzt den Glamourfaktor. Eine Modemarke verpflichtete den Wuschelkopf mit dem markanten Kinn und den vollen Lippen als "Posterboy", das Time Magazin wählte den "Mozart des Schachs" in diesem Jahr unter die 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt, für das Magazin Cosmopolitan gehört er unter die 100 attraktivsten Männer der Welt. Häufig wirkt der durchtrainierte Carlsen aber auf den ersten Blick unnahbar, so als leide er unter chronischer Langeweile: Doch am Schachbrett ist es damit vorbei – dort ist er ein Kämpfer.

"Man sollte in jedem Spiel das Letzte geben, das ist man sich und allen Schachfans schuldig", sagte er im Interview mit dem ZEITmagazin. Dort erzählte er unter anderem auch, dass er als Kind beim Essen abseits der Familie an einem Extratisch saß – um weiter in Ruhe Schach spielen zu können. "Ich wäre nicht dort, wo ich heute bin, wenn ich nicht all diese Stunden investiert hätte", sagt er.

In die Duelle, von denen das erste am Samstag stattfindet, geht er als Favorit. Der jüngste Weltranglistenerste der Geschichte liegt immer noch an der Spitze, Anand rangiert nur auf Platz 8. Carlsen erreichte zwischen Februar und April 2013 mit 2872 Elo-Punkten die höchste Wertungszahl, die jemals ein Schachspieler erreicht hat. Inzwischen liegt er bei 2870.

In den letzten Jahren gewann er mit seinem universellen Spielstil so gut wie jedes Turnier. Während sich andere Großmeister stundenlang in die Feinheiten der Eröffnung vertiefen, misst der Norweger dieser Phase des Spiels weit weniger Bedeutung bei. Er besiegt seine Gegner lieber im Mittel- und Endspiel, gibt auch eigentlich deutliche Remisstellungen nie verloren und spielt fast jede Partie bis zum bitteren Ende. Ein Kämpfer eben.

Vor allem im Endspiel kann er dann auch seine konditionellen Vorteile ausspielen. Seinen meist älteren Kontrahenten ist er in diesem Bereich, den Laien oft unterschätzen, überlegen. Ein Indiz für seine herausragende Fitness ist sein Waschbrettbauch. Auf seiner Facebookseite finden sich Dutzende Fotos von seinen sportlichen Aktivitäten: Carlsen beim Tennis, beim Beachvolleyball, beim Bergsteigen.

Anands Vorteil ist die Erfahrung

Während der Aufstieg Carlsens offenbar unaufhaltsam ist, scheint die Formkurve des Titelverteidigers Anand dagegen nach unten zu zeigen. Die frühe Leichtigkeit geht dem indischen Großmeister mehr und mehr verloren, der "Tiger von Madras" zeigt nur noch selten seine Krallen. Im Gegensatz zu seinem Kontrahenten gewann er in den letzten Jahren so gut wie kein Turnier mehr. Und doch hat der seit 2007 amtierende Titelträger neben dem Heimvorteil noch einen weiteren: seine Erfahrung.

Da Anand selten Partien verliert und über weit mehr Matchpraxis – vor allem bei großen Events – verfügt, könnte er den Verlauf der WM lange offen halten – und so Carlsen nervös machen. Der hatte schon in der entscheidenden Phase des Herausfordererturniers im März in London überraschend geschwächelt. Er siegte am Ende nur aufgrund der mehr gewonnenen Partien.

Das WM-Duell ist auf zwölf Partien ausgelegt. Es gewinnt der Spieler, der zuerst 6,5 Punkte erreicht. Für jeden Sieg gibt es einen Zähler, bei einem Remis wird der Punkt geteilt. Sollte es nach den angesetzten Begegnungen 6:6 stehen, entscheiden mehrere Schnellschach-, danach Blitzschachpartien. Das Preisgeld soll stattliche 2,55 Millionen Dollar (1,89 Millionen Euro) betragen.

(sid)
 
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