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Sportmediziner warnt vor Risiken
Marathon als Modedroge: "Stammtisch-Läufer riskieren Gesundheit

Marathon als Modedroge: "Stammtisch-Läufer riskieren Gesundheit
Sportmediziner Willi Heepe warnt vor den Gefahren FOTO: dpa
Ein Marathon gibt vielen Hobbyläufern einen Kick - und ist im Ziel meist ein Sieg über sich selbst. Doch viele sind auf diese extreme Belastung nicht gut vorbereitet. Sportmediziner Willi Heepe warnt vor den Gefahren und appelliert an die Verantwortung eines jeden.

Ein Marathon ist kein Kinderspiel - vor allem die "Stammtisch-Läufer" leben nach Ansicht von Sportmediziner Willi Heepe gefährlich und riskieren nicht selten ihre Gesundheit. "Mit Biertisch-Wetten, einmal im Leben einen Marathon zu laufen, tun sie sich keinen Gefallen. Die sind am meisten gefährdet. Und denen würde ich verbieten, die 42 195 Meter zu laufen", sagte der Arzt in einem Gespräch der Deutschen Presse-Agentur vor dem 42. Berlin-Marathon am kommenden Sonntag. Nur: Verbieten kann er keinem Hobbyläufer diesen Kraftakt. Seit Jahrzehnten setzt Heepe auf medizinische Betreuung, Aufklärung und Beratung.

In seinen über 30 Jahren als Medizinischer Direktor des Berlin-Marathons hat der heute 77-Jährige viel erlebt und manches gesehen, er hat selbst 50 Marathonläufe bestritten und treibt auch heute noch regelmäßig Sport. Immer wieder appelliert Heepe an das aus seiner Sicht Wichtigste: Das Verantwortungsbewusstsein eines jeden Sportlers. "Marathonlaufen ist eine Modedroge. 40 Prozent der Läufer waren nie beim Arzt. Das ist Wahnsinn!", sagt der Spezialist für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, der vor allem Ausdauersportler untersucht und berät.

"Viele sagen: Ich esse Müsli, ich rauche nicht - ich bin gesund." Doch um fit für einen Marathon zu sein, reicht das nach den Erfahrungen Heepes nicht. "Die Anfänger laufen zu schnell und zu viel", warnt der Mediziner und spricht sich für Leistungsdiagnostik, Gesundheits-Checks und maßgeschneiderte Trainingspläne aus. "Die Leute kaufen sich heutzutage ein Auto und bringen es wie selbstverständlich regelmäßig zur Inspektion", erklärt er. "Aber das eigene Herz - da wird der Ölstand nicht kontrolliert."

Die Weltrekorde der Leichtathletik FOTO: ddp

Deshalb wirbt er immer wieder für regelmäßige Untersuchungen vor einem sportlichen Ausdauer-Abenteuer. "Wenn man sich die Toten bei einem Marathon ansieht, dann muss man in den meisten Fällen sagen: Die sind schon vor dem Marathon gestorben."

Bei über 40 000 Läufern, die am Sonntag in Berlin an den Start gehen, "da weiß ich, dass viele lieber zu Hause geblieben wären", meint Heepe. Er weiß aber auch: "Der intelligente Läufer ist heute besser vorbereitet als noch vor 30 Jahren. Die Kerngesunden zeigen Verantwortung. Die Ignoranten sind am meisten gefährdet." Und: "Männer sind generell Vorsorge-Muffel."

So war der Düsseldorfer Marathon 2016 FOTO: Endermann, Andreas

Vorsorge ist besser als Heilen - diese Volks-Weisheit gilt für Heepe vor allem für Ausdauersportler, die sich oft nur einmal einer extremen Belastung aussetzen. Drei Dinge empfiehlt der Sportmediziner allen Hobby-Läufern daher: Ein sorgfältiges Belastungs-EKG, eine Blutuntersuchung und ein Ultraschall des Herzens. "Dann hat man eine sehr hohe Sicherheit, dass nichts passiert", erklärt der Arzt, der auch mit 77 Jahren noch praktiziert.

Vor allem für Läufer jenseits der 35 sei es "sinnvoll, dass man vorher einen Check macht", empfiehlt Willi Heepe, "damit man lernt, seinen eigenen Körper zu verstehen. Die Leistung muss man seinem Körperbau anpassen." Marathon-Läufer nur mit einem ärztlichen Attest starten zu lassen, davon hält er aber nichts. "Attestgeberei ist Blödsinn", betont der Experte, "ich sehe im Zwang keine Lösung".

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