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Marco Koch knackt Weltrekord
Der Freischwimmer

Fotos: Marco Koch – Darmstädter, Brust-Spezialist, Weltmeister
Fotos: Marco Koch – Darmstädter, Brust-Spezialist, Weltmeister FOTO: afp, mlm/rt/rc
Düsseldorf/Berlin. Marco Koch ist die größte Hoffnung auf bessere Zeiten im deutschen Schwimmen. Nach strenger Diät verbessert er den Weltrekord über 200 Meter Brust. Von Stefan Klüttermann

Einen Trend mitzumachen, ist nicht so das Ding von Marco Koch. Als alle der Meinung waren, Schwimmer müssten schlank sein, war der 1,85-Meter-Mann auch mit 92 Kilogramm über 200 Meter Brust erfolgreich. Und nun, da Bundestrainer Henning Lambertz fordert, die Athleten müssten künftig stärker auf Muskelmasse und Maximalkraft setzen, schwimmt Koch mit 13 Kilogramm weniger Weltrekord. Von 92 auf 79 Kilogramm nahm er ab. In sechs Wochen. Derart verschlankt stellte Koch nun bei der Kurzbahn-DM in Berlin zunächst einen Deutschen Rekord über 100 Meter auf und schwamm gestern im Finale über 200 Meter Brust in 2:00,44 Minuten Weltbestzeit. "Das ist bombastisch, richtig geil. Ich freue mich riesig", sagte Koch. Zur Kurzbahn-WM vom 6. bis 11. Dezember in Windsor/Kanada fliegt er damit umso mehr als einzige Medaillenerwartung des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV). Der 26-Jährige soll sich und den deutschen Schwimmsport freischwimmen.

Nach seinem enttäuschenden siebten Platz bei den Olympischen Spielen in Rio und der folgenden allumfassenden Diskussion, wie es bloß mal wieder aufwärts gehen könnte mit dem deutschen Schwimmen, war auch Kochs Körperfülle schnell zum Thema geworden. Nach eigenen Angaben stand der Weltmeister von 2015 im August in Rio bei 86 Kilo, nach Krankheit und Antibiotika waren es 92 beim Weltcup Anfang September in Moskau. Das beschloss Koch zu ändern - nicht, weil andere es wollten. Nur weil er selbst es wollte. "Ich hatte das zu Beginn des Jahres schon mal getestet und wollte es nun noch radikaler probieren. Das Risiko, dass so etwas nach hinten losgeht, ist recht hoch, daher wollten wir es nicht vor Olympia machen", erklärte der Darmstädter. Er ist seit jeher als Tüftler bekannt, der gerne mal eigene Wege ausprobiert.

Mit der Power-Diät von Ex-Schwimmer Mark Warnecke und dazu mit Yoga erreichte Koch sein neues Äußeres. Dass er mit deutlich weniger Masse und einem etwas eckigeren Körper seine größte Fähigkeit einbüßt, das befürchtet Koch nicht. Wohl zurecht, denn er, den sie wegen seines unvergleichlichen Gleitens unter Wasser "Pinguin" nennen, eilte auf der Kurzbahn-Weltcup-Tournee in diesem Herbst von Sieg zu Sieg: Achtmal ging er seit Ende August über die 200 Meter Brust an den Start, achtmal gewann er anschließend auch auf der 25-Meter-Bahn.

So trägt Koch in erster Linie die Erwartungshaltung all derer auf seinen Schultern mit, die daran arbeiten, nach zwei medaillenlosen Olympischen Spielen in Folge die internationale Konkurrenzfähigkeit des deutschen Schwimmens wieder zu erhöhen. Mit der frisch gewählten DSV-Präsidentin Gabi Dörries und einmal mehr modifizierten Konzepten soll es wieder aufwärts gehen, auch wenn es beim Neuanfang gehörig Gegenwind aus der Trainergilde gibt.

Es geht dem DSV vor allem um mehr Kraft. Mehr Muskelmasse soll bei jedem Zug mehr Kraft und eine höhere Frequenz ins Wasser bringen. Hier machte der Verband in Rio den größten Nachholbedarf bei seinen Sportlern aus. Also entwickelte er das Programm zur Maßgabe. Und nur wer auf lange Sicht das Krafttraining auch umsetze, werde vom DSV auch maßgeblich unterstützt, kündigte Lambertz an.

Kochs Diät passt da eigentlich nicht ins Schema. Aber Hoffnungsträger dürfen schon mal eigene Wege gehen. Als Weltrekordler sowieso.

Quelle: RP
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