| 07.18 Uhr

Hockey-Bundestrainer wechselt zum DFB
Der Lockruf des Fußballs

Markus Weise erliegt dem Lockruf des Fußballs
FOTO: dpa, ab ts hak
Düsseldorf. Markus Weise ist einer der weltweit erfolgreichsten Hockeytrainer. Als ihn der DFB haben wollte, wechselte er die Sportart. Von Eckhard Czekalla

Hockey gehört zu den erfolgreichsten Sportarten hierzulande. In den Fokus rückt das Mannschaftsspiel aber nur bei Olympischen Spielen. Selbst Welt- und Europameisterschaften finden, wenn sie nicht in Deutschland ausgetragen werden, kaum Beachtung. Und Spiele in der Bundesliga sind auch alles andere als Massenveranstaltungen. Die deutschen Spieler gehörten und gehören zu den besten der Welt, auch wenn sie zuletzt etwas schwächelten (WM-Sechster 2014). Und der Erfolg hat einen Namen: Markus Weise.

Der in Hamburg lebende Mannheimer ist längst nicht mehr aktiv. Er bringt sein Wissen und seine Erfahrung als Trainer der Männernationalmannschaft ein. Seine Bilanz seit 2008: zweimal Olympiasieger, zweimal Europameister, einmal WM-Zweiter. Das Kunststück, viermal hintereinander die Goldmedaille bei Olympischen Spielen zu holen (2004 war er mit dem Frauenteam erfolgreich), wird der 52-Jährige nicht schaffen können. Und dies ist seine Entscheidung. Sie fiel ihm nicht leicht, sagte er, und man darf ihm das glauben.

Das Angebot des Deutschen Fußball-Bundes konnte und wollte Weise nicht ausschlagen. Wenngleich das Hockeyspiel viele Gemeinsamkeiten mit dem Fußball hat, wird er nicht als Mann für ein Team geholt. Er soll ab 1. Dezember seine Erfahrung und sein Wissen beim Aufbau der DFB-Akademie einbringen. Sie ist Teil des Leistungszentrums, das auf dem Gelände der Galopprennbahn im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen entsteht.

Dass Hockey und Fußball durchaus zusammenpassen, hat Weises Vorgänger gezeigt. Bernhard Peters, Weltmeistertrainer 2002 und 2006, wechselte vor neun Jahren zur TSG 1899 Hoffenheim, erlebte den Aufstieg in die Bundesliga mit und arbeitet seit Sommer 2014 beim Erstliga-Konkurrenten Hamburger SV als Direktor Sport. Die reizvolle Herausforderung, sich in einer anderen Sportart zu beweisen, ist die eine Seite. Dass es dabei sicherlich mehr als die maximal 94.000 Euro im Jahr zu verdienen gibt, die das Bundesinnenministerium für das Gehalt eines Chef-Bundestrainers an die Verbände überweist (Prämien nicht eingerechnet), ist gewiss auch nicht unwichtig.

Der Hockey-Bund muss einen neuen Cheftrainer finden - und das gerade mal neun Monate vor den Spielen in Rio. Es gibt perfektere Zeitpunkte. Spätestens Anfang nächster Woche, so Verbandschef Wolfgang Hillmann, will man Weises Nachfolger präsentieren. Gesucht wird ein Projekttrainer, der - so Hillmann - "das Potenzial der Mannschaft gemeinsam mit dem erfahrenen Staff für die Olympischen Spiele optimal entfaltet". Den Lehrgang in Mannheim als Vorbereitung auf das Finale der World League vom 27. November bis 6. Dezember in Raipur (Indien) leitet Co-Trainer Michael McCann. Sein erster Auftritt als "Chef" des Weltranglisten-Dritten (hinter Weltmeister Australien und dem WM-Zweiten Niederlande) war beim 6:1 gegen England erfolgreich.

Auch wenn ihm der Zeitpunkt nicht passt und er sich gewünscht hätte, vom DFB früher informiert zu werden ("die Gespräche zum Ende hin waren schon ein guter Ansatz für die Zukunft"), ist Hillmann optimistisch. "Die Worte Schock und Angst kommen in meinem Sprachgebrauch nicht vor", sagte der DHB-Chef.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Markus Weise erliegt dem Lockruf des Fußballs


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.