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Weltmeister über 200 Meter Brust
Koch interessiert Weltrekord mehr als Gold

Fotos: Koch feiert historischen WM-Triumph
Fotos: Koch feiert historischen WM-Triumph FOTO: dpa, msc hak
Kasan. Nach seinem WM-Triumph über 200 m Brust zählt Marco Koch zu den Olympia-Favoriten. Doch das ist dem 25-Jährigen egal. Ihn interessieren nur seine Bestzeit und der Weltrekord.

In zwei Wochen wird Weltmeister Marco Koch an der Türkischen Riviera den einen oder anderen ungläubigen Blick auf sich ziehen. "Wenn man mich im Meer sieht, würde man nicht denken, dass ich Schwimmer bin", sagt der Goldmedaillengewinner von Kasan und grinst: "Da sehe ich sehr amateurhaft aus, ich treib' nur so vor mich hin." Im Urlaub in Side, beim Planschen in den Wellen, wird dem 25-Jährigen womöglich erst klar, was er geleistet hat.

Seit Freitag ist der Darmstädter der erste deutsche Schwimmweltmeister überhaupt über 200 m Brust, der erste deutsche WM-Champion seit Paul Biedermanns Doppelsieg 2009 – und der größte Hoffnungsträger für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro. "Ein bisschen viel auf einmal", meint Koch, "so richtig genießen konnte ich es noch nicht."

Unter türkischer Sonne hat der deutsche Vorschwimmer nicht nur genug Zeit, seinen historischen Triumph im Kasaner Fußballstadion zu verarbeiten. Er kann sich auch schon mal mit seiner neuen Rolle als Goldfavorit in Brasilien anfreunden. Damit allerdings hat er gar keine Probleme. "Es ist für mich egal, ob ich mit Platz acht oder 15 oder als Weltmeister anreise", sagt er: "Es ändert an meiner Ausgangsposition nichts. Ich will so schnell schwimmen, wie es nur geht."

Was die anderen von ihm erwarten, interessiert Koch nicht: "Hauptsache, ich erfülle meine Erwartungen." Und das, so schien es, hat er in Kasan trotz WM-Gold nicht ganz geschafft. Eigentlich hatte er den Weltrekord (2:07,01 Minuten) angepeilt, zumindest aber seinen deutschen Rekord vom EM-Sieg 2014 (2:07,47). Deshalb war die 2:07,76 im ersten Moment "eine Scheiß-Zeit" - auch wenn sie ihn zum Weltmeister machte. In Rio, ist sich Koch sicher, muss er schneller schwimmen als jeder vor ihm, wenn er Olympiasieger werden will.

Gelingt es ihm, wird er die Schmerzen danach gerne in Kauf nehmen. Als er im Mannschaftshotel Schaljapin am Morgen nach seinem WM-Triumph aufwachte, dachte er: "Welcher Zug hat mich denn überrollt?" Und er wird dann auch in Rio wieder über die Stränge schlagen und "Dreck" in sich hineinstopfen.

In Kasan belohnte er sich für ein Jahr Quälerei mit goldenem Finale im Schnellrestaurant an der Ecke. "Ich hab' mich zurückgehalten – nur 20 Chicken Nuggets und einen Cheeseburger", erzählte Koch. Das ist einerseits viel und für Koch doch wenig. Nach seinem Olympia-Aus vor drei Jahren in London bestand das Frustessen noch aus 60 Hähnchenteilen. Seit er nach einem auffälligen Bluttest seine Ernährung auf "vegan plus Fleisch" umgestellt hat, gibt es statt Hamburgern und Gummibärchen Reiswaffeln mit Erdnussbutter.

Vielleicht überlegt sich Koch beim Planschen in den Wellen nach den Weltcups in Moskau und Chartres auch, was er mit seiner Medaillensammlung macht. Das WM-Gold verbrachte die erste Nacht unbeachtet im Rucksack. Wo WM-Silber von 2013 und die Goldmedaille der Heim-EM im vergangenen Jahr geblieben sind, weiß er gar nicht. Wo der Weltrekord steht, dagegen schon.

(sid)
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